Star Trek 10: Nemesis

Star Trek 10: Nemesis (Star Trek 10: Nemesis)
USA 2002

Regie: Stuart Baird; Buch: John Logan; Kamera: Jeffrey Kimball; Musik: Jerry Goldsmith
Darsteller: Patrick Steward (Jean-Luc Picard), Jonathan Frakes (William Riker), Brent Spiner (Data), LeVar Burton (Geordi La Forge), Michael Dorn (Worf), Marina Sirtis (Deanna Troi), Gates McFadden (Dr. Beverly Crusher), Tom Hardy (Shinzon), Ron Perlman (Viceroy)
Länge: 116 Minuten

Zum zehnten Mal geht die Enterprise im Kino auf Reise, für die Crew um Captain Picard ist es aber erst der vierte Einsatz, den er, das sei hier schon einmal verraten, mit Erfolg bestreitet.

Star Trek Filme unterliegen anderen Kriterien, als gewöhnliche Science-Fiction Filme. Hauptkundschaft ist eine eingeschworene Gemeinde, vorgebildet durch die Fernsehserie und deren zahlreiche Ableger. Diese Trekkies haben Erwartungen, die die Serie selbst mit aufgebaut hat, die sie aber auch in ein etwas starres Korsett zwängt. Dazu gehören moralische Integrität der Figuren, eine moralisch-humanitäre Botschaft, zu deren Erkenntnis der Antagonist beiträgt, eher verhaltene Bordgefechte, der kontinuierliche Ausbau der Charaktere der Teammitglieder und ein Captain, der sich vor dem finalen Schuß aus der Bordkanone aus seinem Sessel erhebt – die Kamera fährt auf ihn zu – und dann mit entschlossenem Blick “Feuer” ruft. Das Verdienst der Kinoreihe ist es, daß sie versucht, hin und wieder aus den Mustern herauszubrechen und neue Einflüsse aufnimmt. Das ist gerade auch bei “Star Trek 10: Nemesis” der Fall.

Nach dem üblichen Boom-Anfang (wie in den meisten amerikanischen Produktionen, siehe “Star Wars: Episode II” und “Ghost Ship”) nimmt die Enterprise Kurs auf Trois Heimatplaneten Betazed, um dort die Hochzeitszeremonie mit Riker zu vollenden. Doch seltsame Signale lassen den Captain aufhorchen und in einem Außeneinsatz findet man die verstreuten Teile eines Androiden – des Vorgängers von Data.
Wieder an Bord müssen sie sich gegen shinzon, den neuen Befehlshaber des romulanischen Heimatplaneten wappnen. Dieser wurde aus einer Zelle Picards geklont.
Shinzon, so findet die Crew heraus, will mit Hilfe des zweiten Data an ihre Truppenpläne kommen und mit einer neuen Superwaffe alle Schiffe der Föderation auslöschen. Dabei kennt er, durch seine Abstammung, auch die Denkweise Picards.
Aber, so will es das Schicksal und der findige Drehbuchautor, er hat auch eine Schwäche. Sein Körper zerfällt langsam und so braucht er Picard, um durch eine Operation sein Leben zu erhalten. Daß ihm die Enterprise dabei kräftig in die Suppe spuckt ist klar; und auch die Romulaner erkennen das wahre Ich von Shinzon. Bei der finalen Endschlacht opfert sich Data, um die Superwaffe, und damit sich selbst, zu vernichten. Doch natürlich gibt es da noch seinen fehlerhaften(= Konflikte) Vorgänger/Bruder.

“To Be Continued” fehlt am Ende des Films, denn darauf deutet alles hin. Das wäre auch nicht das erste Mal, daß trotz herber Verluste alles wieder gut werden würde (Star Trek 2 (Spok) und 3 (Enterprise) geben dafür ein gutes Beispiel). So sind denn auch genug Handlungsfäden gelegt, um die Enterprise weiter zu tragen und die Aussage, dies sei der letzte Film der Reihe, ins Reich der Legenden zu verweisen.

Grundsätzlich altbewährtes gibt es in der Inszenierung und die Fans der Serie werden sicherlich nicht enttäuscht sein. Alles ist gewohnt behutsam, die Schnitte nicht zu schnell, das Tempo nicht zu drastisch. Gleiches gilt für die Action (Raumschlachten waren noch nie die Stärke der Star Trek Filme). Die Story entpuppt sich als typisches Welteroberungsszenario, das aber vom “Gladiator”-Autor geschickt getarnt und umschrieben wurde. Shinzon selbst ist ein charismatischer Bösewicht und hat mit seiner ersten Begegnung mit Picard den dramatischsten Moment des Films. Glücklicherweise menschelt es auch nicht zu sehr und trotz hin und wieder platter moralischer Dialoge über Menschlichkeit und die Emotionalität, die Data zu einem vollwertigen Mitglied machen, sind diese Szenen kurz genug und verstreut, um nicht in Langeweile auszuarten. So gelang ein unterhaltsamer Streifen, nett anzuschauen, den man aber nicht unbedingt ein zweites Mal sehen muß.

