Victor Frankenstein

Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn (Victor Frankenstein)
USA 2015

Regie: Paul McGuigan; Buch: Max Landis; Kamera: Fabian Wagner; Musik: Craig Armstrong; Schnitt: Andrew Hulme, Charlie Phillips
Darsteller: James McAvory (Victor Frankenstein), Daniel Radcliffe (Igor Straussman), Jessica Brown Findlay (Lorelei), Bronson Webb (Rafferty), Charles Dance (Baron Frankenstein), Daniel Mays (Barnaby), Freddie Fox (Finnegan)
Länge: 110 Minuten Farbe

Wollen Sie nicht schon immer alles über Victor Frankensteins Jugendjahre wissen? Oder besser noch, über Igors Jugend- und Victors Studienjahre? Wer ist das Genie hinter dem Wahnsinn? Und warum hat es Daniel Radcliffe so schwer, vernünftige Rollen zu finden? Das alles werden wir wohl nie erfahren…
Denn in dem Film geht es nicht nur um die ersten Experimente des nun auf einmal in London studierenden Victor Frankenstein, sondern auch darum, so viel trashige Momente wie möglich innerhalb der 110 Minuten unterzubringen. Zumindest interpretiere ich das so. Und da muss ich sagen: Auftrag ausgeführt, es darf gelacht werden!

Victor entdeckt den buckligen Igor in einem Zirkus, wo er seine sich selbst beigebrachten medizinischen Kenntnisse zur Rettung der schönen Kollegin Lorelei nutzt, nur um dann fliehen zu müssen. Natürlich wird er von Victor nicht nur zu seinem Assistenten befördert (und bei ihm versteckt), sondern er zwangsoperiert ihn auch in einer aberwitzigen Szene, indem er ihm den Eiter aus dem Buckeln pumpt (und vorher noch etwas “anlutscht“). Danach drückt er ihn an sich und “knax“, alles ist wieder gut – naja, fast, denn Igor bekommt noch ein metallenes Korsett, dass Victor ihm in fast der gleichen Sekunde um den Körper gürtet, in hollywoodesker “crash, boom, bang“-Manier. Ja, gebt mir mehr davon!!

Zwischendurch versucht der Film sowas wie Ernsthaftigkeit aufzubauen, aber dafür sind die Figuren und ihre Motive viel zu flach und viel zu ausgelutscht, es bleibt also bei dem Versuch – und durchaus netten Bildern und passender Ausstattung. Da macht man auch alles richtig, trifft ebenfalls den Geschmack der Zielgruppe, wie auch der Zeit, aber das reicht letztendlich nicht. Je weiter, desto klischeehafter wird die Handlung auch und am Ende gibt es den obligatorischen klassischen Showdown. Der Willen zur Modernisierung geht dann doch nur in kleinsten Ansätzen durch, was gut und schlecht zugleich ist.

Als echte Frankstein-Interpretation geht das dann nicht ganz durch, klar ist der absolute Kindergartentrash von der Marke eines “I, Frankenstein“ ein anderes Kaliber, aber es fehlt die wirkliche Eigenständigkeit, echte Originalität und vor allem weniger unfreiwillige Komik. Nunja, so gesehen kommt das dem Film ja zu Gute, denn das ist tatsächlich der größte Schauwert. Also der unterhaltsame Edeltrash-Faktor.

Optik und Ausstattung mögen Gothic-Fans verzücken, inhaltlich wandelt man eher abgetretene Pfade und fällt auch einige Male ins Gebübsch. Das ist witzig, wenn man modernen Fantasy-Trash mag und keine Literaturverfilmung erwartet. Eine echte Empfehlung ist er aber dennoch nicht.

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