Solo: A Star Wars Story

Solo: A Star Wars Story (Solo: A Star Wars Story)
USA 2018
Regie: Ron Howard; Buch: Jonathan & Lawrence Kasdan
Darsteller:
Alden Ehrenreich (Han Solo), Woody Harrelson (Tobias Beckett), Donald Glover (Lando Calrissian), Emilia Clarke (Qi´ra)
Länge:
135 Minuten

Der Disney-Konzern hat 2012 Lucasfilm, und damit die Rechte an Star Wars, für vier Milliarden Dollar gekauft. Anstelle wie zuvor erst nach langen Jahren Filme zu veröffentlichen, hieß es vor allem eines – bald wieder diese vier Milliarden einspielen, denn darauf will keiner Jahrzehnte warten. Deswegen gab man auch Gas und hat den Output auf de unglaublichen 1-Jahres-Turnus hochgedreht, natürlich die Ablegerfilme wie “Rogue One“ mit eingerechnet. Somit sind wir mittlerweile auch schon beim vierten Film dieses Vorgehens angelangt (dafür hat man vorher 20 Jahre gebraucht) und langsam macht sich Ermüdung und Gegenwind breit. “The Last Jedi“ hat mit massiver Fankritik zu kämpfen, nachdem man komplett die vorher aufgebauten Linien aus “Das Erwachen der Macht“ ignoriert hat. Das Erbe ist schwer, die Kritik hart – und zwar so stark, dass Kathleen Kennedy, die als Bewahrerin der Macht einst von Lucasfilm eingesetzt wurde, nach den Querelen ihren Hut nehmen musste.

Auch “Solo“ hatte es nicht einfach. Das Regie-Duo Lord/Miller wurde in der Mitte der Dreharbeiten entlassen, ein Cutter, der den Vorschnitt machte ebenso – und dadurch gab es erstmal eine Drehpause, die erst mit Regie-Veteran Ron Howards dazukommen ein Ende fand. All das ist natürlich schonmal kein gutes Omen und macht erst recht skeptisch bei einem Film, der die Vorgeschichte einer der beliebtesten Charaktere erzählen will.

Währen die Galaxis schon unter der Ägide des vorrückenden Imperiums ächzt, will der junge Han auf Correlian den großen Coup landen und dazu noch Pilot werden. Doch nachdem er von dem lokalen Verbrechersyndikat gejagt wurde, dem er Geld schuldet (kennt man ja schon), glückt nur ihm allein die Flucht und seine Freundin Qi´ra muss zurück bleiben. Nach dem Dienst beim Imperium und der Freundschaft mit Chewbacca schließt er sich dem Halunken Tobias und dessen Crew an, die für den Gangsterboss Dryden Hypertreibstoff, den McGuffin des Films, besorgen sollen. Das geht schief und wieder stehen sie in der Schuld eines Verbrechers – also ab zum neuen Plan. Man merkt schon, dass Solo eine eher episodenhafte Struktur besitzt und dass die große Storyline nicht da ist (also man befreit nicht das Universum oder muss gegen die Vernichtung eines Planeten ankämpfen). Das heisst aber nicht, dass es schlecht ist, allenfalls ist das Element, dass man ständig in der Schuld von Verbrechern steht etwas arg überstrapaziert.

Um nun den benötigten Treibstoff zu bekommen, müssen Tobias und Han ein überschnelles Raumschiff inklusive Piloten auftreiben – Lando Calrissian und den Falcon, soviel ist jedem klar. Der Einbau von Ereignissen über die in den anderen Filme geredet wurden oder Requisiten von diesen ist allgegenwärtig. Manchmal zu viel, wenn Tobias Landos Outfit bei seinem Jabba-Aufenthalt in “Rückkehr der Jedi-Ritter“ trägt oder Han die Thermaldetonator-Nummer abziehen will und Chewbaccas wieder beim Schach verliert und wütend ist. Anderes, wie die Herkunft des Bordcomputers, ist durchaus nett gemacht.

