Noah

Noah (Noah)
USA 2014
Regie: Darren Aronofsky; Buch: Darren Aronofsky, Ari Handel
Länge:
138 Minuten

Captain Noah Strikes Back!!

Noah – ja, das war doch der Typ mit der Schlange“, muss einer der Produzenten des gleichnamigen Filmes gesagt haben. “Das war Adam!“, mag irgendjemand im Raum erwähnt haben, “Ja, der mit dem magischen Schwert, oder nicht?“ So kann es sich bei den Meetings zur Entwicklung des Filmes eventuell angehört haben, denn “Noah“ verfilmt die bekannte biblische Geschichte mit allerlei Zutaten des modernen Actionkinos, inklusive Blockbuster-Schnick-Schnack und Fantasybrimboriums.

Wie jeden anderen Film sollte man auch bei diesem nicht die Umsetzung einer wie auch immer gearteten schriftlichen Vorlage in Film beurteilen, sondern nur ob der Film als solcher gut ist. Die meist eher wenig hilfreiche Diskussion um Literaturvorlagen tritt zudem nur bei besonders bekannten Quellen zu Tage. Viele Filme, so auch “Alien“, “Psycho“, “2001“ und “Forrest Gump“ sind ebenfalls Literaturverfilmungen, werden aber selten in Relation ihres Ursprungs gestellt oder zumindest weniger so angesehen wie “Herr der Ringe“, “Name der Rose“ oder eben “Noah“.

Also zurück zum Film. Was hier als Story dient, ist ein wilder Mix aus Fantasy, Pathos und Action. Steingolems (ehemalige Engel) zimmern für Noah ein Schiff, weil sie von dessen Großvater mit seinem Feuerschwert geschützt wurden – mit den Bäumen des Dschungels, den Noah in der Felswüste in Minuten wachsen liess.
Noah und Familie sind zudem allesamt Vegetarier, tragen dafür supercoole Klamotten, die vom Stil her in jeden Matrixverschnitt gehören, aber eben aus groben Stoffen anstelle schwarzem Leder gemacht sind. Die Gegner verarbeiten Stahl mit eisernen Schutzbrillen oder tragen schwere Eisenhelme, alles wirkt fast postapokalyptisch, auch manche Designs.
Sofort ist klar, dass es sich bei “Noah“ nicht um eine ernsthafte Umsetzung einer Geschichte handelt, sondern viel angesagte Fantasyelemente (Hobbit) und die Effektkeule integriert wurden. Man kann fast mit der Uhr nebendran sitzen. Alle fünf Minuten wird Bombast ausgepackt. Steingolems, Waldwuchs, Weltuntergangsträume, anstürmende Tiere, Angriffe der Gegner.
Dazu gibt´s ne Runde menschlicher Probleme – die Adoptivtochter kann keine Kinder bekommen, der Sohn braucht eine Frau. So gut, so bekannt, garniert wird das dann noch davon, dass die Gegner alle Fleischfanatiker sind, die lieber die eigenen Leute schlachten und vertilgen, als mal ein Butterbrot zu essen und bei denen das örtliche Markttreiben eher wie eine Gesellenprüfung des Ortsverbandes satanischer Metzger anmutet.

Aber was soll´s. Irgendwo passt das alles zusammen. Dazu gibt´s noch ein paar schnarchige “künstlerische“ Clipmomente und mittelmässige Tricks – optische wie CGI – gerade wenn man das nicht geringe Produktionsbudget bedenkt. Die Steingolems bekommt man mittlerweile in jedem Computerspiel besser serviert und die zerhackte CGI-Schöpfungsszene soll Stop-Motion-Like kreativ-indy wirken, wirkt aber nur wie eine zerhackte CGI-Schöpfungsszene.


Russel Crow “batmant“ sich hingegen durch den Film, indem er immer mit rauher Flüsterstimme vor sich hin brabbelt, der Rest darf vor allem pathetisch schauen. Und dann ist da noch ein blinder Passagier auf der Arche und Captain Noah will seine potentielle Enkeltochter töten.
Jubel, Trubel und vor allem viel Heiterkeit aufgrund schlechter Leistungen, allen voran des Regisseurs, der einstmals “Phi“ gemacht hatte und im besten Falle eine reine Selbstkopie bietet. Meist aber regen Inszenierung und gewollt grosse Momente zum Lachen an. Auch die Umweltbotschaft ist, bei aller Sympathie, so unglaublich plakativ eingefädelt, dass jeder gewöhnliche Propagandafilm wie eine objektive Dokumentation erscheint.

Die optische Brillanz hält sich in Grenzen, nur wenige Bilder sind wirklich groß genug. Die Ausleuchtung manchmal zu gewollt-natürlich und an diesen Stellen wirkt das Bild einfach zu klein, zu wenig lebendig. In einigen Fällen kommt so das Bild somit nicht über einfaches B-Niveau hinaus – ich unterstelle mal, dass die Art zwar beabsichtigt war, die Wirkung aber entgegengesetzt ist.

Alles ist aber am Ende egal, wenn der Film was taugt. Doch der krude Mix aus Steampunk, Fantasy, Bibel und Soapopera mit kämpferischem Vegetarismus, überzeugt wenig. Schuld daran sind auch die leblosen Schablonen-Figuren und die überholten schwarz-weiss Malereien in den Feindbildern.
Nach 80 Minuten Blockbuster-Reigen bricht dann die Flut los und es folgen weitere 45 Minuten und mit viel Längen durchsetzte Tischgespräche und Drehbuchfülsel, die das Stück vor allem dehnen und den Film wenig sympathisch machen aufgrund der doofen Handlungsvorgaben.

Am Ende hat man trotz allem Ärger das vergangene Übel der Menschheit vergessen – der Zuschauer aber auch den Film, denn “Noah“ berührt einen nie emotional, spielt viel zu plump auf und läßt einen nie wirklich an die Figuren kommen.

Wer eine weniger Fantasy-lastige Umsetzung erwartet, der wird hier ohnehin nicht glücklich werden. Reines Unterhaltungskino ist es aufgrund der Längen und etwas sterilen Atmosphäre auch nicht und man fühlt sich auch weder wohl und noch ergriffen von dem Film. Wer aber einen heißen Kandidat auf einen der schlechtesten Filmwerke sehen möchte, der darf sich das gerne anschauen.