Krieg der Götter

Krieg der Götter (Immortals)
USA 2011
Regie: Tarsem Singh;
Darsteller:
Henry Cavill, Mickey Rourke, John Hurt, Stephen Dorff
Länge:
110 Minuten

Zu Beginn sieht man einen Steinquader, in dem skurrile Gestalten zu sehen sind, denen Eisenstangen durch den Mund gehen. Dann schießt jemand mit einem Zauberbogen auf deren Gefängnis. Zugegebenermaßen sieht der Anfang ganz interessant aus, doch das ist Fluch und Segen zugleich. Segen, da es mit das Beste Bild des Filmes ist, das einen erstmal mitnimmt, Fluch, da alles danach erstmal davor spielt (was man sich danach zusammenreimen muss) und damit schon irgendwie klar ist, was in der folgenden Zeit passieren wird. “Krieg der Götter“ vermischt die Theseus-Sage mit anderem selbstgesponnenen und kopiert dabei fleissig die Vorgängerfilme “Kampf der Titanen“ (auf den der deutsche Titel anspielt) und “300“.

Der böse König Hyperion (der manchmal mit seinem seltsamen Helm an eine Gestalt mit Hasenohren erinnert) sucht Herkules Bogen, um damit die Titanen zu befreien und durchstreift Griechenland und dessen Orakel plündernd und mordend. Zwischendrin befinden sich Theseus, inoffizieller Sohn des Zeus, und das Sybillische Orakel, die den Aufenthaltsort des Bogens kennt. Ebenfalls treten die Götter auf, schön in Gold, mit seltsam-kitschigen Rüstungen, vermutlich quasi als Reminiszenz an die Harryhausen-Filme, nur etwas lächerlicher (was gerade bei “Jason und die Argonauten“ nicht so einfach ist). Hier darf auf jeden Fall gelacht werden – oder eben gestaunt, denn derart kindisch hätte man das nicht erwartet.
Natürlich heisst es auch wieder mal Style over Substance und diesen Style gibt es in seiner “300“-Optik durchaus, nicht allein in der Kopie, sondern auch in einigen Szenenbildern und Ausstattungen. Wie immer macht Regisseur Singh das aber durchaus imposant, wie immer verpufft aber auch alles im Niemandsland der Sinnlosigkeit, denn wie ebenfalls immer kopiert er sich durch Vorgängerfilme und weiss außer der optischen Opulenz, die es hier und da durchaus gibt, wenig beizutragen zu dem Genre.

Der finstre König Hyperion ist meist damit beschäftigt die eigenen unfähigen Leute zu massakrieren, Theseus besiegt irgendwann eine Bestie mit Stierhelm und am Ende läuft alles auf eine wir-gegen-die-Übermacht-Szene hinaus, die mehr als deutlich “300“ nachahmt. Ja, man mag den Film mögen wollen, aber er macht es einem unglaublich schwer. So ist der Beginn irritierend, denn die ganze Bogenjagd scheint irgendwie sinnlos, weiß man doch, das Hyperion ihn bekommen wird. Dieser eigenverschuldete Spannungsverlust wiegt schwer, da sich zwei Drittel des Filmes darum drehen. Einzelne (der wenigen) Actionszenen sind auch durchaus gut gemacht, doch der Film ist in sich zu fahrig, kopiert viel zu viel, führt den Zuschauer viel zu wenig, als dass er einem eine Richtung vorgeben könnte, aus der Spannung resultiert. Am Ende prügeln sich alle bei einer riesigen Mauer und die Titanen werden, wie zu Beginn gezeigt, von Hyperion entfesselt. Letzterer Schachzug ist ebenfalls in der Story unschlüssig, denn die Götter dürfen nur eingreifen in die irdischen Belange, wenn die Titanen frei gesetzt werden – insofern ist deren Befreiung ein wirklich doofer Plan von Hyperion, der ja ansonst einfach aufgrund seiner Übermacht Griechenland hätte überrennen können, jetzt sich aber selbst überirdische Gegner schafft, die sein gesamtes Heer mit einem Mal vernichtet. In der letzten Szene schreit der Film zudem nach einer Fortsetzung, da er selbst keine finale Lösung aller Enden bereit hält, was nicht unbedingt gänzlich befriedigend ist. Zudem ist das Finalbild geradezu erschreckend schlecht getrickst,  so dass man eher darüber lachen muss und eine Fortsetzung eher befürchtet als sich wünscht.

“Krieg der Götter“ zieht seinen Reiz aus der Optik, den Kostümen und Szenenbildern, kann aber den Zuschauer nie in die Geschichte ziehen, lässt ihn meist im unklaren, um was es eigentlich geht (wie gezeigt, scheinen das die Protagonisten meist selbst nicht zu wissen) bzw. greift sich selbst zuvor. Mit einem deutlich stringenteren Drehbuch hätte man sicher mehr daraus machen können, auch wenn man nicht permanent andere Filme kopieren würde, wer hingegen nur einen weiteren 300-Klon erwartet, der wird sicher durchaus zufrieden sein können.