VAN HELSING

© Photos by
Universal

Van Helsing (Van Helsing)
USA 2004

Regie/Buch: Stephen Sommers
Darsteller: Hugh Jackman (Van Helsing), Kate Beckinsale (Anna Valerious),
Richard Roxbourgh (Dracula), David Wenham (Carl),
Shuler Henesley (Frankensteins Monster), Elena Anaya (Aleera),
Will Kemp (Velkan), Kevin O´Connor (Igor), Samuel West (Victor Frankenstein),
 Robbie Coltrane (Dr. Jeckyl)

Länge: 134 Minuten Farbe

Als ich die ersten Minuten des langerwarteten Horror-Fantasy-Streifens sah dachte ich nur an fünf Buchstaben: T-R-A-S-H. Im Verlaufe des Film mußte ich aber feststellen, daß es Ultra-Trash ist!
Jetzt zur Story: TÖTET DRACULA!

Ja, das wr die Geschichte des 150 Millionen-Films “Van Helsing”. Es gibt definitv nicht mehr zu erzählen, keine verschlungenen Handlungsfäden, keine speziellen Konflikte oder mehrere Erzählebenen, keine eigentliche tiefgehendere Storyline. Nach dem Intro wird Monsterjäger Van Helsing nach Transylvanien geschickte, um dem Grafen das Leben schwer zu machen uns von da an folgt eine sehr lineare, selbst einen dreijährigen nicht verwirrende, einzige Verfolgungsjagd. Die einzelnen sogenannte Storypunkte sind schlimme Kolportage und wahlloser Eintopf ohne Stil und Sinn.

Wer nicht eine extreme Liebe zur Schund-literatur und Schundfilmen mit sich bringt, wer nicht “Conan, der Zerstörer” zu den 10 besten Filmen zählt, wer nicht jeden neuen japanischen “Space-Godzilla jagt Mothras Todespranke”-Film mit Freuden goutiert, der wird sich nach kurzer Zeit relativ unwohl fühlen.

Die Charaktere sind alle so plump angelegt, wie nur möglich. Mehr als die simpelsten Stereotypenklischees bietet das Drehbuch nicht. Van H. ist der dunkle Held, Dracula der Böse, die Helsing zur Seite stehende Anna, eine tapfere Schönheit, Igor ist grausam, das Monster ist gutherzig. Die Dialoge sind allesamt aus dem Buch “100 Dialoge, die man niemals in einem Film verwenden sollte” abgekupfert und verlassen nie die direkten Handlungsfäden um “Wer bist du?”, “Warum macht er das?”, “Wie können wir ihn töten”, “Wo ist er?”. Sätze, die nicht unmittelbar plump die Handlung beschreiben wurden in den Orkus verbannt. Die (nicht existierende) Tiefe der Figuren leidet darunter, die Glaubwürdigkeit des Films, die angeblichen Beziehungen der Personen untereinander. Einzig erlaubt sind schlechte Gags, die Sommers immer routinemäßig am Ende einer Actionsequenz einbaut.

Die Handlung besteht auch nur aus Actionszenen. Dabei sind die meisten unnötig lang und schlecht eingebunden. Einen großen Wert besitzen sie auch nicht. Jede zuvor gesehene Action war besser, sei es in “Blade”, “Hero” oder “Matrix”. Aber Sommers dehnt die Szenen ins Unendliche und kann aus ihnen trotzdem wenig herausholen.
Seine Struktur ist dabei auch immer gleich. Meist wird auf zwei, drei Ebenen gekämpft, wobei er immer zwischen diesen in einem leidlich spannenden Moment umschneidet. Vieles wirkt zudem lächerlich und aufgesetzt. Die geflügelten Vampirfrauen Draculas machen immer eine riesige Show, wenn es darum geht, einen Hauptcharakter zu bedrohen.
Anna ist in einer Hütte gefangen und dann wird erst mal gequatscht und gedroht und verwandelt und dann das Maul aufgerissen und gesabbert und gekreischt und harhar, wir fressen dich gleich, brrh, hab ich Angst, gleich bist du dran, nein, hilfe, aber doch!, bitte nicht, jaa - bis der glorreiche Rettungsversuch erfolgen kann.

