PAYCHECK

© Photos by
Paramount/
Dreamworks

Paycheck (Paycheck)
USA 2003

Regie/Production: John Woo;
Buch: Dean Georgaris;
Literatur Vorlage: Philip K. Dick;
Kamera: Jeffrey L. Kimble
Darsteller: Ben Affleck (Michael Jennings),
Uma Thurman (Rachel Porter),
Aaron Eckhart (James Rethrick),
Paul Giamatti (Shorty), Colm Feore (Wolf)

Länge: 115 Minuten
Bild: Farbe

 

 

Michael Jennings ist ein hochbegabter Ingenieur, der für Industrieunternehmen Konkurrenzprodukte stiehlt, weiter entwickelt und dann mit einem Gehaltsscheck entlassen wird. Die Zeit, die er in der Firma verbracht hat, wird nachträglich gelöscht und so weiß er nicht was passiert ist und kennt vor allem die Pläne und Patente nicht. Gegen einen Betrag von 90Mio. Dollar akzeptiert er einen neuen Auftrag, der drei Jahre seines lebens kosten wird - und wacht wieder auf. Leider kann er sich, wie gewünscht, an nichts erinnern und muß feststellen, daß er persönlich auf sein ganzes Geld verzichtet hat, im Austausch gegen ein paar wertlose Gegenstände. Zudem scheint er noch mit seiner Kollegin Rachel verbändelt zu sein und das FBI ist ihm auf den Fersen.

“Paycheck” ist eindeutig zum Spätwerk des Honkong-Actionfilmers John Woo zu rechnen, denn er schraubt seit den letzten Filmen immer mehr zurück, was seine Stilmittel und die Action anbelangt. Natürlich schreit das Sujet auch nicht nach knalliger Zeitlupenschießerei, aber irgendwie fehlt es einem dann doch wenn man seinen Namen im Vorspann liest.

Der routiniert gemachte Streifen erzählt seine Geschichte sehr unterschiedlich. Während es zu anfangs etwas mau und unoriginell bzw. auch voller Logikfehler losgeht, läuft der Film ab der 20. Minute ganz gut und hat spannende Momente, die sich um das Rätsel der sinnlosen Gegenstände und Michaels Amnesie drehen - nur um sich selbst kurz nach der Hälfte auszumanövrieren.
In dem Moment, in dem man weiß, warum Michael verfolgt wird, ist man draussen. Das liegt nicht unbedingt am Drehbuchaufbau (also ob man die Lösung vielleicht lieber weiter hinaus gezögert hätte), sondern an der Tatsache, daß der Grund für die ganze Hetzerei eine Zeitmaschine ist, mit der man in die Zukunft blicken kann, so eine Art Wahrsagekugel für die Großen. Außerdem ist die Auflösung der Gegenstände, die damit Zusammenhängt, ebenfalls nicht mein Fall.

Für mich war´s das dann auch und ich habe mich irgendwie vom Film verabschiedet. Letztendlich fand ich, daß dies doch zu sehr an den Haaren herbei gezogen war und in Kombination mit der Gehirnlöschmaschine, den fliegenden Geräten und ähnlichem Schnickschnack dann jede Ernsthaftigkeit abhanden gekommen war. Besonders schwerwiegend war allerdings, daß der Film eigentlich versucht real und ernst zu sein - und dazu passt diese Idee, gerade mit allen Folgeschlüssen, natürlich nicht. Zu Gute gehalten sei den Machern, daß schon die Kurzgeschichten -Vorlage von Philip K. Dick (Blade Runner/Minority Report) den Zeitmaschinen-Twist hatte.

