Mad Max: Fury Road

Mad Max: Fury Road (Mad Max: Fury Road)
USA / AUSTR/ NAM
Regie: George Miller
Länge:
120 Minuten

Schon in der ersten Szene wird klar, Mad Max ist zurück – und zwar, ganz im Gegensatz der zahlreichen Remakes und Fortsetzungen, er ist richtig und in seiner Welt zurück. Look und Technik knüpfen an die Ursprungsfilme an, keine technischen Erweiterungen, um “modern” zu erscheinen, nein, hier gibt´s Mad Max Oldschool.

Und genau das ist es auch, was sofort ins Auge sticht, weg mit gewollt coolem Schnittwirrwarr, weg mit kompletter CGI-Leblosigkeit, hier sollen die Vehikel ineinander bersten, Adrenalin pumpen. Mad Max ist hart, Zeit für Zärtlichkeit und moralischen Schmusekurs gibt´s nicht. Skurrile Charaktere bevölkern die Welt, bleiche Warboys, ein in ein Plastikskelett gehüllter Overlord mit Skelettmaske á la Homunkulus aus “Mad Max 2”, Krieger mit dicken Armen, Mutationen, großen Knarren, abgefahrenen Karren und mit Gitarren, Amps und Pauken bestückte Kampftrucks.
Was George Miller in den ersten 30 Minuten an optischen  Ideen raussprudeln lässt ist einfach grossartig. Hier ist wirklich eine eigene Welt entstanden, Autodesign und Maskenarbeit, eigene Mythologie und eine Horde von Verfolgungstrupps – da können sich viele Hollywoodfilme etwas davon abschneiden. Natürlich ist diese schräge Kreativität, die durchgeknallten Figuren, Muttermilch abpumpende Matronen, Kerosin saugende und in den Motor spuckende Fahrer nicht jedermanns Sache. Das mag für manchen ganz schön krank erscheinen, aber dann ist halt Mad Max gänzlich die falsche Wahl.

Miller setzt das Tempo hoch an. Nach der ersten ungeschnittenen Kranfahrt geht es Schlag auf Schlag. Action pur heisst die Parole und bald findet sich Max mit stählernem Maulkorb auf ein Auto geschnallt in einer Verfolgungsjagd wieder, wobei ihm gleichzeitig das Blut abgepumpt wird und man direkt in einen Sandsturm rast. Leute springen auf Autos, Flammenwerfer speien, Reifenfallen werden abgeworfen, Harpunen abgeschossen. Das Tolle bei den zahlreichen Actionszenen ist dabei, dass man tatsächlich sieht, was passiert, sieht wer gerade was tut und in den Sessel gedrückt wird, wenn waghalsige Manöver tatsächlich ausgeführt werden. Die Stunt- und Fahrerarbeit ist hier ganz groß und sichtbar. Das steht im Gegensatz vieler Filme im modernen Actionkino, wo man eigentlich nichts mehr sieht ausser Schnitten und am Ende gewinnt jemand. Spannungslos und trotz Aufwand verpufft das meist aufgrund der schlechten Inszenierung. Doch Miller ist hier in seinem ureigensten Metier. Die Wagen rasen aufeinander zu, Explosionen, verfolgen einander, Angreifer krabbeln auf den Vehikeln bei voller Fahrt – und man kann jede Aktion verstehen, nachvollziehen und extrem rasant ist das am Ende auch noch.
Die Action ist hier wirklich erstklassig in Szene gesetzt, toll choreographiert und eingefangen, die Stunts und Knalleffekte tun ihr übriges, wenn die Kamera permanent mitrast, das Geschehen direkt inmitten des Ganzen oder überfliegend einfängt.

 

Mad Max, Furiosa und Anhang sind auf der Flucht. Warum weiss man zuerst nicht. Ihr Auto ist ein Tankwagen, die Verfolger kleben an ihnen. Kommt einem bekannt vor? Richtig, stammt wieder aus “Mad Max 2”, der zu Recht als der explosivste und beste Teil gilt und dessen Finale in einer wahnwitzigen Verfolgungsjagd mündet. Auch die streitbare Amazone gibt es hier schon.
Und hier ist auch der einzig wirkliche Kritikpunkt, den man dem Film machen muss. Denn warum ich hier wenig Worte über Geschichte und Charaktere verliere hat einen Grund. Es gibt eigentlich kaum eine. Im Prinzip hat man es mit einer 120 Minuten dauernden Verfolgungsjagd zu tun. Das ist schon eine kleine Enttäuschung. Zwar gibt es Storyhappen, doch im Prinzip kämpft man permanent mit den Verfolgern und bietet somit ein verlängertes Finale des 2. Teils inklusive Tanklaster und Kriegerin.

“Mad Max: Fury Road” ist ganz klar ein Rausch für alle Action- und Autofans. So schön wurde seit Jahren nichts mehr verschrottet. Die Optik ist definitiv zeitgemäß, das Ambiente gelungen, die Action rasant, der Härtegrad ansehnlich und die Stuntarbeit erstklassig.
Der Film ist definitiv ein würdiger Nachfolger, die Effekte verfehlen ihre Wirkung nicht, die Spannung wird ebenfalls aufrecht erhalten. Hätte man dem Ganzen nun noch eine richtige Story, also das Ding mit den Dialogen, Wendungen und Motivationen, spendiert, dann könnte man den Film sicher komplett rundherum empfehlen.

Wer auf handgemachte Action steht, der bekommt hier erstmals seit langem wieder etwas für sein Geld geboten (und das des Films, hat schließlich 150 Millionen gekostet). Marvels “Avengers”, “The Fast & The Furious 1-7” und Konsorten können also einpacken und nach Hause gehen, das hier ist insgesamt rasanter und spannender als jede Einzelszene der Blockbuster-Kollegen. Mit Story wär´s allerdings ein richtig tolles Packet geworden.