T2 Trainspotting

T2 Trainspotting (T2 Trainspotting)
JUK 2017
Regie: Danny Boyle; Buch: John Hodge; Kamera: Anthony Dot Mantle; Schnitt: John Harris
Darsteller:
Ewan McGregor (Mark Renton), Ewan Bremner (Daniel Murphy), Robert Carlyle (Francis Begbie), Johnny Lee Miller (Simon Williamson)
Länge:
117 Minuten

Wie schon weiland bei den “Drei Musketieren“ heisst es auch hier: “20 Jahre später“. Renton, Sick Boy, Spud und Begbie sind in die Jahre gekommen, Drogen sind immer noch ein Thema für die meisten und genauso krebst man immer noch am Rande der Gesellschaft herum, um endlich irgendwann einmal den grossen Coup zu landen.

So ein Film hat es schwer. Das Erbe des ersten Teils ist einfach sehr gross und da man es hier mit keinem höher-grösser-weiter-Actionfilm zu tun hat, sondern eher mit einem Zeitgeistporträt, ist es umso schwieriger daran anzuknüpfen. Das wussten auch die Filmemacher und so ist “Trainspotting 2“ eine Mischung aus Fortsetzung, Hommage, Rückschau und Feelgood-Retro-Movie.

Wer den ersten Teil nicht kennt, für den macht der Film kaum Sinn, denn sehr oft werden immer wieder Reminiszenzen eingebaut, sei es in der Musik, den Orten, den Einstellungen, der Handlung oder auch einfach kurzen Einsprengseln aus dem Originalfilm.

Es ist dabei eben kein rein eigenständiges Werk oder eine klassische Fortsetzung, sondern weiß um das Publikum, das mit den Figuren älter geworden ist, mit den Szenen, der Musik, den Erwartungen – und Enttäuschungen. War “Trainspotting“ der Film einer Jugend, die verloren schien und nicht wusste wohin, so ist Teil zwei der Film einer Mitvierziger-Generation, die immer noch 25 ist – aber mit 20 Jahren mehr an geplatzten Träumen und nicht gelebten Revolten. Hier geht es nicht darum, ob der Film im klassischen Sinne mit eigener Handlung, neuen Impulsen oder einer durchgängigen Spannung überzeugt; hier findet man sich wieder oder ist irritiert von der konsequenten Mißachtung filmischer Regeln und Brüche.

Die Handlung ist episodenhaft, viel mehr wie die ursprüngliche Erzählung von Irvin Welsh, die Beziehungen der Figuren aufgrund des Verrats von Renton getrübt, ein roter Faden ist da, aber eben nur lose am Anfang und am Ende. Während am Anfang die Erinnerung aufkeimt, so ist es in der Mitte eher der Spaß an den Figuren und am Ende das Zerwürfnis, in dem sich alle befinden. Durch die permanenten Rückbezüge bricht man aus einer normalen Filmstruktur heraus, Anthony Dod Mantle fängt den bildlichen Geist des damaligen Kameramanns wieder ein, Achsensprünge symbolisieren das innere Chaos, in dem die meisten Figuren sich befinden und fast jede Figur des Originals bekommt einen Auftritt.

Natürlich entfaltet der Film aufgrund all dieser Rückbezüge nicht die gleiche wilde Dynamik wie der erste Teil, auch die technischen Kniffe und Erzählmuster sind natürlich schon bekannt (die Stopp-Bilder, die raue, fluchende Sprache oder die weniger Schock-Szenen), aber wer den ersten Teil mochte und mit den Figuren älter geworden ist, der wird sowohl die Enttäuschung, wie auch die Zügellosigkeit der Figuren nachempfinden können. Wieder ausbrechen, so wie Renton, dessen bürgerlich-geordnetes Leben dahin ist, wieder durch die Straßen rennen, wieder sich prügeln, fühlen, spüren, wieder Revolution, nur nicht so verbissen spiessig und bequem sein.

“T2“ ist schwierig zu beurteilen. Vielen wird das zu viel Selbsthommage sein, so wie es das auch schon bei Fellini war (8 ½), vielen wird der melancholischere Ton zu bedrückend sein, aber ich empfinde das als Boyles beste Arbeit seit dem grandiosen “Vacuum Complety Nude in Paradise“.