John Rambo

John Rambo (Rambo)
USA/BRD 2008

Regie: Sylvester Stallone; Buch: Sylvester Stallone, Art Monterastelli; Kamera: Glen MacPherson; Musik: Brian Tyler; Schnitt: Sean Albertson
Darsteller: Sylvester Stallone (John Rambo), Julie Benz (Sarah), Graham McTavish (Lewis)
Länge: 91 Minuten, Farbe

Thailand 2008. John Rambo hat der Welt abgeschworen. Ein Boot ist sein einziges Eigentum, Schlangen fängt er nebenbei gegen Bezahlung – und er ist total abgebrüht.
Er setzt eine Gruppe missionswütiger Helfer nach Burma über, die dort natürlich prompt gefangen und verschleppt werden. Die Kirche heuert eine Söldnertruppe an, die Rambo ebenfalls übersetzt – aber natürlich kann sie nur einer retten – John Rambo!

Mit “Rocky Balboa” hat Stallone erst vor kurzem seine erste Legende wiederbelebt und zu einem gelungenen Abschluss geführt. Mit “Rambo 4” versucht er das gleiche zu tun. Größte Überraschung: Rambo streift nicht durch den Iran oder Irak, was vielleicht in Allegorie zu Rambo 2 und 3 das naheliegendste wäre – nein, er wirft seine ganze Kraft auf Burma. Sehr aktuell ist der Film damit und beginnt mit durchaus harten Szenen aus dem Burma-Krieg. Nicht umsonst ist “Rambo 4” ab 18 Jahren freigegeben. Und die Bösen machen auch im Film so weiter, sie spielen ein Sprengfallenspiel mit Gefangenen, schlachten ganze Dörfer nieder, hacken Gliedmaßen ab und vergehen sich an Frauen und Jünglingen.
Hier trieft es vor Klischees, aber Rambo ist kein politischer Film. Das Gezeigte ist keine Anklage gegen den Krieg, wenigstens läßt der Film als Gesamtprodukt diesen Schluß nicht zu. Nein, die Bösen sind nun mal abgrundtief böse. Und dagegen gibt es nur ein Mittel – rohe Gewalt in Form von Mr. Stallone. Ob hier die Aktualität wirklich das richtige Mittel für einen Old-School-Actioner ist, weiß ich nicht.

Sind die Missionare als Figuren schon nervend genug – schlimmer ist die Kameraführung! NAHAUFNAHME schreit es einem ins Gesicht. NAHAUFNAHMEN von Gesichtern gibt es permanent und in einer solchen Nähe, daß es einem ungemütlich wird. Ja, verschwommene Tiefenschärfen sehen schön aus, aber warum denn immer diese verflixten Nahaufnahmen. Vielleicht kommt der Kameramann vom Fernsehen und kann nun endlich mal richtig schöne Tiefenunschärfen produzieren und ergötzt sich so daran, daß er einen ständig damit bombardiert, aber daß man für´s Kino anders dreht bzw. auch der Nahaufnahme jede emotionale Kraft raubt, scheint ihm hierbei völlig entgangen zu sein.

“Rambo 4” braucht einige Zeit um in Fahrt zu kommen. Und so dauert es lange, bis es zur ersten richtigen Actionszene, der Befreiung der Geiseln, kommt. Diese ist durchaus spannend umgesetzt, denn bei Nacht und Nebel befreien Rambo und Söldner gekonnt und lautlos alles was sie können.

Danach gibt es Verfolgung, Verfolgung und Verfolgung bis zum finalen Showdown. Das ist recht wenig für einen abendfüllenden Spielfilm und so richtig passiert ist ja nicht viel – eine Geiselbefreiung mit Shootout – bei einem anderen Film ist das ein Nebenstrang und nicht das ganze Endprodukt.

Actionmäßig geht es dabei gegen Ende ganz gut zur Sache; es geht viel zu Bruch, Rambo ballert wild um sich und Horden von Gegner strömen entgegen. Nette Action aber auch nicht viel mehr, keine wirklich einprägende Inszenierung, das meiste kennt man schon – aber ganz unschuldig ist das deutsche Kino leider auch nicht.
Der Film läuft hierzulande in einer um ca. einer Minute gekürzten Fassung, aus der etliche härtere Szenen entfernt wurde. Auch im Showdown fehlt es da einigerorts und wer den alten Trailer auf einer bekannten Videoplattform zuvor gesehen hat, der kann auch ganz genau sagen wo. Einiges mag zudem auch dem unbedarften Zuschauer seltsam vorkommen (blutverspritzes MG am Ende und der Nachschubtransporter, dessen Männer sich einfach in Luft auflösen).

Die ungekürzte Fassung macht aus “Rambo 4” keinen besseren Film, würden aber den übertriebenen Ton besser treffen und zum anderen wäre es natürlich grundsätzlich nett, Filme ab 18 auch ungeschnitten im Kino sehen zu dürfen. Die Österreicher haben´s hier besser. Da läuft die ungekürzte Fassung.

“John Rambo” ist ein Film den keiner braucht. Am Ende stellt man sich wirklich die Frage, was das Ganze nun sollte. Als Actioner ist er zu actionlos und mit zu vielen unschönen Szenen durchsetzt, als Anklage ist er zu aufgesetzt und auf reinen Gewalteinsatz fixiert. Als Unterhaltung reicht das Gebotene einfach nicht aus. Da wäre eindeutig mehr drin gewesen. Eine große Enttäuschung nach dem gelungenen Rocky-Abschluß.