MICHAEL JACKSON - KEIN NACHRUF

Michael Jackson war Zeit seines Lebens Gast in der Presse. Geschickt aber kalt vermarktet von seinem Vater, gezeichnet von Schönheitsoperationen, die im letzten Stadium wenig gelungen schienen, gebeutelt von Skandalen, war der Jackson der letzten Jahre ein Futter für die Medien geworden und die Zielscheibe von Spott allerorts.

Jackson war beruflich und privat in einer Krise angelangt und schien mit dem Leben schwere Probleme zu haben. Trotz Jahrhundertdeal mit Sony waren die Platten, die Jackson zu liefern hatte, nur knapp innerhalb des Zeitplans erschienen. Mit “HIStory” kam sogar als erstes ein Album mit angehängter Best-Of CD raus - nicht unbedingt eine Zugabe an die Fans und wahrscheinlich eher motiviert dadurch, schnellstmöglich die Vertragsbedingungen zu erfüllen.

Das nächste Album “Blood On The Dancefloor”, bestand zudem zumeist aus Remixen des Vorgängeralbums und war eher eine EP als eine LP. Vier Jahre Später folgte mit “Invincible” ein extrem teuer produziertes Album - diesmal immerhin ausschließlich mit neuen Songs bestückt, von denen aber nur wenige selbst aus Jacksons Feder stammten. Gemessen an dem Produktionsetat war das Album ein Flop - und musikalisch sicher das am Weitesten von ihm entfernte.


COMEBACK UND MEDIENFUTTER

Jacksons Comeback sollte mit einer riesigen neuen Show in London gestartet werden. Im Vorfeld wurde dabei das Vorhaben zumeist belächelt. Michael Jackson hatte sich im Laufe seiner Karriere vom “King of Pop” zur Lachnummer entwickelt. Wer auch immer die Schuld daran trägt - Jackson war nur noch für Meldungen gut, die allesamt in die Kategorie Promi-Trash fielen.
Jackson mit Mundbinde, Jackson vor Gericht, Jackson und die Leihmütter - alles hinterließ nur Häme und vor allem leere Kassen im eigenen Haushalt, was zu erneuten Meldungen gleicher Güteklasse führte.

Neue Berichte über ihn begannen meist so: “Der einstige King of Pop ...” und zeigten klar, daß außer einigen unabdingbar treuen Fans der Rest der Welt in dem Michael Jackson des neuen Jahrtausends kein Idol mehr sah. Jackson war zum Zirkusclown verkommen, zur Freakshow.

Das klingt hart, aber genau so war es - bis vor einigen Monaten...


NEUES GELD RUFT!

Mit Jacksons plötzlichem Tod war alles vergessen. Michael ist wieder der Held der Menschen geworden. Tränen allerorts. Genau die Medien, die ihm zuvor noch den Absturz seiner Comeback-Tour vorausgesagt hatten, sind nun die Größten im Zelebrieren des einstigen Ruhms.

Jetzt ist er wieder “der King of Pop” - und das “einstige” aus diesem Zusammenhang verbannt. Alle Alben schießen an die Spitze der Charts, Best Of-Zusammenstellungen sprießen aus dem Boden, DVDs aller Art, zumeist schnell zusammen geschluderte Biographien, überschwemmen die Märkte und jeder - wirklich jeder - hat den kurz zuvor geschmähten Jackson immer geliebt und trauert nun mit der Welt um die Wette.

Selbst dem Blindesten dürfte spätestens hier die Bigotterie des Ganzen aufgefallen sein. Alles Mitleid ist geheuchelt, wichtig nur, dass das Ereignis (!) ausgeschlachtet wird - und zwar finanziell. Shows, Musicals, CDs, DVDs, Bücher, Biographien, Reportagen, Sondersendungen, Berichte der Trauerfeier, selbsternannte Experteninterviews - jeder möchte ein Stück vom Kuchen, denn der wird nur einmal aufgeschnitten. Auch Michaels Vater Joe Jackson hat erklärt, dass dessen Kinder unglaublich talentiert sind - und er somit eventuell wieder jemand ins Rennen schicken kann.
 

Ehrlichkeit kann man hier nicht erwarten, genauso wenig wie Mitgefühl - von keiner Seite - denn Jacksons Tod ist, abseits aller nicht vorhandenen Pietät, eine neue Möglichkeit mit alten Kamellen Geld zu verdienen - und eine erneute Offenbarung in Medienpolitik.

 

 

 

 

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