Underworld

Underworld (Underworld)
USA/GB/BRD/H 2003

Regie: Len Wiseman; Buch: Danny McBride; Kamera: Tony Pierce-Roberts
Darsteller: Kate Beckinsale (Selene), Scott Speedman (Michael Corvin), Shane Brolly (Kraven), Michael Sheen (Lucian), Bill Nighy (Viktor),
Erwin Leder (Singe), Sophia Myles (Erika), Kevin Grevioux (Raze), Robby Gee (Kahn), Richard Cetrone (Pierce)
Länge: 123 Minuten

Selene ist eine “Todeshändlerin”, eine Jägerin des Vampirordens, die deren Feinde, die Werwölfe, bis aufs Blut hetzt. Diese scheinen in jüngster Zeit einen gefährlichen Plan zu verfolgen, weswegen sie auf die Spur von dem von ihnen gesuchten Menschen Michael gerät. Intrigen, Händel, Verschwörungen und Liebe werden in der Storyline zusammengemischt, bei der die Werwölfe unter anderen einen Mischling aus beiden Rassen mit Hilfe von Michaels Blut schaffen wollen. Natürlich verlieben sich die beiden ineinander und Selene bekommt nun Schwierigkeiten mit ihren Leuten. Am Schluss stehen sie zwischen allen Fronten.

Daß Storyline und Charakterentwicklung bei so einem Film nicht vor Überraschungen und Tiefe strotzen, versteht sich leider von selbst. So bietet “Underworld” auch hier nichts neues, variiert nur viel bekanntes und kann nur durch das Setting und unverbrauchte Szenario der beiden Rassen in einem Film punkten.

“Underworld” gibt sich betont cool und lässig. Lange Mäntel wie in “Matrix”, Szenenanklänge und mehr bei “Blade”. Keines der Vorbilder erreicht der Film. Visuell gehen die Actionsequenzen zwar in Ordnung, sind aber nicht besonders fesselnd oder innovativ – eher routiniert im negativen Sinne. Ebenso läßt die Ausstattung und das Bühnenbild zu Wünschen übrig. Es wird sicher dem Film gerecht, denn dessen trashigen Charme unterstützt es meist, doch scheint das nicht unbedingt die Absicht dahinter gewesen zu sein. 22 Millionen hat der Film gekostet, liegt also weit unter dem Hollywoodstandard. Dafür muß man im Zweifelsfall Abstriche machen bei diesen Faktoren.
Der “Look” der Vampire und ihrer Gegner ist meist etwas ´verstaubt´. Die Vampire werden größtenteils in 20er Jahre Garderobe gekleidet – nur die Kämpfer haben die alten Schränke von Blade und Neo geplündert. Die Werwölfe präsentieren sich dagegen im rockigen Schmuddellook.

Den schlimmsten Fehler leistet sich der Film in seiner Figurenzeichung. Nicht die Plattheit stört; die Identifikationsmöglichkeit ist nicht vorhanden. Selene, Heldin des Films, ist kalt, emotionslos und roboterhaft, Michael ohne Dimension. Zudem kann man sich mit keiner der Spezies anfreunden. Beide Rassen haben hierarchische Strukturen.

Die Vampire sind monarchistisch, die Werwölfe paramilitärisch organisiert. Alle werden streng kontrolliert und sind, trotz ihrer Kraft und Macht, unfrei. Selbstverständlich gibt es auch keine ´Guten´. Werwölfe und Vampire bekriegen sich – das ist alles. Keiner ist moralisch besser, überall sind Gewalt, Ränke und Lügen. Selene und Michael als rassenschrankenüberwinden es quasi Romeo und Julia Paar haben hierin den einzig positiven Aspekt.
Logikfehler, die es in der Geschichte und den Details en masse gibt, sollte man nicht aufzählen (Seit wann können Vampire ertrinken? Warum brauchen Werwölfe Desinfektionsmittel bei Spritzen? Spiegelbilder von Vampiren?). Folgende Punkte seien aber bemerkt:
Die Liebesgeschichte zwischen Selene und Michael basiert auf rein gar nichts und wird nie motiviert. Sie retten sich gegenseitig (Selene droht zu ertrinken!) immer wieder, aber Selenes Charakter ist so konträr dazu, daß die initiale Kussszene total deplaziert wirkt.

Vom vampirischen Leben erfährt man nur so viel, daß die Vampire alle irgendwie dekadent sind, von großen Höhen unbeschadet herabspringen können und geklontes Blut trinken. Zudem ist es anscheinend untersagt Menschen zu töten (damit die Vampire ´netter´ wirken?). so ganz glaubhaft und durchdacht scheint das nicht zu sein. Es ist aber deswegen wichtig, weil sich Plotstränge darauf stützen. Außerdem besteht das Vampirvolk anscheinend zu mindestens zwei-dritteln aus jungen, gutaussehenden Frauen in schwarzen Kleidern.

Scott Silverman ist als Michael blas und kantenlos, bedingt natürlich auch durch den flachsten Charakter des Films, aber er selbst tut wenig, um dies zu kompensieren. Kate Beckinsale als Heldin bleibt durchweg kühl und unnahbar. Roboterhaft abgehackte Bewegungen dominieren die Gestik fast aller Werwölfe/Vampire. Zu viel wird überbetont. Hier öffnen sich keine Türen, sie springen auf, Bücher werden auf den Tisch geknallt – alles bekommt von der Regie den sinnlosen Bang-Stempel aufgedrückt, um zu zeigen – hey, die sind aber mordsmäßig gefährlich. Etwas behendere Aktionen hätten den Figuren gut getan und sie nicht so als Elefanten wirken lassen.

Von durchweg guter Qualität, gerade in Blick auf das Budget, zeichnen sich die CGI-Effekte und die Werwolfverwandlung aus. In bester aufgefrischter “American Werewolf”-Manier schieben sich hier die Wolfskiefer aus den menschlichen. Auch einige innere Animationen gibt es – Rippen, die sich im Körper herausbilden – und bei der Wiedererweckung Viktors beginnen die längst angestaubten Adern sich mit Blut zu füllen und das Herz pulsiert mit hämmernden Schlägen. Für mich die heftigste Sequenz des Films.

“Underworld” will nicht mehr sein als etwas dunklere Unterhaltung und erfüllt sein Ziel ohne Frage.

Die Werwolf-Vampire-Thematik bringt neuen Schwung in die öde Story. Für alle die, die keine Fans des Themas sind, sollte der Film aber aussen vor bleiben. Als Vampirfilme für Non-Fans gibt es besseres.
Doch jeder der mit der Thematik aber etwas anfangen kann, bekommt einen netten, etwas trashigen, aber unterhaltsamen Film mit kleinen Längen.

 

Auf DVD erschienen ist ebenfalls eine Extended Version, die ca. 12 Minuten länger geht. Für Fans des Films ist dies die bessere Wahl, da die zusätzlichen Szenen tatsächlich etwas positives zum Gesamtprodukt beitragen. Die DVD ziert ein “ab18”-Stempel der FSK, anstellte des normalen 16ers – vielleicht liegt´s an den Trailern, denn actionmäßig gibt es zwar ein paar Schüsse mehr zu sehen, aber nichts härteres, das dies begründen würde.