Unter Kontrolle

Unter Kontrolle (Surveillance)
USA 2008

Regie: Jennifer Chambers Lynch
Buch: Kent Harper, Jennifer Chambers Lynch
Kamera: Peter Wunstorf
Darsteller: Julia Ormond (Elizabeth Anderrson), Bill Pullman (Sam Hallaway), Pell James (Bobbi Prescott), Ryan Simpkins (Stephanie), Michael Ironside (Captain Billings)
Länge: 93 Minuten

Zwei maskierte Täter machen einen verlassenen Teil des Landes unsicher und töten anscheinend wahllos Menschen. Doch mit einem Polizisten, einer Drogenabhängigen und einem kleinen Mädchen gibt es das erste Mal drei Zeugen. Zwei FBI-Ermittler und der lokale Polizeichef befragen die Zeugen. Der FBI-Chefermittler überwacht die Aussagen zeitgleich über Videokameras in einem Nebenraum.

Jennifer Lynch ist die Tocher von Indiependent-Guru David Lynch. Jennifer hat auch schon vor 15 Jahren mit “Boxing Helena” einen Film gedreht, dessen Schauspieler-Rechtssreit mehr Wirbel ausgelöst hat, als der Film selbst. Die berüchtigte “Goldene Himbeere” für den schlechtesten Film gab es außerdem. Gut, das war kein guter Film, aber soo schlecht???

Kurosawas “Rashomon”-Grundthema wird bei “Unter Kontrolle” mal wieder strapaziert (wie auch bei “Hero”), aber wo Kurosawa die einzelnen Wahrheiten/Lügen der Zeugen zeigt, wird hier immer nur die wahre Wahrheit gezeigt, ein Spiel mit doppeltem Boden gibt es nicht, was die Idee schon gleich ad absurdum führt. Im Klartext heißt das, egal was jemand erzählt bzw. erzählen würde, man sieht immer genau das, was auch passiert ist. Der Film wird also mal wieder rückwärts aufgerollt, aber die Grundstruktur  ist damit ebenso denkbar einfach, wie maßlos enttäuschend, wenn man den Vorbau und die Optionen ansieht.
Nach einer kurzen blutigen Einleitung mit einer Mordszene folgt die Zeugenbefragung, die allesamt abwechselnd und chronologisch erzählen. Das ist wenig raffiniert und auch für den Zuschauer wenig interessant. Zu den Fällen die nie dargelegt werden hat man keinen Zugang, zu den Personen auch nicht, Spannung ist ein Fremdwort und die Dialoge sind wahrhaft unterirdisch. Michael Ironside hat es hier noch gut, denn er kommt mit der Wortmenge von Arnolds Terminator aus. Die anderen dürfen 08/15-Phrasen gelangweilt herunterbeten.

Nun wird lange und breit alle möglichen Dinge erzählt, um die Zeit zu strecken. Es folgen quälend lange Szenen, wie die örtlichen Cops Autofahrer demütigen. Eine total sinnlose Szene, da sie nichts zum Ganzen beiträgt und die doch irgendwie hinsichtlich Länge und Inszenierung das Herzstück zu sein scheint. Doch ohne die Szene könnte der Film ebenso leben, denn sie ist definitiv nutzlos, wobei das schreckliche auch ist, dass das anscheinend niemandem aufgefallen ist.

Das ist auch das Problem des Streifens, denn wer sich bis dahin durch den Film geschleppt hat, der darf auch noch den finalen Angriff der Killer erleben und ebenso einen gääähnend langweiligen und katastrophalen Twist am Ende, bar jeder Logik, bar jeder Recherche, bar jedweder Schauspielkunst. Der Titel bezieht sich auf die Situation, daß der FBI-Mann alle Räume mit Videokameras “unter Kontrolle” hat (OT: Surveillance = Überwachung). Eine Thematik, die ebenso verschenkt ist, da sie wiederum nichts zum Film beiträgt – weder zur Lösung noch zu den Personen noch als deduktisches Element.
Davon gibt es sowieso keines, denn die reinen Aussagen, die zudem filmisch nicht so erzählt werden, wie sie anscheinend faktisch erzählt werden, bilden den gesamten kombinatorischen Zusammenhang. Um hier wenigstens ein interessantes Element zu haben, müßte man, wie im Vorbild “Rashomon” jeden der Zeugen die Lügen/eigene Wahrheiten erzählen lassen – die Suche nach dem Kern wäre die Aufgabe der Ermittler und der Reiz der Geschichte.

Das, wie so vieles, hat man aufgrund nicht nachvollziehbarer Drehbuchschritte nicht getan, was nur zu dem allgemeinen Gesamtbild beiträgt. Das Drehbuch ist von fast schon amateurhafter Qualität und ich kann mir nicht vorstellen, daß es jemand der Beteiligten zuvor gelesen hat.

Waren “REC” und “Van Helsing” wirklich harte Kandidaten für die schlechtesten Kino-Filme, so konnte man doch bei beiden Produktionen auch gute Seiten abgewinnen. Bei “Unter Kontrolle” kann man hier lange suchen. Somit sind wir wieder bei der “Goldenen Himbeere” – diesmal ein definitiv heißer und verdienter Kandidaten dafür. Dieses Machwerk ist für mich einer der schlechtesten Filme der Welt und ist ebenso definitiv selbst für den härtesten Allesseher (zu denen ich mich ebenfalls zählen kann) keinen Blick Wert.
Sinnlosigkeit in Perfektion – ein Film den keiner braucht.

Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden sah dies anders und verpasste dem Film das Prädikat “Besonders wertvoll” – nicht die erste fragwürdige Entscheidung.