Oliver Twist

Oliver Twist (Oliver Twist)
GB/ITAL/F/TSCHECHIEN 2005

Regie: Roman Polanski; Buch: Ronald Harwood; Literaturvorlage: Charles Dickens; Kamera: Pawl Edelman; Schnitt: Hervé de Luze; Musik: Rachel Portman
Darsteller:
Barney Clark (Oliver Zwist), Ben Kingsley (Fagin), Jamie Foreman (Bill Sykes), Harry Eden (Artful Dodger), Leanne Rowe (Nancy)
Länge:
130 Minuten

Neuverfilmung der im angelsächsischen Raum sehr bekannten Erzählung von Charles Dickens.
Der gutmütige Waisenknabe Oliver Twist durchleidet in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mehrere leidvolle Stationen wie Kinderarbeit und Kriminalität und muß gegen die Niedertracht vieler Neider bestehen, bis er seinen verdienten Platz finden kann.

In durchaus bemerkensweten Bildern wird die Geschichte von Polanski angenehm zurückhaltend und ohne Effekthascherei erzählt. Das wirkt wohltuend im heutigen Kino und läßt den Film die Zeit sicher unbeschwerter überstehen als Werke, die jedem Trend hinterher laufen. Dabei ist die Geschichte selbst sicher nicht jedermanns Fall, da die Auf und Abs und das Leid des kleinen Oliver manchem Zeitgenossen (wie mir) etwas an den Nerven ziehen. Aber die Handlung ist stringent gehalten und nur im zweiten Teil mischt sich etwas Leerlauf und zu wenig dramaturgischer Druck in das Gesamtprodukt.

Die Darstellung der dickensschen Figuren ist hin und wieder gewohnt überzeichnet (für die Vorlage) und klischeehaft (die Leiter der Kinderanstalt fressend vor vollen Tellern, die Frau des Leichenbestatters, der ignorante Richter) – und die ein oder andere Szene, wie auch die Grundstimmung sind vielleicht etwas zu düster, als daß der Film als Kinderfilm gelten kann. Deswegen ist die ab 12 Freigabe (in Begleitung der Eltern damit ab 6) sicherlich richtig; wobei natürlich eine Empfehlung je nach Kind bei 7 oder 8 Jahren liegt und die Eltern das ein oder andere Mal zur Beruhigung beistehen müssen). “Oliver Twist” schafft es zudem Themen aufzugreifen (Kinderprostitution), die so eingearbeitet wurden, daß die Erwachsenen diese Dimension begreifen, die Kinder aber sicher übersehen und überhören werden.

Der Film ist als Sonntagsmittagsunterhaltung sicherlich gut geeignet, für seine Länge straff, zudem gut besetzt, bietet schöne und unaufdringliche Bilder und eine gute Ausstattung und Rekonstruktion der Epoche.
Ein Muss für jeden Cineasten ist er jedoch nicht und auch in Polanskis bisherige Werke fügt er sich nicht unbedingt ein, ist man von ihm doch zumeist eine andere, mitunter subtilere Seite gewohnt.