Star Wars: Die letzten Jedi

Star Wars: Die letzten Jedi (Star Wars: The Last Jedi)
USA 2017
Regie/Buch: Rian Johnson; Musik: John Williams
Darsteller:
Daisy Ridley (Rey), John Boyega (Finn), Mark Hamill (Luke Skywalker), Carrie Fisher (General Leia Organa)
Länge:
152 Minuten

Ja, eigentlich haben wir nichts davon gebraucht.
Oder andersrum – früher hatten wir, nachdem Lucas schon in den 80ern verkündete, dass es eigentlich neun Teile geben soll, immer darauf gewartet. Und uns das Ganze aber auch komplett anders vorgestellt. Also vor allem, dass die restlichen sechs Teile über etwas anderes handeln, als sie es am Ende taten. Also genau gesehen, über etwas Interessantes. Niemand hat  Darth Vaders Ursprungsgeschichte gebraucht, vor allem weil sie so himmelschreiend schlecht erzählt wurde (zumindest waren “Episode 2+3“ ein trauriger Tiefpunkt) und dass das “Erwachen der Macht“ konstatiert, dass nach alle den Anstrengungen das Imperium mit neuem Namen wieder an der Macht ist, war ja auch nichts, auf was man als Anschlussfilm gewartet hätte, vor allem, wenn er im Prinzip eine Kopie des allerersten “Star Wars“-Teil war.

Doch das Grauen hat einen neuen Namen – “The Last Jedi“ – Teil acht der Serie und auch hier kopiert man fleissig vor sich hin und man kann nacheinander die Liste abhacken, mit der man sich (natürlich) bei “Das Imperium schlägt zurück“ bedient.
Okay, was war das noch? Rebellen evakuieren ihre Truppen von einem Planeten bei einem imperialen Angriff. Check. Der Schüler trifft den Meister auf einem einsamen Eiland. Check. Dieser wird trainiert und die Macht wird weiter gegeben, während der Meister stirbt, Imperiale Kampfläufer gesichtet, Schlacht auf dem Ödnisplaneten. Check.

Vorhersehbarkeit ist leider ein Merkmal aller dieser Filme, doch die komplette Eigenkopie mag einfach das Gefühl der Geldmelkmaschine immer wieder aufkommen lassen.

Kylo Ren wär schon beim letzten Auftritt eher ein Milchbubi, der aus einem Japan-Animé entsprungen schien. Zu Rey und Finn konnte man aufgrund der eher schlampigen Einführung der Charaktere ohnehin keine Bindung aufbauen. Das ist eine Last, die der Film mit sich trägt und die er, aufgrund des völlig fahrigen und episodenhaften Drehbuchs noch vergrössert.

Die Handlung muss man leider auch auf dem Boden des Schnittraumes suchen, denn im Prinzip flüchtet die gesamte Rebellen-, ääh, Widerstandsflotte vor der First Order, wobei man diesen ausgeliefert scheint, da diese einen immer orten können und der Treibstoff knapp wird. Tja, das wars. Punkt.
Auf Ebene zwei trainiert Rey bei Luke, der sich als schroffer Grobian gibt und blaue Milch von Alienkühen trinkt. Sein altes Lichtschwert wirft er, nachdem er dies ja von Rey gebracht bekommen hatte, achtlos über die Schulter, holt sich quasi den gedachten Lacher ab, der eher zu einem Hüsteln in einem ansonst stillen Raum führt. Solch ambitionierte und unpassende Gagideen gibt es immer wieder.
Gleich zu Beginn verkündet General Hux dem Widerstand seinen kommenden Angriff in einem schlechten Drehbuchanfänger-Dialog mit dem Fliegeras Poe, der das Gespräch zum Anlaß nimmt einen Telefonscherz zu machen. Haha, selten so gelacht. Cool, der Typ. Seine Freunde sterben gerade, aber er macht Witze. Finde ich super sympathisch.

Und leider sind alle anderen Figuren genauso sympathisch. Luke ist ein Eigenbrötler, der keine andere Lösung hatte, als dass er seinen Neffen umbringen wollte, als dieser von der bösen Seite angezogen wurde. Vizeadmiral Holdo lässt ihre eigene Flotte draufgehen, riskiert eine Meuterei an Bord und verlangt schon faschistisch anmutende Hierarchiehörigkeit von ihren Leuten, obwohl sie zudem, wie es der Deus Ex Machina möchte, eigentlich die ganze Zeit die gegnerische Flotte hätte vernichten können. General Leia weisst ebenfalls Untergebene zurecht, dass diese nur ihren Befehlen gehorchen sollen und obwohl der bekehrte Sturmtruppler Finn am Ende die große Wumme der Gegner mit einem Kamikazeangriff vernichten könnte, wird er von seiner eigenen Freundin Rose gestoppt, die ihn rammt, nur um ihm zu sagen, dass sie “Nicht bekämpfen was wir hassen, sondern retten, was wir lieben“ sollen. Woraufhin sie stirbt und am Ende sich auch noch Luke opfern muss. Eine seltsame bigotte, fast schon paranoide Botschaft, hat nicht erst Momente vorher Holdo sich selbst in genau gleicher Manier in einem Kamikazeangriff geopfert, um Teile der First Oder-Flotte zu vernichten.

