THE SOCIAL NETWORK

The Social Network (The Social Network)
USA 2010


Regie: David Fincher
Musik: Trent Reznor, Atticus Ross
Darsteller: Jesse Eisenberg (Mark Zuckerberg), Andrew Garfield (Eduardo Saverin), Justin Timberlake (Sean Parker), Armie Hammer (Cameron Winklevoss / Tyler Winklevoss), Rashida Jones (Marylin Delpy)
Länge: 121 Minuten, Farbe



 

 

“Ein Film über Facebook-Gründer Mark Zuckerberg? Klingt ja nicht unbedingt super spannend.“
Genau das dachte ich, als ich 2010 von “The Social Network“ hörte. “Zu früh, zu uninteressant, zu wenig überraschend“, dachte ich weiterhin und ebenso, dass da jemand auf den aktuellen Zug aufspringen möchte mit einem schnell runtergekurbelten Film zu den damals aktuellen Prozessen um Rechtefragen bezüglich der Firmengründung von Facebook.
Doch dann las ich, dass es David Fincher war, der die Regie übernommen hatte. Das ließ aufhorchen, hatte Fincher doch mit “Sieben“ und “Fight Club“ wirklich ansehnliches modernes Kino geschaffen – zusammen mit Plot-Twists und hervorragender Kameraarbeit.

Im Film geht es dann auch wirklich, wer hätte das gedacht, um den Rechtsstreit und die Gründungsgeschichte des Internetunternehmens. Zuckerberg ist Computer-Freak und programmiert aus verschmähter Liebe zu einem Mädchen, andere Leute gesellen sich dazu, Facebook entsteht, man zerstreitet sich und zwischendurch klingt durch, dass auch der unscheinbare Mark bei dem Bloßstellen seiner Partner mit dem Finger im Spiel hatte. Das war´s, Film aus. Fertig.

Oscar-Nominierungen folgten nun, besonders in den wichtigen Kategorien “Bester Film“ und “Beste Regie“, dazu gute Kritikernoten und ein sehr gutes Einspielergebnis. Aber es bleibt:
“Ein Film über Facebook-Gründer Mark Zuckerberg? Klingt ja nicht unbedingt super spannend.“
Und das ist auch so.

Wer sich mit nervigen, gewollt witzigen, coolen oder auf freakig getrimmten Dialoge langweilen will, der kann dies hier perfekt tun. “The Social Network“ ist das, was man in Filmkreisen mit der wohlwollenden Bezeichnung “gepflegte Langeweile“ beschreibt. Also an sich ein von Grund auf solider Film, der aber weder Überraschungen

bietet noch im Gedächtnis haften bleibt und oft auf nichtssagene aber opulente Kostümfilme angewandt wird.

Hey, wo ist der Twist? Habe ich mich permanent gefragt. So was á la “Beautiful Mind“, das den Film komplett umdreht und damit eine sinnvolle neue Ebene hinzufügt. Aber der vorliegende Film hält sich stur an seine wenig interessante Geschichte. Ganz ehrlich – lass sich alle vor Gericht streiten und irgendjemand bekommt dann eine Abfindung in unbekannter Höhe. Das reicht doch – und das muss man nicht verfilmen.

OK, ist aber passiert und so hat das Genre des Biopics einen neuen Vertreter. Doch wie viel biographisches ist da wirklich drin? Zuckerberg und Kollegen haben angemerkt, dass zwar Details wie Kleidung echt toll recherchiert seien, der Rest aber extrem dramatisiert und teilweise komplett anders wiedergegeben wurde. Auch der Drehbuchautor lenkt ein, dass es ja im Grunde wichtig sei, eine stringente Story zu erzählen und nicht an der (vielleicht unspektakuläreren) Wahrheit kleben muss.
Das kann ich vom filmemacherischen Standpunkt durchaus nachvollziehen. Auch andere – großartige - Filme mit historisch/biographischem Hintergrund sind diesen Weg gegangen. Am bekanntesten dürfte hier “Lawrence von Arabien“ sein, der sich ebenfalls viele Freiheiten nimmt in Bezug auf die Faktenlage, diese aber zu einem größeren Ganzen verbindet, das mit hervorragenden Dialogen, atemberaubenden Bildern, spannenden Szenen und vor allem auch dadurch in einer viel größeren Dramatik resultiert.
All das hat mir aber bei “The Social Network“ gefehlt. Jetzt schau ich mir schon die Facebook-Story an, dann gibt’s außer Länge nicht mal ausreichend Fakten. Ob die Änderungen wirklich viel zur Story beigetragen haben, weiß ich ehrlich gesagt nicht und ist auch nicht so wichtig, das jetzt nachzurecherchieren, da das Thema an sich ja schon nicht so interessant ist. Aber diese Aufbereitung hätte ich mir gewünscht, vielleicht einen doppelten Boden, etwas mehr richtige Dramatik oder zumindest visuelle Highlights.

Wer welche Ideen bei der Internetplattform hatte ist mir egal und ob Herr Zuckerberg als Mensch nun sehr umgänglich ist oder doch nur ein Eigenbrötler ist ebenso. Die sehr gediegene Inszenierung und die letztlich doch manchmal aufgesetzten Dialoge bringen wenig Eigendynamik mit und mit den fehlenden Pointen oder Auflösungen (der Film ist ja um die Prozessanhörungen gestrickt) kommt auch nichts hinzu, was den Film dahingehend ausstattet, dass man guten Gewissens weiter empfehlen kann.

Was sich aber weiter empfehlen kann ist die durchaus auffällige Art des Product Placements. Hier gibt es wirklich Marken ohne Ende. Überall. Seien es Limonaden, Computerhersteller, Autos oder Biersorten. Schön arrangiert stehen hier zig Produkte im Raum oder im Hintergrund, ein- oder mehrmalig, prominent, mit Kamerafahrt dynamisch ins Bild gesetzt und oft auch ohne jetzt eine filmischen Relevanz zu haben.
Die Budgetkosten sind horrend bei Hollywood-Filmen und Produzenten müssen eben auch das Geld irgendwo im Voraus auftreiben, das kann ich verstehen und das werde ich hier nicht generell wirklich verurteilen. Aber zum einen macht hier David Fincher einen Film, der in Werbung erstickt – also der Regisseur, der in “Fight Club“ sich noch über die subversive Werbung in Filmen lustig gemacht hat – und zum anderen wird permanent betont, dass “Facebook“  cool ist, weil es dort keine Werbung gibt, weswegen anscheinend auch der Film damit zugekleistert werden musste.
Beides finde ich dann zumindest seltsam…

Wen das Thema per se interessiert, der mag sich das ansehen, alle anderen sollten sich vorn Kritikerlob und Oscarnominierung nicht einschüchtern lassen. Das Sujet und die Umsetzung sind, wie schon eingangs erwähnt letztlich doch nur “gepflegte Langeweile“.


 

 

Fazit

Gepflegte Langeweile.

 

 

 

 

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