The Great Wall

The Great Wall (The Great Wall)
USA/CHINA 2016
Regie: Zhang Yimou;
Darsteller:
Matt Damon, Willem Dafoe, Andy Lau
Länge:
103 Minuten

Auf der Suche nach dem mysteriösen Schwarzpulver reist der Söldner William Garin mit einer kleinen Gruppe nach China, um die Wunderwaffe nach Europa zu bringen. Nach einem Überfall von Bergvölkern kommen sie vor der Chinesischen Mauer zum Stehen und werden gefangen genommen, um kurz darauf Zeuge zu werden, was die eigentliche Bestimmung des Bauwerks ist – die Abwehr saurierhafter, außerirdischer Kreaturen, die wie Ameisen angreifen.

Der Film läuft nicht lange und kommt gleich zur Sache – im Prinzip die Schlacht von Helms Klam immer und immer wieder nachzustellen. Die Horden sind dabei computeranimierte Wesen, die in den gewohnten Animationstürmen ankommen, d.h. sich übereinander stapeln (wie schon bei “World War Z“ die Zombies) und anderen unorganischen Humbug machen. Beim Angriff können die Europäer eingreifen und einige der Wesen töten, woraufhin ihnen das erste Mal Respekt der Verteidiger entgegen gebracht wird. Diese bestehen, wie immer bei Regisseur Yimou (“Hero“) aus historisch wenig korrekten, dafür schön ausstaffierten, farblich getrennten Truppen (die Bogenschützen sind z.B. alle rot gekleidet), die teilweise mit spektakulären, militärisch aber real betrachtet reichlich doofen Methoden kämpfen, wie die von der Mauer mit Seilen herabspringenden Kranichkriegerinnen und deren Anführerin Lin (die sehr mangahaft gestylt ist).

Die Verteidigungsanlage ist zudem mit Katapulten, Feuerbällen, riesigen, eingebauten Schwertern und Flugballons ausgestattet, was natürlich der Action zu Gute kommt. Die Tao-tie, also die Kreaturen, werden von einer Königin angeführt, die es zu vernichten gilt (woher die Chinesen das Wissen, ist schleierhaft, sieht man diese bei den Angriffen doch nie). Nebenbei will Williams Söldnerkollege Pero immer noch das Schwarzpulver stehlen, was für einige Verwirrung sorgt.

Die amerikanisch-chinesische Co-Produktion bietet zwar chinesische Rüstungen und den typischen Pathos vieler asiatischer historischer Filme inklusive Opfermut und Befehlsketten, aber auch ein Drehbuch, das einfach so kalkulierbar Hollywood ist, dass es keinerlei Überraschungen gibt, keinerlei Innovation und Charaktere, die nur zur Actionuntermalung dienen. Natürlich ist der Film reines Blockbuster-Kino und kein Psychogramm, aber jegliche Figur existiert nur als stereotype Schablone ihrer selbst und auch die Hauptrollen müssen wenig mehr machen, als ernst in die Kamera schauen (oder eben daran vorbei) und ein paar altbekannte Sätze herunterleiern. Genau gesehen ist das geradezu ein Vorbild für derartige Actionfilme und genau deswegen ist man genauso enttäuscht, wie auch befriedigt. Der einst umstrittene Yimou liefert mittlerweile Mainstreamkost der klarsten Sorte ab und insgesamt schaut man eben nur einer ausgedehnten Actionszene zu, was letztlich beides enttäuschend ist, dafür gibt es eben Kopf-aus-Action ohne Unterlass und der Film kommt mit unglaublichen 91 Minuten aus (und 12 Minuten Abspann), wofür man allein schon einen Dankbarkeitspunkt vergeben muss, da der Überlängenschwachsinn für Kleinhirnfilme definitiv derzeit übertrieben wird.

“The Great Wall“ ist 150 Millionen schweres Hochglanz-Actionkino, das keinen Nährwert besitzt, aber durchaus als Pausenfüller durchgeht. Man kann ohne Probleme den Raum verlassen und zu jeder Zeit zurück kommen und wird immer noch der Handlung zur Gänze folgen können. Der Nähr- und Wiederschauwert ist äußerst gering, aber es gibt auch schlechteres Popcornkino, das muss auch gesagt sein. Wer letzteres mag, der kann ohne viel Erwartungen reinschauen, wer echte Filme sehen will, der ist natürlich komplett fehl am Platz.