KÖNIGIN DER VERDAMMTEN

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Warner Brothers

Königin der Verdammten
(Queen of the Damned)
USA/AUS 2002

Regie: Michael Rymer;
Literatur Vorlage: Anne Rice;
Buch: Michael Petroni, Scott Abbott
Darsteller: Stuart Townsend (Lestade), Aaliyah (Akasha),
Marguerite Moreau (Jesse), Vincent Perez (Marius),
Lena Olin (Maharet)

Länge: 101 Minuten
Bild: Farbe

 

 

Der Vampir Lestat erwacht aus seinem langen Schlaf, um sich im Licht der Öffentlichkeit zu sonnen und Rockstar zu werden.
Mit seiner aggressiven Selbstoffenbarung schreckt er aber auch die anderen Vampire auf, die ihn als Verräter sehen, der ihren Kodex gebrochen hat. Gleichzeitig erweckt er dadurch nicht nur die “Alten”, sondern auch die Mutter aller Vampire - Akasha. Während er sich einiger Angriffe erwehrt, in den Rückblenden auf seine ´Geburt´ zurück blickt und sich den Nachforschungen einer attraktiven Wissenschaftlerin gegenüber sieht, die von ihm ´getauft´ werden will, zieht maßloses Entsetzen in beide Welten ein, denn Akasha kennt nur sich selbst und ihre unstillbare Begierde nach Blut und Schlächterei. Lestat, den sie als Gefährten erwählt hat, erkennt dies zum Glück gerade noch rechtzeitig und mit Hilfe der Alten kann Akasha vernichtet werden. Lestat entscheidet sich lieber für die Wissenschaftlerin als untote Gefährtin.


Die zweite Anne Rice Verfilmung (nach “Interview mit einem Vampir”) muß mit viel weniger Budget und Aufwand auskommen, wie einst Neil Jordan, auch hat sie eine viel trashigere Story, was sich in dem Look des Films niederschlägt. Ein Vampir als Rockstar ist meines Erachtens keine besonders gelungene Grundlage für einen ernsten Film. Abgesehen davon hat Stuart Townsend als Lestat sicherlich den Charme einiger androgyner Musikstars, aber er besitzt leider nicht die notwenige Dämonie des Vampirs.

Eine wirkliche Enttäuschung ist der Auftritt von Aaliyah als allmächtige Vampirgöttin. Nach ihrem unglücklichen Tod zur Ikone á la Brandon Lee hochstilisiert, ist sie in der Rolle eine absolute Fehlbesetzung. Zu klein, zu schmächtig, zu zierlich, allein schon äußerlich, aber auch ohne den Blick, der töten könnte, ohne fähig zu sein, diese riesige Macht, die ihr angeblich innewohnt, zu repräsentieren. Zwar legt sie einen flotten (aber unwichtigen) Tanz hin, doch geht dieser Einlage die betörende Verführung des Vorbildes aus “From Dusk Til Dawn” ab, von der immanenten Gefahr ganz zu schweigen. Kein Wunder also, daß Akashas Kräfte nur in Magie bestehen. Man sieht sie nie wirklich kämpfen - und gerade diese fehlende Körperlichkeit schwächt den Charakter immens. Ihre Macht bleibt zu abstrakt, zu wenig manifestiert, als daß sie eine reale Bedrohung sein könnte - plopp und brenne! - das ist zu weit hergeholt und in dieser Verbindung unglaubhaft. Zu leiden hat darunter hauptsächlich der Showdown, der sich als wenig spektakulär herausstellt. Vampire springen Akasha an - plopp, bruzzel - einige beißen sich fest, saugen - plopp, brenne - sie wird schwächer, bis keiner mehr ploppen kann und dann war´s das.

Einiges wiegt auch die technischen Verschlimmbesserungen der Computerexperten. Die fliegenden Vampire sehen (im Making Of) eigentlich ganz gut aus, aber ihnen wird ein künstlicher ´Schweif´ angefügt, die diese Szenen unansehbar machen. Mit Schrecken musste ich feststellen, daß alles Live-Effekte waren, da dies im Film nicht mehr so aussieht. Man glaubt, daß alle Flugszenen per Computer nachträglich eingefügt wurden, denn durch den ´Schweif´ sieht das Bild zu künstlich aus, um wahr zu sein. Ein großes Leider hierbei, da dies dem Film erheblich schadet.

Schaden erhält der Film auch durch zahlreiche Kürzungen. Die auf der DVD enthaltenen geschnittenen Szenen sind oft elementar wichtig und fehlen in der Endfassung, was große Teile des Film schwächt und einiges unverständlich macht.
Hier bewahrheitet sich ein alter Fehler, der eigentlich nicht bei einer professionellen Produktion vorkommen darf:
Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Cutter kennen den Film und alle Zusammenhänge. Sie haben in den wenigsten Phasen Probleme mit dem Verständnis der Figuren und der Handlung. Aber sie müssen sich auch in die Perspektive des Zuschauers versetzen, der diese Kenntnisse nichthat. Da dies aber einige nicht tun, werden wichtige Szenen gestrichen, um den Film schneller zu machen. Der Film wird nun schneller, aber auch für den Zuschauer unverständlicher, weil er das fehlende Wissen nicht besitzt.
 

Die Sequenzen von denen ich spreche, sind die, die die Alten betreffen. Nur durch die DVD und die Kommentare weiß ich, daß es sich hier um die Alten handelt, die gekommen sind, um Akasha zu vernichten. Im Film werden sie zu ein paar seltsamen, freakigen Gestalten, die einfach mal dabei sind und zufälligerweise und ohne Erklärung auch am Showdown teilnehmen. Eine Schande, daß die fehlenden Szenen nicht wieder integriert wurden.

Daß ich den Film trotzdem mag und ganz unterhaltsam finde, liegt zu einem meiner Vorliebe für das Thema und für ´trashige´ Filme, zu denen “Königin der Verdammten” trotz dem Versuch einer edleren Optik, eigentlich zählt. Film und Script besitzen zahlreiche Schwäche, Leerlauf und inakzeptable Bedingungen (Rockmusiker), aber als Unterhaltungsfilm ist das Endprodukt für Fans sicherlich nicht falsch. Dazu trägt der schräge Charme genauso bei, wie die sich immer ablösenden Handlungsebenen, die nicht besonders kunstvoll verarbeitet sind, somit aber eine gewisse Unmittelbarkeit und Wechsel besitzen. Für Genrefans.

 

 

 

 

Fazit

Für Trashfans und Vampirfanatiker.

 

 

 

 

 

 

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