Matrix: Revolutions

Matrix: Revolutions (Matrix: Reloaded)
USA/AUSTR 2003

Regie/Buch: Larry Wachowski, Andy Wachowski; Produktion: Joel Siler; Kamera: Bill Pope; Musik: Don Davis; Schnitt: Zach Staenberg
Darsteller: Keanu Reeves (Neo), Carrie-Anne Moss (Trinity), Laurence Fishburg (Morpheus), Mary Alice (Orakel),
Hugo Weaving (Agent Smith)
Länge: 125 Minuten Farbe

Zion, die letzte Bastion der befreiten Menschheit ist kurz davor, von den Maschinen gestürmt zu werden. Neo, der vielleicht auserkorene Retter, liegt in einer Zwischenwelt gefangen und ein Verräter ist auf dem Schiff von Morpheus. Mit Mühe können sie diesen unschädlich machen und die erste Welle abwehren. Neo bricht derweil mit Trinity zur Maschinenstadt auf – so wie es ihm vom Orakel gewiesen wurde, um seine Bestimmung zu erfüllen.

Der dritte Teil der Matrix-Filme macht da weiter, wo der zweite endete – steigert dies sogar noch etwas. Denn er ist kurz gesagt ein unerfreuliches Produkt der Hollywood-Industrie. Teil 2 hatte wenigstens ein paar Szenen, hatte etwas Unterhaltungspotential, trotz aller Abstriche und der Tatsache, daß die Fortsetzungen einfach zerstörend wirken, da sie den Plot nicht wirklich gut weiter entwickeln, sondern stereotyp und überraschungslos plätschern lassen. Teil 3 löst die Fäden auf denkbar einfachste Weise auf; alle Spekulationen, alles sinnlose-philosophische Geschwafel aus Teil 2 wird als ebendieses enttarnt, denn es endet ganz einfach – wie zu erwarten. Neo ist der Retter, der die Menschheit vor dem Angriff beschützt, Frieden mit den Maschinen schließt, indem er Agent Smith unschädlich macht, und wer aus der Matrix will, der darf es, so verspricht der Architekt.

Die Auflösung ist eine bodenlose Unverfrorenheit und würde mich, wenn ich Fan der Serie wäre, dazu bringen, alle Kopien zu kaufen und einzustampfen. Da ich das nicht bin, wird mich der Film nicht in den Ruin treiben. Trotzdem ist die angebotene Lösung nicht nur die simpelste und von jedem Drehbuch-Adapten schon im Ansatz verworfene, sondern mit auch die unlogischste.
Die Maschinen schließen Frieden, sie geben ihr Wort darauf, sie lassen alle Menschen frei, die das wollen, sie ziehen sich zurück, trotz Überlegenheit – und angeblich war alles geplant und von dem Orakel hervorgesehen. Wahrscheinlich auch, daß sich Smith im 2ten Teil mit einer Storyline verselbstständigt, damit der erfolgreiche Charakter aus Teil eins zurück kann, und nun zum Hauptplot wird, der den Menschen das Überleben sichert und zu Neos Aufgabe wird.

Der große Held ist nur dazu da, diesen Feind zu bekämpfen, dies ist seine Bestimmung und dies ist der wahre Weg des Außerwählten. Vor so wenig Phanatsie muß man den Hut ziehen. Am Ende ist auf jeden Fall der Zuschauer allein gelassen mit einer Brücke auf weitere Teile (ächz) und dem Gefühl, daß er schon am Ende des zweiten Teiles hatte.

Auch diesmal wird die Rumpelkammer der Sagenwelt geplündert. Leider haben sich die Schreiberlinge aber beim Nachlesen in “Die besten Sagen für Kinder nacherzählt” immer in den Zeilen vertan und sind mal hoch, mal runter gerutscht.
Der Merowinger will die Augen des Orakels als Lohn – was er nicht bekommt (nicht mal die Menschen halten Wort) und was gleich vergessen wird; zudem sind die ja auch uninteressant, denn ein Orakel sieht nicht mit den Augen. Charaktere wie er und in größerem Maße seine Frau mit dem tollen Namen Persephone, bleiben Statisten und dienen nur dazu, die Story in die Länge zu ziehen. Letztendlich haben sie keinen Sinn. Die Rätsel, die in Teil 2 aufgebaut wurden, werden so plump ´gelöst´, daß sie weniger sind als je zuvor.
Neo wird übrigens geblendet, ganz heldenmäßig, was ihn aber nicht weiter stört, wirklich auch nicht weiter wichtig ist, denn weder läutert es ihn, noch spielt es im finalen Kampf eine Rolle. Um eventuelle Zweifel beim Zuschauer auszuräumen, trägt er auch im Schlußfight eine coole Sonnenbrille. Seine Verletzung ist also nicht sichtbar und damit wundert sich keiner, wie er seinen mächtigen Gegner doch noch bezwingen kann.