Der Stil des Filmes ist erdig-dunkel, geht weg von der Buntheit der “Episode I-III“-Filme und will realistischer sein, direkter. Es gibt auch keine Jedis, die Macht ist nie im Spiel, aber dafür ausreichend außerirdische Wesen in den Kantinen, Bars, Raumschiffen oder Planeten. Die sind auch alle gut umgesetzt und phantasievoll. Natürlich gibts auch wieder die typische Over-the-Top-unglaubhafte Actionszene (die heute halt immer sein muss) mit der versuchten Entführung eines riesigen Schwebetransportzugs inklusive seltsamer Schwerkraft und Fahrphysik. Zum Glück ist nicht der Großteil der Szenen derart. “Solo“ tritt etwas zurück, muss nicht ständig riesige Planeten und Aufmärsche zeigen, die Umwelt ist selbstverständlich und weniger Eigennutz, das ist sympathisch. Natürlich hat es Hauptdarsteller Alden Ehrenreich schwer in die Fußtapfen von Harrison Ford zu treten, auch gelingt es ihm nicht durchgehend die notwendige Verschmitztheit und das Selbstvertrauen auszustrahlen, das für Solos Charisma notwendig ist. Der Rest macht seine Sache aber gut und trägt damit auch den Hauptcharakter mit, der hier eben etwas verblasst hinter den anderen.

Gegen Ende gibt´s einen (etwas zwischendurch auf komisch getrimmten) Aufstand in einer Mine, Westernfeeling auf einer Art Wüstenplaneten und einen doppelten Endtrick Solos, der nicht wirklich logisch zu sein scheint. Lawrence und Jonathan Kasdan (der Veteran und sein Sohn) haben es durchaus geschafft ein Star Wars-Drehbuch abzuliefern, dass nicht nur aufwärmt und das durch seine episodenhafte Struktur den Spaßfaktor betont. Auch dass nicht wieder eine Welt gerettet wird oder schnarchige Deduktionen eingebaut werden (wie bei “Episode II“) tut dem Ganzen gut, da man das nun wirklich allzu oft gesehen hat. Ob man nun Han letztlich zum Financier des Rebellion hätte machen müssen, bleibt ein sehr diskutabler Punkt.

Trotz des Wechsels auf dem Regiestuhl ist auch kein zerfahrener Film, wie befürchtet, daraus geworden. Ron Howard soll bis zu 85% gedreht haben – das kann ein Grund dafür sein. Auf jeden Fall fallen einem keine Stimmungsschwankungen oder starke Brüche auf, die darauf hindeuten würden – nun ja am Ende ist halt doch die Marke “Star Wars“ mit dem entsprechenden Kapital gesegnet, um etwaiges auszubügeln.

“Solo“ ist unterhaltsam und kurzweilig, zeigt durch die Abkehr von Jedis und permanentem Imperium eine interessantere neue Facette, ist aber natürlich auch nicht mehr als gutes Blockbusterkino, das man sich immerhin noch einmal anschauen kann. Ein filmisches Meisterwerk kann und will man ja auch nicht sein, dafür ist der Film dann doch zu sehr Hollywood-Studio, zu wenig innovativ und zu wenig tief.

Auch wenn der Streifen selbst genügend Star Wars-Feeling versprüht und Spaß macht – die Einspielergebnisse verpassten dem Konzern einen Dämpfer, denn man blieb deutlich hinter den Erwartungen und dem letzten Ableger “Rogue One“ zurück. Der Film hat immer noch Kasse gemacht, das ist klar, aber eben nicht das, was erwartet wurde. Seitdem wurden die Pläne für etwaige Spin-Offs (Obi-Wan und Boba Fett) vorerst eingefroren. Und etwas Selbstkritik gibt´s auch, schließlich lief “Solo“ nur ein halbes Jahr nach “The Last Jedi“ an, was definitiv eine Übersättigung des Marktes war und sich eventuell eben in dem Einspielergebnis niedergeschlagen hatte. Ein Starttermin im Dezember, wie bei den anderen drei Filmen, wäre die deutlich bessere Strategie gewesen, aber dafür – und für die anderen Star Wars Stories – ist es jetzt zu spät.

Immerhin hat der Film die Debatte wer zuerst schoß ein für allemal geklärt – es war Han!