World War Z

World War Z  (World War Z)
USA 2013

Regie: Marc Forster; Buch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard, Damon Lindelof; Vorlage: Max Brooks; Kamera: Ben Seresin; Musik: Marco Beltrami; Schnitt: Roger Barton, Matt Cheese
Darsteller: Brad Pitt (Gerry Lane), Mireille Enos (Karen Lane), Daniella Kertes (Segen), James Badge Dale (Captain Speke), David Morse (Gunter Haffner)
Länge: 116 Minuten, Farbe

Der Virus bricht aus! Zombieapokalypse!!!
Mittendrin der Ex-Geheimdienstler Gerry und dessen Familie, die auf einen Kreuzer gerettet werden, damit Gerry mithilft den Ursprung der Krankheit zu erkunden.Nach Vampiren sind Zombies derzeit schwer aktuell und so wundert es nicht, dass aus ehemaligen Independent-Themen nun Mainstream-Filme werden. “World War Z“ ist so einer. 200 Millionen Produktionskosten steckt man nicht so ohne weiteres weg und machen es einem Zombiefilm nicht leicht das Geld wieder einzuspielen. Das könnte einem natürlich egal sein, aber wenn sich das dann auch künstlerisch niederschlägt, dann ist es das eben nicht mehr.Gerrys Familie ist bedroht; nicht nur von Zombies, auch von Menschen, denn der Zufluchtsort erlaubt es nur denen dort zu verweilen, die quasi kriegswichtig sind. Aus diesem Grund zieht der Held hier in den Kampf und verschafft so den Seinen eine Bleibe auf der schwimmenden Festung.

Was folgt ist ein James-Bond-artiges Laufen um die Welt, den Hinweisen nach, die spärlich gesät sind. Das ist Zombie-Film-untypisch und meist wird durch finale Actionszenen ein Ortswechsel eingeleitet.Nachdem in Israel die große Mauer überrannt wurde, begibt sich Gerry nach Wales um dem entscheidenden Hinweis nachzugehen. Gab es vorher eher großangelegte Szenen, ist nun das finale Kapitel ein Kammerspiel mit Resident-Evil Touch.
Hier gibt es einen deutlichen Bruch, den zuvor rannte und schoss man sich um die Welt, um diese untergehen zu sehen, und jetzt schleicht man leise durch ein Labor mit vergleichsweise wenigen potentiellen Gegnern, nur mit Brechstangen und Äxten bewaffnet.

Das mutet als Höhepunkt seltsam an, nicht schlecht, aber etwas unpassend. Hintergrund ist dabei der, daß der letzte Teil des Filmes neu gedreht wurde, nachdem man den schon gedrehten finalen Akt verworfen hatte. Das sieht man auch irgendwie in Tempo und Stil durch die vehemente Richtungsänderung, wobei es im Gesamten betrachtet nicht so stark ins Gewicht fällt.

Viel stärker wiegt hier die Tatsache, dass man einen Zombie-Film drehen wollte, der, um seine immensen Kosten einzuspielen, auf ein sanftes PG-13 ausgelegt ist (das entspricht ungefähr FSK 12 bei uns). Wer das liest merkt sofort, dass da eine Riesendiskrepanz aufklafft, denn vergangene Vertreter des Genres haben meist eine 18er Freigabe, respektive sind auf dem Index oder gleich ganz beschlagnahmt.

Diese Tatsache schlägt sich nun auch im Film nieder und so ist “World War Z“ der blutleerste Zombiefilm, den es gibt. “Ein Zombiefilm muss doch nicht per se blutig sein“, mag man vielleicht sagen. Das ist grundsätzlich richtig. Auch “28 Tage später“ war hier sehr zahm im Vergleich zu anderen. Trotzdem ist dies hier ein schwerwiegender Fehler, denn “World War Z“ ist nicht nur äußerst zahm, sondern beschneidet sich selbst auch an vielen Stellen.
Die vom Virus Befallenen fallen zwar über die Menschen her, aber Details werden ausgespart, es bleibt beim Herfallen. Kein wirklicher Biss, kein Verzehren, kein richtiger brutaler Angriff. “Wo ist die Bedrohung hin?“, muss man sich fragen. Was ist daran wirklich schlimm, außer daß man dann unappetitlich aussieht und sich mit allen Zombies verbrüdernd übereinander stapeln möchte?
So ist es die reale Gefahr, die einem fehlt, um wirklich mitfiebern zu können – und die bedingt eben auch mehr zu zeigen als einen Angriff ohne Auswirkung. Es gibt zwar ein paar kleine aus-der-Ecke-spring-Schock-Effekte, aber das reicht eben nicht. Die etwas feige Verweigerung Dinge zu zeigen führt auch dazu, dass als Schock gedachte Szenen mit Dramatik diese überhaupt nicht entfalten können.
Einer an der Hand gebissenen israelischen Soldatin hackt Gerry diese blitzschnell ab. Die Kamera zeigt dies nicht – und auch nicht die bald darauf folgende Verarztung der Wunde, die nur mit dem Gesichtsspiel der Akteure gezeigt wird. Man spürt direkt, wie zwanghaft jeder Schwenk, jedes Hochkommen des Armes vermieden wird.
Und auch als in einer brenzligen Situation gegen Ende Gerry doch trotz aller Vermeidung einen der Laborzombies mit einer Axt ausschalten muss, bleibt diese in diesem Stecken und wieder versucht man zwanghaft nichts davon zu zeigen. Ein Zombie nähert sich und anstelle zu sehen ratet man, wo die Dramatik und Spannung steckt, denn weder wird gezeigt, wie der erste Zombie zur Strecke gebracht wird, noch warum Gerry seine Waffe nicht wieder einfach in der Hand halten kann.

