REC

REC (Rec)
ESP 2007

Regie: Jaume Balagueró, Paco Plaza; Buch: Jaume Balagueró, Paco Plaza, Luis Perdejo; Kamera: Pablo Rosso; Schnitt: David Gallart
Darsteller: Manuela Velasco (Ángela), Manuel Bronchud (Abuelo), Javier Botet (Nina Medeiros)
Länge: 78 Minuten

Ein Fernsehteam begleitet den nächtlichen Alltag von Feuerwehrmännern. Bei einem Einsatz in einem Mietshaus sollen diese eine Tür aufbrechen. Doch kaum hat man dies zusammen mit der schon eingetroffenen Polizei getan, werden die Retter von der verwirrten Bewohnerin gebissen. Kaum aus der Wohnung wird auch schon das Haus versiegelt und sie stehen alle unter Quarantäne.

Der spanische Horrorfilm nimmt gänzlich die Perspektive des filmenden Kameramannes Pablo ein. Der Film ist zudem gänzlich auf Video gedreht und dies, wie auch die subjektive Machart lassen leicht seine Nähe zu “Blair Witch Project” erkennen.

Der Film selbst mutet gerade dadurch in seinen besten Momenten sehr direkt an, es wird relativ wenig geschnitten, die Sequenzen sind oft durchgefilmt und so kann eine eigene, unmittelbare Athmosphäre geschaffen werden. Oder besser: könnte. Denn daß es dazu nicht kommt liegt genau in dem Punkt, durch den es dazu hätte kommen können. Aber anscheinend fehlte dem gesamten Team hier die Kinoerfahrung oder das Vorstellungsvermögen hierfür, denn die Kamera wackelt, was das Zeug hält. Das ist insofern auch unrealistisch, weil selbst ein Regionalfernseh-Kamerateam unter Drogeneinfluß nicht so blindlings herumzoomt und herumwackelt, wie es hier gezeigt wird. Bei vielen Szenen, in denen gerannt wird geht das bis an die Schmerzgrenze. Die Videooptik, konvertiert auf Film, dazu mit einer nicht allzu weiten Brennweite, gibt hier das übrige dazu und so ist der Film aufgrund seiner selbst definierten Machart nicht zumutbar. Ich habe sicher minutenlang einfach meine Augen geschlossen, weil ich es nicht mehr ertragen habe, mir solch einen Dilletantismus, aber auch solch etwas anzutun, das an die Grenze des Aufnehmbaren geht, ohne daß einem vor Übelkeit schwindelig wird.

Der Film wechselt dabei schnelle und langsame Passagen ab. Man könnte auch actionreiche und langweilige Passagen sagen, da der Anfang wie auch Teile in der Mitte mit Interviews gestreckt werden, die nicht unbedingt erhellend sind, sondern den Film eher auf eine Mindestlänge bringen sollen. Ist die Atmosphäre zu Anfangs auch noch Erhalten, so wird sie so schnell durch die Machart des Filmes platt gemacht, wie man diesen Satz lesen kann. Der weitere Handlungsverlauf ist dann auch nicht unbedingt von Innovationen geprägt. Es werden immer mehr Leute gebissen, die Gebissenen kriegt man nicht tot und alles scheint seinen Ursprung im Haus zu haben. Die Auflösung ist dabei ebenso originell wie die letzten Zeilen, doch man freut sich auf das Ende des Films, um endlich, mit etwas flauem Gefühl im Magen wie nach 20 Achterbahnfahrten, das Kino verlassen zu dürfen.

 

Auf Video mag dieser Film sicher ganz anders aufgenommen werden, da hier die Wirkung der Kinoleinwand einfach nicht gegeben ist, trotzdem sollte man einen Kinofilm auch für die Kinoleinwand konzipieren und nicht grundlegende Fehler mit Absicht oder aus Dummheit begehen.

Die Synchronisation ist leider auch etwas mau ausgefallen, die Dialogregie scheint nicht besonders interessiert gewesen zu sein, die Sprecher ebenfalls und bei dem Nachempfinden der Athmo hat man sich sehr zurückgehalten.

Der Streifen erinnert in seinem Handlungsablauf und dem Feeling an eine lebendige Geisterbahn, so wie man sie in dem ein oder anderen Unterhaltungspark geboten bekommt. Der einzige Horroreffekt mit dem hier wie dort gearbeitet wird, ist der Schockeffekt – etwas springt plötzlich ins Bild oder von irgendwoher findet eine Attacke statt. Die Kamera selbst wird dabei immer wieder mit einbezogen, was am Anfang nett, gegen später aber übertrieben ist, da dies Stilmittel zu oft angewandt wird.

“REC” hätte ein durchaus interessanter Film sein können, doch leider steht er sich selbst im Weg. So bleibt leider nur festzustellen, daß dieses Werk für den normalen Kinogänger unzumutbar ist.

Ein amerikanisches Remake steht auch bald auf dem Programm – “Quarantine”. Der erste Trailer zeigt, daß man viel Kreativität hat walten lassen, indem man Einstellungen und Kostüme von “REC.” fast 1:1 kopiert hat.