Der Rest der Action ist fast außschließlich mit CGI-Kreaturen bevölkert, was ich persönlich zum Gähnen finde, und lebt davon, unmögliche Situationen und hahnebüchene Gefahren zu zeigen. So springt Van Helsing z.B. mit einem Sechsspänner mehr als 10 Meter weit über eine tiefe Schlucht (und dabei noch von einem Pferd auf das andere); und gegen Ende schwingen sich alle zig mal mit Seilen über Kilometer, nur um ganz präzise dann genau auf dem einen Meter zu landen, wo gerade einer der Helden bedroht wird - und bei der Landung den Gegner wegzutreten.
Nullpunkt ist auch der finale Kampf Van Helsing gegen Dracula. Hier prügeln sich zwei CGI-Kreaturen als wildes, wirres Knäul. Egal, denn die Spannung hat sich da schon längst verabschiedet.

Dieser Punkt ist es auch, den Sommers überhaupt nicht beherrscht (zu all den anderen, die eigentlich nur zeigen, wie man einen Film nicht machen sollte). Bei ihm gibt es nur BANG! Irgendjemand oder irgendetwas springt ins Bild mit dem notwendigen musikalischen Getöse und vorherigem kurzen Schlechszenario des Protagonisten - oder es knallt und kracht eben ständig. Bei diesen Extremen bleibt der Film seit Anbeginn.

Ohne eigentliche, spannende, drängende Hintergrundsstory fehlt es ihm ja schon anfangs an Drive. Es gibt keinen drängenden Grund, kein “Muß” für den Helden, kein Geheimnis, das nicht plump wäre, kein Rätsel, das nicht jedem Rollenspiel-Erfahrenden die Haare zu Berge stehen läßt. Und Sommers versucht dies durch Action, Verfolgung und schnelle Bilder zu lösen. Der Versuch kommt leider zu spät - ein gutes Drehbuch sollte immer noch die Voraussetzung für einen Film sein.

Das Drehbuch weißt übrigens außer den genannten Mängeln noch vieles auf - meist nichts positives. Es ist eine Sammelsurium von bekannten Horrorgestalten, auf modernes Comicpublikum getrimmt, ohne den Hauch von Gothik und Atmosphäre, aus denen die zitierten Kreaturen stammen. Daß die Geschichten der Originale ignoriert werden ist dabei genauso traurig, wie Sommers Sprache, die jeglichem Gefühl für die damalige Zeit entbehrt.
Die Figuren sprechen mit dem Wissen und der Art, wie sich Sommer das Kinopublikum ausmalt - da redet ein Mönch von “Außendienst”, da verbreiten sich Nachrichten von Paris bis in ein kleines Kaff in Transylvanien innerhalb kürzester Zeit, da schleichen sich Logikfehler ein, daß es nur so kracht. So weiß das abgeschiedene und verschüttete Monster vor den beiden Helden, daß Draculas Versuch, Nachkömmlinge mit Frankensteins Technik zu erzeugen, fehlgeschlagen ist, da kann der Q-ähnliche Mönch Carl in dem kleinen rumänischen Bergkaff mit Telegraphen nach Rom kabeln, da schickt der Vorfahr von Anna eine wichtige Schriftrolle extra nach Rom, obwohl sie seine Familie viel eher braucht.