Ach ja, Trinity stirbt – und keinen interessiert es. Das Paar war sowieso das sterilste der Filmgeschichte, Erotik ein Fremdwort bei den beiden und Leidenschaft wurde im Rausch des Einlinkens versenkt. Diese schlimme, weil emotionslose Love-Story, wird immer wieder am Rande aufgegriffen, gerade kurz genug, um zu zeigen, daß sie zusammen gehören und nie lang genug, um zu zeigen, warum. Reeves und Moss sind kalt. Vielleicht macht es das Leder der Garderobe, aber sie sind Kandidaten für das Paar, das den Kühlschrank aufmacht, um sich zu wärmen.

Aber sie sind nicht das einzige in dem Film, das kein Leben hat. So bleiben die Dekors kühl, das Design steril, die Räume leblos. Also passt das wieder zueinander.

Actionmäßig wurde erheblich zurückgeschraubt. Ein ellenlanger fast nur auf CGI basierender Angriff der Wächter treibt einem Tränen der Müdigkeit in die Augen. Viel Spannung kommt nicht auf, teilweise auch, weil zu wenig erklärt wird. Erst im Verlauf findet man heraus, daß sie Verteidiger dieses taten, damit der Feind jenes nicht konnte.
Die Action enttarnt sich auch zu oft als reine Unterbrechung sinnentleerter Dialoge. Einige Szenen sind so unnötig, es fehlen einem die Worte. Viel der Action ist ebenfalls sinnentleert. Warum zum Beispiel die Wächter des Merowingers auf der Dekce laufen, weiß niemand, denn daraus entsteht kein taktischer Vorteil. Hin und wieder kopieren die Wachowskis dann Szenen aus Teil eins, die als reines Plagiat wenig Stimmung machen. Keine der Szenen kommt auch nur an die kleinste des ersten Teils heran.

Gleich am Anfang sieht man diese Superheldenfähigkeit und hofft nur: bitte nicht, lass dies ein Traum sein. Zumeist sieht es lächerlich aus und natürlich hat man das Gefühl, daß der Deus Ex Machina wieder zuschlägt, weil niemand etwas besseres eingefallen ist, außer daß unser Held mit Hilfe von Drähten und einer Green-Screen in die Luft steigt.

Extrem heftig kommt es am Ende , dem Kampf zwischen Smith und Neo. Spätestens hier springt ein mit dem Verstand eines durchschnittlich Erwachsenen gesegneter Zuschauer höchstpersönlich an die Wand, um sich in die geeignete Verfassung zu bringen, diesen hirnverbrannten Blödsinn weiter antun zu können. Neo und Smith, beide nun auf dem Superheldentrip, kämpfen in den Wolken bei Blitz und bei Regen, fliegen auf und umeinander und geben sich der Lächerlichkeit Preis. Auch beim Kampf in dem großen Zimmer lassen die schlechtesten Hongkong-Filme grüßen, denn beide vollführen dort weitere Comic-Moves und strecken die Hand aus, wie einst Superman.

Letztendlich tut das aber wenig zur Sache, denn wer den schon zuvor ausgesprochenen Schlüsselsatz des Filmes hört, der wird nicht umhin kommen, für das gesammte Matrix-Team eine eigene Klapse aufzumachen. Haltet euch fest, der Schlüsselsatz des Filmes lautet – glaubt es, es ist die Wahrheit, Originalzitat und 100% echt:
“Alles, was ein Anfang hat, hat auch ein Ende.”

BOOM. Kaum hat Smith das gehört und begriffen, wird er so schwach, daß Neo und ratzfatz besiegt. Logisch, oder?

War der erste Teil noch in sich einigermaßen stimmig, so geht´s nun wirklich ab. Kleine Auswahl? Über den Wolken ist Sonne. Die Maschinen kommen da, so will es der Drehbuchgott, nicht hin, weil sie dann wie Vampire verbrutzeln. Aus Sonne gewinnt man Energie. Die Menschen werden von den Maschinen gehalten, um Energie zu produzieren (hüstel). Kluge Maschinen würden das Sonnenlicht einsammeln und benutzen, ist sicher ergiebiger und wäre unkomplizierter. Und zudem – wo bekommt Zion die Energie her ganz untem im Orkus? Der Rest sei Schweigen.

“Matrix 3” ist eine Enttäuschung und reine Zeitverschwendung. Mag auch technisch alles sauber sein, mögen auch die CGI-Effekte gelungen sein – filmisch, auch als Unterhaltungs- und Comicfilm, ist das ganze ein Reinfall. War der erste Teil noch Sci-Fi, so sind wir hier im Comic gelandet.