Genug geraten und ausgespart. Dafür gibt´s Zombies in Massen.
Viele der Vorgängerfilme hatten wenig Budget und konnten sich deswegen nie die erträumte Apokalypse leisten. “World War Z“ spart hier nicht mit Zombiehorden. Diese sind aber leider sehr oft computeranimiert. Dabei ist die Technik bei dem Budget natürlich gut, aber die Hordenanimation meist extrem unrealistisch – und damit wenig bedrohlich. Ähnlich wie eine Flutwelle ergießen sich  die Zombies über die Menschheit. Lächerlicherweise stapeln sie sich auch übereinander geschätzte 20 Meter hoch, um Hindernisse als menschliche Pyramide zu überwinden. Das sieht nicht nur doof aus, ist unrealistisch, sondern ist auch nicht wirklich eine Bereicherung des ganzen Szenarios, da die Zombies nun einfach alles plattrennen können.
Allmächtigkeit ist immer wenig spannend und Gegner brauchen Schwächen. Seit einiger Zeit sind aber Zombies schnell und hier können sie sich sogar übereinanderstapeln. Deswegen ist ihre Schwäche anscheinend Lärm, respektive Stille. Naja, so richtig logisch und überzeugend ist das dann auch nicht. Die Untoten tapsen somnambul durch die Gegend, selbst wenn potentielle menschliche Opfer zwei Meter entfernt sind, doch beim kleinsten Geräusch fangen sie an sofort auf dieses zuzurennen. Das visuelle Vermögen scheint also hier nicht ausschlaggebend zu sein, genauso wenig wie das sie nahe Nahrung zu riechen. Anstelle dessen: Lärm. Also ich verstehe das nicht ganz, sondern sehe eher die dramaturgische Notwendigkeit und nicht einen wirklichen Sinn darin.

Am Ende gibt es dann auch eine Szene die ich persönlich als wahre Frechheit aufgefasst habe. Brad Pitt, nun wissend um den nahen Sieg, geht an einen Automaten eines bekannten koffeinhaltigen Limonadenherstellers (nein, nicht der mit dem roten, sondern der mit dem blauen Logo), zieht eine Dose und trinkt sie genüsslich aus. Es fehlt nur noch das “Aah. Das tut gut!“ und eine passendes Jingle mit Werbespruch dazu.
Zwar hat man das in die Handlung integriert, indem er damit eben Lärm auslöst, aber diese Unverfrorenheit ist wirklich kaum zu überbieten.

Nach so viel Kritikpunkten sei aber eines zumindest festgehalten: “World War Z“ ist mitnichten ein totaler Langweiler, der einem im Kinosessel schlafend zurück lässt. Die Story ist nicht unbedingt das grossartigste Zugpferd, doch Präsentation, die Ortswechsel und die ständige Jagd halten ihr Tempo durch und so bleibt dem Zuschauer kaum Zeit zum Nachdenken.
Alles in allem wird man also durchaus gut unterhalten und kann sich ihn für einen gemütlichen Kinoabend durchaus anschauen, wenn man das Thema mag. Doch die genannten Punkte bleiben und man hat eigentlich immer das Gefühl, dass da noch etwas drin gewesen wäre, mehr als ein James Bond Film mit Zombies und ohne Actionszenen.Und wenn man das horrende Budget bedenkt, dann schielt man auch etwas auf die Weltbedrohung, die nur angedeutet, aber trotz den Unsummen eben nicht gezeigt wurde. Schade, denn hier hätte man mit einem Mainstream-Film trotz fehlender Härte punkten können, indem das Ausmaß in großer Dimension gezeigt wird. Eine leider verpasste Chance.

Zum Schluss noch das Thema 3D. In vielen Theatern lief der Film gerade gegen Ende der Spielzeit nur noch in 3D – und ich muss sagen, dass ich wirklich nicht weiss, wofür das hier gut gewesen sein soll. Die Tiefenwirkung kommt selten zur Geltung, 3D-Effekte ebenso – und wenn der Film am Ende zum Kammerspiel wird, dann frage ich mich dreimal, warum ich die Brille tragen soll. Nein, hier hat 3D wirklich keine Legitimation und kommt lange nicht an Referenzfilme in dem Bereich ran, sondern wirkt leider nur aufgesetzt.

“World War Z“ ist ein weiterer Zombiefilm, diesmal extrem flauschig und mädchentauglich, ohne Ecken und Kanten, ohne tiefere Gedanken oder Kritik an was auch immer. Den fehlenden Härten verdankt man fehlende Spannung, aber unterhaltsam ist das alles doch noch, wenn auch weder Meisterwerk noch Must-See.