Aber das ist auch egal, denn da niemand weiß, wofür Dracula eigentlich Nachwuchs benötigt (und den gleich in zig-tausendfacher Ausfertigung), spielt das auch keine Rolle mehr. “Van Helsing” erinnert sowieso mehr an James Bond meets Marvel-Comics und trieft geradeso von Plastik. Alle Monster, Kreaturen usw. sind leider rein auf CGI-Basis, wobei sich die Mischung aus CGI und traditionellen Effekten immer als die beste erwiesen hat, da sie glaubwürdiger wirkte. Im Vergleich zu “Liga der außergewöhnlichen Gentlemen”, in dessen Liga “Van Helsing” auch ungefähr spielt, fällt die Ähnlichkeit der beiden Mr.Hydes auf, die natürlich schon in “Liga” für den normalen Zuschauer lachhaft-enttäuschend war. Aber in “Liga” war Mr. Hyde wenigstens relativ sauber gemacht, da die Tricktechniken kombiniert wurden und ein realer Darsteller die größte Arbeit bestritt. Hier wirken alle Kreaturen nur aus reinem Plastik.

Aber Mr. Hyde ist nicht wichtig, denn am schlimmsten trifft es Dracula! Der dunkle Graf spricht leere Nichtigkeiten mit opernhafter Singsangstimme und inszeniert sich ebenso. Ständig läuft er Wände und Decken hinauf und gibt sich damit der Lächerlichkeit preis. Der römische Kardinal am Anfag spricht da schon eher wie es Dracula tun sollte. Dazu trieft sein Text vor Pathos und die Garderobe wirkt wie beim Chinaimport geplündert. Seine Bräute grimmasieren dabei ständig im Hintergrund und machen das Bild nicht weniger erträglich. Schlimm ist vor allem, das diese Eunuchentucke auch noch gefährlich sein soll.
Was zum Lachen gibt´s ebenfalls - aber immer unfreiwillig. Beste Szene: Annas in ein Werwolf verwandelter Bruder richtet in einem stillen Moment die Worte an sie, doch bevor er drei Sätze gemacht hat, fängt er an UURGH, MAAH, HRGHH zu stammeln und zurück zu taumeln. Das entbehrte nicht einer gewissen Komik. Ich hab´ - naja, nicht gebrüllt vor Lachen, aber die Einleitung zur Verwandlung war mit der beste ´Gag´ des Films.

Darstellerisch konnte niemand überzeugen. Zum einen war es bei so einem Script kaum möglich, zum anderen gaben die Darsteller ihren Figuren auch zu wenig Profil, um sich vom Text freizuspielen. Kate Beckinsale, immer gut geschminkt, rote Lippen, Eyliner, Kayal war für mich mit Hugh Jackman, stoisch, meist irgendwo im langen Mantel stehend, auf jedenfall kein Traumpaar und die Liebesstory zwar kurz aber unglaubwürdig. Dracula war ein Graus, die anderen Figuren ebenso; das Monster ein einziges emotionales Wrack mit Tränenfaktor 12 - gefehlt haben nur noch die Freundschaftsbändchen.

Kurzum - meidet diesen Film, meidet ihn,
weichet zurück, wenn er sich euch nähert.
Schenket niemandem glauben,
der euch zu ihm bekehren will,
betretet ihn nur,
wenn ihr berauschende Getränke mit euch führt,
ansonst flieht ihn wie die Pest!


Selbst für wohlgesonnene ist “Van Helsing” ca. 40 Minuten zu lang - für mich war schon in der ersten Minute klar, daß ich diesen Film nicht mehr weiter schauen müsse - aber ich habe es getan, um die Menschheit vor einem neuen Übel zu warnen!




Fazit

Schlechtester Film der Welt?
Sicher ein Kandidat!





10.05.04 Markus L. via Mail

Hallo,

da kann ich dir nur recht geben. Irgendwie ist es Mode 99.9% des Budgets für Effekte und Darsteller zu vergeuden und dann am Schluss zu merken, daß kein Geld mehr für den Film übrig ist.

Deine Analyse kam für mich leider zu spät.
Mein Sitzfleisch wurde vergeudet.

 

 

 

 

 

 

© 2002-2011 brand-X films - Wir übernehmen keine Haftung für Links und deren Inhalt
Alle Beiträge unterliegen den geltenden Urheberrechtsbestimmungen und sind Eigentum der brand-X films®