The Legend of Hercules

The Legend of Hercules (The Legend of Hercules)
USA 2014
Regie: Renny Harlin
Länge:
99 Minuten

Ab jetzt gibt es einen neuen Anwärter auf den Titel “schlechtster Film ever“ – „The Legend of Hercules“. Nein, das ist nicht der Blödsinn mit “The Rock“, der gegen diesen Film hier wie ein einziges Meisterwerk anmutet, sondern der im gleichen Jahr (2014) erschienene Film von Renny “Die Piratenbraut“ Harlin.

Betrachtet man das DVD-Cover, dann sieht man, wie viel Arbeit sich das Studio mit der Präsentation des Filmes gemacht hat. Ich dachte erst, es handelt sich um ein Asylum Ripp-Off des anderen Film, nicht um eine zeitgleich gedrehte, 70 Millionen Dollar Orgie an Schwachsinn, Unvermögen und Fremdschämen. Das spricht schonmal für sich – ebenso dass der deutsche Verleih sich nicht mal die Mühe gemacht hat, den Titel auch nur im Ansatz zu lokalisieren.

Meiner Meinung nach sollte der Film an allen Filmschulen gezeigt werden, um zu verdeutlichen, wie man es nicht macht und trotz ansehnlichem Budgets in ALLEN Disziplinen versagen kann. Das fängt mit der Optik an, die zwischen 300-Klon und ambitioniertem Fanfilm schwankt, den Computereffekten, die von JEDEM X-Box-Spiel in den Schatten gestellt werden, den Klonarmeen an griechischen Truppen oder den ständigen, in jeder Szene präsenten Ramping-Effekten, die selbst beim Pferdegetrampel noch eingesetzt werden.

Hervorragend auch die dramaturgischen Fähigkeiten aller – das Einfühlungsvermögen von Neandertalern vorausgesetzt, mag die “Schauspielerei“, die “Regie“ und der “Szenenaufbau“ auch glaubwürdig sein. Wer allerdings mehr als acht Jahre alt ist, kann wahrscheinlich schon besser inszenieren.

Computerschiffe fahren auf Computermeeren vor Computerhintergründen, Computersoldaten kämpfen vor Computerburgen gegen andere Computersoldaten. Holla – die Greenscreen ist omnipräsent und wo einmal einkopiert wird, z.B. beim nemeischen Löwen, der wünscht sich Lou Ferrignos Mann im Bärenfell zurück – das sah allemal glaubwürdiger aus, als die Schmusekatze, die nun in den Film eingestanzt wurde.


Oh, hab ich doch gerade vergessen, was über die Story zu sagen, sonst fang ich da ja damit an. Beim besten Willen – ich weiß sie nicht. Ich habe wirklich keinerlei Ahnung, welche Geschichte hier erzählt wird. Nimm einen Schuss “300“, dann noch “Spartacus“ und “Gladiator“ rein, irgendwas von “Hercules“ und sei es auch nur ein paar Namen, schmeiss noch ein paar Ägypter rein und dann alles in den Mixer… Ich kann nur soviel sagen, dass alle fünf Minuten eine Kampf- oder Actionszene statt findet und das JEDE Aktion ÜBERTRIEBEN dargestellt wird. Leider sieht das meist nicht gross aus, sondern trieft vor unfreiwilliger Komik.

“Gut, gut, gut“, mag man jetzt sagen, “das ist halt so bei Billigfilmen“, nach denen die “Legende“ aussieht und ebenso strukturiert ist – aber 70 Millionen Dollar sind auch im Fieber der Monumentalbudgets kein Klacks. Doch nie sieht der Film nach mehr als einer TV-Produktion aus, die mit Budgetmängeln kämpfen muss. Was ist mit dem Geld passiert? In die lausigen Effekten ist das sicher nicht geflossen. Evtl. hat sich das Produktionsteam da nen netten Urlaub gegönnt und dann in den letzten 10 Tagen freudlos das Teil runtergekurbelt.

Wer also wirklich alles gesehen hat, der kann sich auch “Die Legende von Hercules“ ansehen, aber erst nachdem er alle anderen Herkules-Filme angesehen hat, denn JEDER der anderen ist besser, auch “Herkules gegen Zorro“.