U2 3D

U2 3D (U2 3D)
USA 2007

Regie: Catherine Owens, Mark Pellington; Musik: U2
Darsteller: Bono, The Edge, Adam Clayton, Larry Mullen jr.
Länge: 85 Minuten

Der Konzertfilm zeigt die Vertigo-Tour 2006 in Lateinamerika. U2 spielt alte und neue Songs. 85 Minuten Konzert mit Zugabe. Das war´s. Film aus. Keine Interviews, keine Tourbilder, kein Bandbus.

Und das ist auch gut so. Mit “U2 3D” gibt es Konzert pur. Fertig. Wer die Musik nicht mag, der ist natürlich im falschen Film, aber daß man hier nicht mit Touralltag nervt, ist wohltuend – und hat natürlich auch einen anderen Grund; der Film ist komplett in echtem 3D gedreht.

Im Kino heißt das Brille auf (modern, breit und bequem, nicht die Pappdinger, die schlecht sitzen) und dabei sein. Das ist hier wirklich wörtlich zu nehmen. Ich war nun wirklich das erste Mal auf einem U2-Konzert. Wenn die Zuschauer die Arme hochreisen oder an bewegenden Momenten applaudieren, dann kann man kaum an sich halten und will es ihnen gleich tun. Das Feeling durch die Plastizität zieht einem wirklich in den Film und gibt dem Ganzen eine unglaubliche Präsenz fast live dabei zu sein. Als erster realer abendfüllender echt-3D-Film also ganz klar ein Erlebnis, das es Wert ist.

U2-Hasser werden damit natürlich nicht bekehrt, aber neben dem technischen 3D-Effekt kann man eines ganz klar sagen: Die Jungs sind trotz ein paar grauer Haare wirklich gut auf der Bühne. Die Show wird mit hoher Dynamik durchgehalten und peitscht nach vorn, die riesigen Aufbauten sind beeindruckend, wie auch gut in das gesamte Konzept eingefügt. Die halbrunden Bahnen zu Plattformen im Publikum bringen Bewegung und mehr Bandkontakt.
Auch die Songauswahl stimmt. Es gibt die Hits zu hören, die alten wie die neuen, fast jeder Song dürfte auch nicht U2-Hörern bekannt sein und aus den ganz harten Elektrozeiten (ich sage nur: Flood) kommt wirklich nur das Beste.

Mitunter gibt es ein paar richtige Moralhämmer mit der Keule, die entweder verbal oder durch Projektionen in die Show eingebaut sind. Die Tendenz selbst empfinde ich als stimmig für die Band und auch die Tatsache, ein Rockkonzert für eine Botschaft zu nutzen per se gut, so könnte es doch hin und wieder etwas dezenter in der Ausführung sein. Dennoch gelingen der Band dadurch und durch das Zusammenspiel mit dem Publikum teilweise sehr gefühlsstarke Momente.

Schnitt und Kameraarbeit sind immer auf hohem Niveau, der Rhythmus ist nicht zu schnell, was gerade bei 3D eventuell unangenehm wäre und auch das 3D-Gefühl ist sehr angenehm und nicht mit Effekten überlastet. Es gibt nur kleinere Sachen, die schnitttechnisch in sehr sehr raren Momenten nicht ganz sauber gelöst sind. Schwamm drüber, der Zuschauer übersieht das, wenn er nicht wirklich vom Fach ist.

Das Konzert wurde mit 9 3D-Kameras aufgezeichnet – an sieben verschiedenen Orten – und, so behaupte ich (siehe Photo), auch mal hier und da gestellt (extreme Nahaufnahmen Bono). Erstaunlich, daß trotzdem alles noch so zusammen passt – aber auch ein kleiner Wermutstropfen – so ganz live war das dann doch nicht – und vielleicht auch nicht so spontan. Also: Hut ab, gut einstudierte Show, Respekt dafür.

Nichtsdestotrotz ist der Film ein vor allem beeindruckendes Erlebnis – ob das die Zukunft des Filmes sein wird? Als Filmemacher hoffe ich nicht, da wir dann natürlich ganz andere Budgets und Sehweisen bekommen – als Zuschauer hoffe ich auf einzelne weitere Filme, die ein ebensolches plastisches Erleben wahr machen. Ein bischen ist das so wie es beim Kino und Film in den Geburtsjahren war – man möchte etwas erleben, was so nur an diesem Ort möglich ist.