Woo hält sich zurück mit futuristischem Design, doch das übrig gebliebene ist leider nicht von bester Qualität (trick- und designtechnisch) und wirkt somit etwas unfein und ´plastikhaft´. Auch die Action geht ihm nicht mehr so gut von der Hand wie früher und die gebotene Motorradjagd kann nicht mal mit “Hard Target” mithalten bzw. ist nicht mehr als eine reine Routineinszenierung. Der Höhepunkt glänzt durch Einfallslosigkeit und die exzessive Verwendung von Trockeneis und Nebelwerfern bringen eine Stimmung, die weniger zu einem Industriekonzern, als zu einem Barbarenspektakel passen mag.

Ben Affleck überzeugt wie gewohnt überhaupt nicht, schon gar nicht als hypergenialer Wissenschaftler. Seine erotische Ausstrahlung geht für mich auch eher gegen den Gefrierpunkt, was aber mit seinen monotonen mimischen Qualitäten durchaus konform geht.

Fehler, Fehler, Fehler. Was uns hier in den ersten Minuten zugemutet wird, ist härtester Tobak und wird für viele ein Grund sein, dem Film nicht zu glauben und auszusteigen.
Wir sehen Michael im Gegenlicht in eine Halle laufen, dann ist er in einem Labor und demonstriert seine Entwicklung, nur um kurz darauf von einer spröden Geschäftsfrau verführt zu werden.

Plopp! Alle Bilder spulen rückwärts und wir befinden uns nun im Gehrinlöschungszentrum seines Freundes und müssen mit ansehen, wie aus Michaels Gehirn eben jene von uns gesehene Einstellungen und Szenen gelöscht werden. Nur sieht man sich im normalen Leben eigentlich nicht selbst und so fragt sich der mündige Zuschauer, wie Michael es macht, daß er in seinem Gehirn Filmbilder produziert - mit Schnitten und im schönsten Gegenlicht. Leider ist das nicht nur ein filmisches Mittel, denn die Macher meinen es ernst und selbst auf den Monitoren, die Michaels Gehirnbilder zeigen sollen, sehen wir nur die uns bekannten Filmbilder, anstelle seiner subjektiven Eindrücke.

Desweiteren scheint ja unser Michael ein kluger Kopf zu sein - schließlich kann er eine Zeitreisemaschine und etliches mehr konstruieren. Warum also, um alles in der Welt, muß er sich als menschliches Meerschweinchen mit blödsinnigen Gehirnbratereien in Gefahr bringen. Mit seinem anscheinenden Talent, könnte er das Geld locker legal verdienen, für das er nun in seiner Doofheit sein Leben, sein Gehirn und seine Erinnerung riskiert.

Weitere Fehler gefällig? Auf einer Party trifft er Rachel, die er später herzen wird und die ihm als einzige hilft. Erst danach wird ihm das Serum injeziert, das der Marker für den Löschpunkt ist. Als er sie dann nach der künstlichen Amnesie wieder trifft, kann er sich leider überhaupt nicht mehr an sie erinnern. Seltsam, zumindest daß er sie bei der Party angebaggert hat, müßte er wissen. Am Ende zerstört Michael natürlich die böse Zukunftsmaschine. Was er aber nicht vernichtet sind die Baupläne, die Patente, kurz alle wichtigen Daten, um zu verhindern, daß diese erneut gebaut werden kann. Anscheinend hat´s doch etwas zu viel gebrutzelt bei ihm.

Genug bemängelt, denn trotz der aufgezählten Mankos ist der Film als durchschnittliche Unterhaltung goutierbar und bietet nur wenige wirkliche Längen. Die Amnesie- und Rätsel-Story trägt den Film über die erste Hälfte und auch nach der Auflösung reicht das gebotene aus, um nicht allzu angestrengt, aber auch nicht ganz simpel und flach, zu unterhalten.

 

 

 

Fazit

Solide Routineinszenierung - Woo-Fans werden aber enttäuscht sein..

 

 

 

 

 

 

© 2002-2011 brand-X films - Wir übernehmen keine Haftung für Links und deren Inhalt
Alle Beiträge unterliegen den geltenden Urheberrechtsbestimmungen und sind Eigentum der brand-X films®