SPIDER-MAN

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Columbia Tristar

Spider-Man
(Spider-Man)
USA 2002

Regie: Sam Raimi;
Literaturvorlage: Stan Lee;
Buch: David Koepp
Darsteller: Tobey Maguire (Peter Parker), Willem Dafoe (Norman Osborn),
Kirsten Dunst (Mary Jane Watson), James Franco (Harry Osborn)

Länge: 121 Minuten, Farbe

Seit dem riesigen und überraschenden Erfolg von “Batman” (1989) haben Superheldencomics-Verfilmungen Konjunktur und werden, im Gegensatz zur Zeit davor, mit enormem Kapital ausgestattet. Deswegen konnte auch “Spiderman” mit einem 80 Millionen Dollar Budget ausgestattet werden. Regie führt hier, vielleicht auch eine Reminiszenz an “Batman”, ein Regisseur, der mit eher düsteren Filmen aufgefallen ist, nämlich Sam Raimi, allen bekannt aus “Tanz der Teufel”, “Darkman” und “Schneller als der Tod”.

Peter Parker, der gerade seinen College-Abschluß macht und in seine Kommilitonin Mary Jane Watson verliebt ist, wird von einer radioaktiven Spinne gebissen und beginnt sich dadurch zu verändern.
Verschiedene Superkräfte lassen ihn Spinnenfäden aus den Händen schiessen und seine Sinne verschärfen sich. Aber hier ist er natürlich nicht allein, denn ein Superheld braucht immer (mindestens) einen Superschurken. Der findet sich in der Gestalt des Wissenschaftlers Norman Osburn, dem Vater seines besten Freundes Harry. Osburn spaltet sein Ich nach einem Selbstversuch immer wieder in den maskierten ´Grünen Kobold´ und terrorisiert mit seinem Fluggleiter und finsteren Plänen die ganze Stadt.
Spiderman, Parkers alter ego, zuerst kriminalisiert, stellt sich natürlich gegen ihn und kommt dabei Mary Jane näher, die er mehrmals retten muß.

Überflüssig zu erwähnen, daß am Ende das Gute siegt, der Kobold getötet wird und Mary Jane ihre Liebe zu Peter erkennt - die dieser, lonely-Superhelden-mäßig, aber extremunlogisch, zurückweisst.

Die Drehbuchautoren wissen, daß ein potentielles Sequel noch offene Handlungselemente haben muß und somit seine Enttarnung durch Mary Jane, sowie ihre Liebesgeschichte noch nicht erfolgen dürfen. Ebenso gibt es noch Harry, der für den Tod seines Vaters Rache schwört und somit vielleicht irgendwann auch das Geheimnis des Grünen Kobolds lüften kann und dann - Freund gegen Freund - gegen Spiderman kämpfen muß.

Von Comic-Verfilmungen erwartet man ähnlich viel, wie von Computerspieleverfilmungen - nämlich massentaugliches, klischeehaftes Popcornkino, sprich Action und reine Unterhaltung.
Wenn dann noch Sam Raimi die Regie führt, so addieren sich visuelle Höhepunkte und schräger Humor dazu. Doch leider bleibt davon nicht viel übrig, denn alles in allem enttäuscht die knallbunte Verfilmung trotz geringer Erwartungen.

Das Fliegen durch Häuserschluchten ist zwar optisch schön anzusehen, war aber in “Darkman” rasanter und lustiger zugleich und auch der Humor von “Tanz der Teufel” wird nur in den ersten mißglückten Superheldenversuchen von Peter angedeutet. Insgesamt strotzt der Film vor Klischees und ist allein Spitze im Recyceln von Dialogen - allesamt absolute Oberbrenner, zehnmal ausgelutscht und erschreckenderweise in einer solch teuren Produktion trotzdem eingesetzt.

Ähnlich sind die schauspielerischen Leistungen zu werten. Willem Dafoe ist zwar noch nicht ganz so schlimm wie Jeremy Irons in “Dungeons and Dragons”, aber schräge Grimassen und Gekicher gibt es trotzdem. Tobey Maguire ist bubihaft und unglaubwürdig, viel zu brav und naiv, und Kirstin Dunst wirkt dagegen ´zu erwachsen´ und chargiert sich kleinmädchenhaft durch den Film.

Was mich noch stört sind das langsame Tempo, die extrem künstliche Atmosphäre, bei der man in jedem Bild merkt, daß alles Film ist. Passanten, Zuschauer, Presse, alles enttarnt sich selbst auf seltsam magische Weise als zugehörig zu einer künstlichen Welt. So stark ist mir dies noch bei keinem Film aufgefallen und möglicherweise ist dies extrem subjektiv.

Nicht subjektiv sind aber die Computereffekte, alle auf hohem Niveau, aber, ähnlich wie in “Blade 2” und “Episode II” offenbaren sie die Künstlichkeit des Helden und mit den tollen und unglaublichen Bewegungen laden sie nicht zum Staunen, sondern zum Lachen oder aus-dem-Film-fallen, ein. Speziell die Actionszenen, in den der CGI-Spiderman typische Computer-Comic-Bewegungen macht, die zum realen Setting nicht passen mögen. Die Flüge durch die Häuserschluchten hingegen sind durch die entfesselte Kamera imposant, genauso wie die Szene, in denen Parkers geschärfte Sinne erwachen und die Kamera ohne sichtbaren Schnitt durch einen Raum fliegt, in dem die Menschen festgefroren scheinen (quasi Zeitstillstand) und an Objekte ran bzw. wieder weiter weg fährt.

Enttäuschend ist vor allem auch die DVD-Ausstattung, die trotz Doppel-DVD, KEINE Informationen bietet. Die “Making Ofs” sind lobpreisender Einheitsmüll, genauso wie die Specials über Regie und Musik. Die Outtakes hätte man wirklich weg lassen sollen, allein die Interviews mit den Zeichnern der Vorlage geben einen kleinen Einblick in die Veränderungen des Konzept von den 60er Jahren bis heute. Aufschlußreich ist hingegen die nicht unaufwendige aber kurze Action-Testaufnahme mit Tobey Maguire, in der er die Rolle glaubwürdiger, weil härter, als im Film spielt.
Auf dem Markt ist auch eine 3-fach DVD, deren Kauf man sich sicher extrem überlegen sollte, da sie zudem doppelt so teuer ist.

 

 

 

 

Fazit

Hirnloses Millionenkino für Analphabeten und Grimassenfans.

 

 

 

 

 

 

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