Stimmung und Atmosphäre erinnern etwas an “Stark Trek 8”, da Shinzon und seine Remianer ein wenig den Borg gleichen (jedenfalls in Fragen des Dekors und der Beleuchtung). Die düster-schwere Stimmung ihrer Szenen macht einen Großteil ihrer Bedrohung (und ihren Reiz) aus, die bis zum Ende nicht physisch gezeigt wird. Dies ist wichtig, denn insgesamt gibt es primär nur zwei Handlungsschauplätze – die Enterprise und Shinzons Raubvogel.

Somit mutet der Film kammerspielartiger an als die Vorgänger, was aber durchaus seinen Reiz hat. Auch in Größe der Crew und der Konfrontation zweier Schiffe und Gegner liegt ein Vergleich mit “Star Trek 2: Der Zorn des Khans” nahe. In beiden Filmen sehen wir fast nur die Kommandobrücke und den kleinen Teil der Crew darauf. Wenn sich die Schiffe gegenseitig zu entern versuchen, spielt sich das außerhalb der Hundertschaften ab, die die Schiffe als Personal haben und kulminiert, wie gewohnt, zwischen den Hauptpersonen.

Die Erkenntnis ist nicht neu, sie wurde aber von den Filmemachern anscheinend nicht realisiert. Immer noch gibt es nur vereinzelte Sicherheitstruppen (fünf Mann), wenn Data Picard befreit und das wirkt gelinde gesagt etwas unrealistisch. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, in welche schwarzen Löcher das Budget gefallen ist. 60 Millionen Dollar und mehr soll der Teil gekostet haben; was wir zu sehen bekommen liegt aber unter dem Schauwert dieses Betrages.

Zwei Handlungsorte, ein paar Animationen, die immergleichen Explosionen auf der Brücke (wackel-wackel von der Kamera, Leute, die durch die Gegend fliegen – altbekannt aber auch altbacken, war schon seit Teil 3 nicht mehr spannend), ein paar außerirdische Gegner. Ein Mysterium, das vielleicht der nächste Film lösen kann – oder ein Geheimnis der überteuerten amerikanischen Filmindustrie überhaupt.

Ein weiterer Punkt ist die extreme Konzentration auf Data, Shinzon und Picard. Als normaler Zuschauer stört mich das wenig, im Gegenteil, ich finde die Verdichtung grundsätzlich gut und habe damit keine Probleme, aber da man ja auch die Fans der Serie befriedigen muß, brauchen die anderen Charaktere auch Szenen und Text. Im Beispiel von Worf zeigt sich, daß dieses Kriterium weder erfüllt noch gut gelöst wurde. Der kämpferische Klingone hat wenig Szenen, wenig Text und wenn er etwas sagen darf außer Meldungen und Erklärungen, dann ist es vom Kaliber “Die Romulaner haben ehrenvoll gekämpft!”. Ein etwas dilettantisches Vorgehen Charaktere mit entsprechenden unnötigen und unsinnigen Textzeilen in der Screen-Time aufzuwerten.

Störend ist ebenfalls das Ausbleiben von Emotionen in Bezug auf die zwischenmenschlichen Beziehungen. Picards “Lovestory” ist non-existent in jeder Beziehung und auch die Frischvermählten sind an Bord berufskrank und haben, bis auf die finale Todesgefahr für Riker (Umarmung wie: ”Mein Held!”), keine Zeit füreinander. Riker selbst scheint auch etwas zu beleibt geworden zu sein – und zu undynamisch, um glaubhaft die Kämpfe und Liebesszenen bestreiten zu können.

Ähnlich wie bei “Episode II” finden sich zwei Actionszenen mit denen ich so meine Probleme habe. Daß die Crew mit ihrem Fahrzeug über eine Klippe in der Luft ihr wartendes ferngesteuertes Shuttle springen kann, mag ich gerade noch so akzeptieren, daß sie aber innerhalb der wenigen Meter Ladefläche bremsen können und nicht vorn wieder herausbrechen, kann wohl keiner Glauben. Dieser Drang zu James Bond ähnlichen Actionszenen macht sich immer mehr bemerkbar und trägt nichts Gutes zu den neuen Filmen bei. Die filmische Realität sollte nie in Frage gestellt werden, doch mit solchen Szenen kann höchstens ein neunjähriger zufrieden sein. Alle anderen werden die Stirn runzeln und der Film hat für diese Zeit den Zuschauer verloren.
Der Höhepunkt ist hierbei die Endschlacht, in der Data von der Enterprise aus in den Weltraum springt, über eine Strecke von ca. 2 Kilometern geradeaus fliegt, auf dem Raubvogel landet und in ihn eindringt. Puuh. Nein, danke

Hier noch meine persönliche Hitliste der Trek Filme,
um das Abenteuer etwas einordnen zu können:

(Next Generation)
1. Star Trek 8: Der erste Kontakt
2. Star Trek 10: Nemesis
3. Star Trek 9: Der Aufstand
4. Star Trek 7: Treffen der Generationen

(Original Crew)
1. Star Trek 6: Das unentdeckte Land
2. Star Trek 2: Der Zorn des Khan
3. Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock
4. Star Trek 1: Der Film
5. Star Trek 4: Zurück in die Gegenwart
6. Star Trek 5: Am Rande des Universums

Meine Favoriten sind klar Star Trek 8 und 6. 10, 2 und 3 finde ich unterhaltsam. Der Rest ist in Ordnung aber, für non-Fans wie mich, nicht besonders bewegend.