Piratenmassaker

Piratenmassaker (Piratenmassaker)
BRD 2000

Regie/Buch/Schnitt: Jochen Taubert
Länge:
80 Minuten

Sie kennen das “Piratenmassaker“ noch nicht? Auch Darsteller und Team sind ihnen nicht geläufig? Kein Wunder, handelt es sich doch genau gesehen um einen Amateurfilm im wahrsten Sinne, der es zu einem Release bei einem der kleineren Labels gebracht hat, weil dessen Geschäftsführer und der Regisseur ein und dieselbe Person waren.

Amateurfilme sind ja immer ein Treffen meist großer eigener Vorstellungen und der knallharten Realität kein Budget zu besitzen. Wo ein ernstgemeinter Film also logischerweise vielleicht eher eine gegenwärtige Geschichte erzählen sollte, pfeift der ambitionierte Amateurfilmer darauf und sucht sich am Besten die Themen seiner liebsten Blockbuster-Produktionen aus. Science-Fiction, Fantasy und Historienfilme – das ist es, was Amateurproduzenten lieben. Das kann also quasi gar nicht gross genug sein. Und auch das potentielle Publikum fühlt sich damit pudelwohl. Aber aus einem anderem Grund.

Das “Piratenmassaker“ spielt natürlich zur Hochzeit der Piraten – und dazu auf einer Insel, auf der ein versteckter Schatz liegt, der von kannibalistischen Mönchen bewacht wird. Das allein klingt schon so, als ob die Autoren die geheimnisvolle Schatzkarte zum Frühstück verspeisst hätten. Doch erst richtig gut wird es, wenn man die geniale Umsetzung betrachtet.

Sollte man wirklich wenig Sitzfleisch für die immer gleichen Szenen von Angriffen der Kannibalenmönche haben oder sinnentleerte Dialoge von Leuten in Musketier-Kostümen, die plötzlich im Wald auftauchen, ignorieren wollen – sollte man wirklich kein Interesse für Piraten mit viel zu kleinen Hemdchen aus dem Karnevalsgeschäft haben, die in Moonboots durch den Wald waten, dann ist es zumindest Pflicht, den grandiosen Anfang des Ganzen anzuschauen.

Hier geht der Kannibalen-Mönch-Chef mit Migrationshintergrund durch elend lange, schlechte Titeleinblendungen auf eine Schiffsattrappe des städtischen Kinderspielplatzes. Aufnahmen vom Aquarium des Naturkundemuseums suggerieren gekonnt, dass man von jetzt an weiter keinerlei Erwartungen an Kamera, Schnitt oder Regie stellen darf. Ebenso gekonnt wird dann auf das “Piratenschiff“ gewechselt, dessen Anblick man gesehen haben MUSS! Ich werde hier die Spannung nicht vorweg nehmen, denn die Realität der Szene stellt alles in den Schatten. Die Piratenboot-Szene – zusammen mit guten Freunden und zwei Kästen Starkbier – wird sicher der Höhepunkt jedes nicht ernstgemeinten Filmabends.

In diesem Stil geht es weiter und nachdem das Boot im Off explodiert ist (Kapitän: “Oooh, mein schönes Boot!“), tapsen die immer gleichen Darsteller durch ein nahegelegenes Waldgebiet nur um von den ebenfalls immer gleichen Gegner in immer gleichen Bildern attackiert zu werden. Das ist dann noch garniert mit wirklich schauderhaften Splatter-Effekten, bei denen sich die Darsteller die Reste des örtlichen Metzgers vor den Bauch halten, sich einander mit Ketchup von ausserhalb des Bildes vollspritzen oder ähnlichen Schabernack betreiben.

 

Bleiben wirklich schlechte Dialoge, langweiliges Waldgetapse und Leute, die mal im Film auftauchen, nur um dann pflichtschuldigst kurz darauf umgebracht zu werden. Die weissen Moonboots des Piratenkapitäns wechseln dabei permanente den Besitzer, was sicher zu vielen Spekulationen über deren Symbolgehalt oder Bedeutung führen wird.

OK, der normale Zuschauer wird das “Piratenmassaker“ sicher auch mit grossem Wohlwollen kaum goutieren können. Wer aber auf solch einen ausgemachten und ernstgemeinten Blödsinn steht und sich daran erfreuen kann (und einige Längen in Kauf nimmt), der wird hier garantiert nichts falsch machen können.