Was genau will man denn nun eigentlich damit sagen? War die superkluge Holdo nun doch selbst in der Moral des Films doof oder war ihr Tun gut und wenn es jemand anderes macht, dann ist es schlecht? Keine Ahnung, da bin ich echt überfragt, aber dass man sich quasi innerhalb von Minuten selbst widerspricht ist schon ein echtes Armutszeugnis in einem Film mit einem Budget von geschätzen 200 Millionen Dollar (anscheinend wurden davon nur 200 Dollar in das Drehbuch investiert).

Die Inkonsequenz ist zumindest durchweg umgesetzt, d.h. neben den Anflügen schlechten Humors zur falschen Zeit (was sich immer rächt, da der Film dann zur rechten Zeit nicht ernst genommen wird), besteht die Handlung primär aus einer fast schon beliebigen Episodenhaftigkeit. Keine Szene wird echt ausgespielt, eingeführt, abgeschlossen, sondern meist nur angerissen. Zudem gibt es neben der letztlich komplett sinnfreien Finn-Rose-Geschichte  noch deren komplett überlanger McGuffin, indem sie auf eine Mission geschickt werden, die am Ende komplett irrelevant ist für den Ausgang. Na, danke für das Sitzfleisch, dass dieser längste “Star Wars“-Streifen dadurch von einem verlangt. Eine echte konsequente Handlung mit echten Szenen und kürzerer Laufzeit wären durchaus angebrachter gewesen.

Genauso, wie dass nicht alle Charaktere so komplett herzlos verenden. Der böse Obermotz Snoke bekommt z.B. einfach mal so ein neben ihm liegendes Lichtschwert im Sitzen durch den Leib gejagt. Kaum ein paar Minuten Screentime für das Mastermind und schon darf er unspektakulär (es gibt keinen Finalkampf mit ihm, man sieht es nur durch eine Rückfahrt) draufgehen. Ebenso geht es der einzig interessanten First Order Figur, Captain Phasma. Diese wird nach einem ultrakurzen Geplänkel mit Finn durch dessen erneutes Deus Ex Machina-Auftauchen geköpft. Achja, Rose “rettet“ Finn für die Liebe und stirbt dadurch in klassischer Hollywood-Manier mit Sterbemonolog. Luke muss deswegen eingreifen und stirbt einfach durch Auspowering. Na, dankeschön ebenfalls dafür. Das ist schon ähnlich schlecht wie im vorigen Teil Han gehen musste, legt aber noch eine Schippe drauf und erinnert einen immer genau daran, was man nicht bekommt, nämlich Han, Leia und Luke in gemeinsamen Szenen.
Zuletzt endet das Ganze ohne echten Höhepunkt quasi mittendrin, was reichlich enttäuschend ist, denn echte Höhepunkte sind wirklich äußerst rar (nur der zweite Teil des Thronsaalkampfes kann da was reißen) und die wilde Struktur des Films hat zwar das adäquate Ende, das genauso wild ist, belohnt aber den Zuschauer nicht für die ganze Doofheit, indem es kein echtes Finale gibt.

Genau diese Respektlosigkeit ist es auch, die den Film einfach unsympathisch macht. Das war schon bei “Ghostbusters“ so und das wird immer so sein, wenn man Style over Substance stellt und eine cool gemeinte Szene und schlechte Witze über echte Kreativität und Phantasie.
Der Film hat an den Kinokassen ordentlich Geld gemacht, aber in der Folge auch zu zahlreichen Kontroversen geführt. Die genannten Punkte und zahlreiche mehr haben diese ausgelöst und zeigen, dass Respekt auch heute noch eine Tugend ist und reine Egotrips letztlich mehr Schaden, als dass sie einem Film etwas bringen.
Der (ungünstig platzierte) Folgeableger “Solo“ hat dies zu spüren bekommen. Trotz, dass er im Grunde besser ist, hat er an den Kinokassen deutlich unter den Erwartungen abgeschnitten, soll sogar am Ende Verlust gemacht haben, was ein Novum im “Star Wars“-Franchise wäre.
Producerin Kennedy wurde letztlich dadurch herausbefördert, der Regisseur des siebten Teils muss zurück kehren, angedachte Folgeprojekte wurden ebenfalls gestoppt, womit man sich immerhin auf den letzten Trilogie-Teil Ende 2019 konzentrieren kann und im Internet haben Fans ganze Hass-Seiten zu diesem Teil erstellt und auf youtube findet man unter der Titeleingabe fast nur kritische Clips.

“The Last Jedi“ hat einige Lacher auf seiner Seite, das darf man nicht abstreiten. Allerdings sind diese an den jeweiligen Stellen sicher kaum erwünscht gewesen. Vielmehr hat er Momente der absoluten Nervtöterei, wenn Charaktere wieder seltsame Dinge tun, die sich nur ein kompletter Schnösel als Drehbuchautor ausgedacht haben konnte. Das lässt die Wut  im Zuschauer hochsteigen, das lässt jedes Opfer der Protagonisten als verdiente Strafe erscheinen, das lässt einen kaum Sympathie für irgend eine der Figuren aufbringen, womit dieser filmische Erguss nun trotz guter, originalgetreuer Ausstattung (aber manchmal horrend künstlichen Greenscreenszenen) kaum zum nochmaligen Ansehen einlädt.