Vidocq

 

Vidocq (Vidocq)
F 2001

Regie: Pitof; Buch: Jean-Christophe Grange; Kamera: Jean-Pierre Sauvaire; Schnitt: Thierry Hoss
Darsteller: Gérard Depardieu (Vidocq), Guillaume Canet (Etienne), Inés Sastre (Preah), André Dussollier (Lautrennes)
Länge: 94 Minuten

Dunkle Gassen, ein phantomgleiches Spiegelgesicht und ewiges Leben sind die Zutaten des Filmes um den in Frankreich bekannten Ermittler „Vidocq“. Insofern steht der Film in der englisch-französischen Tradition von mit Mysteryelementen angereicherten Abenteuergeschichten, d.h. es gibt geheimnisvolle Personen, Verschwörungen und übernatürliche Phänomene. Allzu viel Neues darf man aber damit hierbei nicht erwarten. Interessanter ist da schon die filmtechnische Seite, denn “Vidocq” wurde rein digital gedreht, d.h. nicht mehr auf Film, sondern darf sich rühmen, der erste große mit Cinema-Videokameras (Sony 900) gedreht worden zu sein. Noch vor Star Wars: Episode 1-3.

Die grundsätzliche (farblich natürlich am Computer nachkorregierte) Optik der hochmodernen HD-Digitalkamera ist wirklich sehr nah am Zelluloidfilm. Nur selten schimmern DV-typische Merkmale durch; so selten, daß es wahrscheinlich keiner merkt, der nicht danach sucht. Die Fehler bei “Vidocq” liegen vielmehr im gestalterischen Bereich. Die Bilder wirken oft künstlich durch den Einsatz von ganz oder teilweise einkopierten digitalen Elementen (z.B. massiv eingebaute künstliche Himmel oder Wolken). Manche Szenen liegen von der Optik sehr nahe am eigenwillig-künstlichen Look der TV-Serie “Lexx – The Dark Zone”.
Aber auch der unkontrollierte und motivationslose Dauereinsatz der Steadycam, ständige Weitwinkelverzerrungen, viele oft wirre und wahllose Schnitte und kein erkennbares Schema in der Bildkomposition (außer exzessiven Gebrauch von schlechten Top-Shots und viel zu extremen Nahaufnahmen), machen den Einstieg in den Film schwer und mindern die Ambitionen der Macher. Vor allem aber verhindern sie das Erzählen einer Geschichte und die Konzentration des Zuschauers auf diese. Letztlich lenken sie aber immer das Augenmerk auf die Kamera, anstelle dem Publikum eine Geschichte zu erzählen. Ein fataler Fehler.

Das neue Medium der Digitalcamera wurde also eher dazu eingesetzt, den Film auf der tricktechnischen Seite anzureichern und künstliche Welten zu erschaffen, als damit kostengünstig zu drehen oder eine Konkurrenz zum Zelluloid aufzubauen. Der Film selbst ist auf einfache Weise unterhaltsam, offenbart aber eine mit Fantasylementen gespickte “Schicke- und- Befolge”-Story. Leider ist die Auflösung weder in sich schlüssig, noch besonders originel – ein Problem, das Autor Grange schon zuvor mit dem ansonst geglückten “Die purpurnen Flüsse” hatte.

Insgesamt bietet er durchaus goutierbares Unterhaltungskino, das unglücklich umgesetzt wurde. Wäre man hier klassischer vorgegangen, hätte man sich mehr auf die Geschichte, als schicke Dekors und reine Effekte konzentriert, hätte man weniger auf die Vielzahl der Schnitte geschaut, anstelle damit selbst jede Actionszene in ein unübersichtliches Desaster enden zu lassen, dann könnte man den Film einem Genrepublikum als leichte Unterhaltung empfehlen. So ist dies leider nicht uneingeschränkt möglich.
 

 

INFO:
Regisseur Pitof war langjähriger Weggefährte und Special-Effect-Regisseur von Jean-Pierre Jeunet bei dessen Produktionen “Delicatessen”, “Alien 4” und “Stadt der verlorenen Kinder”. Vidocq, über den es schon eine TV-Serie und zwei weitere Filme gibt, ist eine wahre Gestalt; ein Verbrecher, der später ehrbar wurde und die erste Detektivagentur Frankreichs gründete.
Die DVD verfügt über eine extrem sinnentleerte Bonus-CD mit nichts, aber auch gar nichts, was man sich anschauen könnte.