INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR

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Warner Brothers

Interview mit einem Vampir
(Interview With the Vampire)
USA 1994

Regie: Neil Jordan;
Buch/LV: Anne Rice;
Kamera: Philippe Rousselot
Darsteller: Tom Cruise (Lestat de Lioncourt), Brad Pitt (Luis de Pointe du Lac),
Kirsten Dunst (Claudia), Stephen Rea (Santiago), Antonio Banderas (Armand), Christian Slater (Daniel Malloy)

Länge: 123 Minuten

 

 

Ende des 18. Jahrhundert wird aus dem lebensmüden Edelmann Louis de Pointe du Lac ein Vampir. Sein Schöpfer ist der ebenso einsame, aber zum ewigen Leben verdammte Lestat, dessen Geschichte in “Königin der Verdammten” erzählt wird.
Louis hat es schwer mit seinem neuen Dasein, da er seine Menschlichkeit nicht abschütteln kann. Als er sich von Lestat trennen will, macht der die kleine Claudia ebenfalls zu einem Vampir und so erhalten die beiden Männer eine ´Tochter´. Claudia, die sich leichter in ihrer neuen Rolle zurechtfindet als Louis, zerbricht aber daran, dass sie immer nur den Körper einer 12-jährigen haben wird.


Exquisite Photographie und schöne Farbtöne sind ein Merkmal dieses Films nach der Romanvorlage von Anne Rice. Das eher durchwachsene, gedehnte Buch zeichnet sich weniger durch eine gute Storyline aus, als durch die Beleuchtung der philosophischen Aspekte des Vampirlebens. Das ist das eigentlich neue und originelle dieses Films, da dieser Zug im Genre sonst eher unüblich ist. Menschlichkeit, Unsterblichkeit, Einsamkeit; alles starke Pfeiler, die die Hauptmotivationen der Figuren bilden.

Enttäuschend ist hingegen die relativ spannungsarme Geschichte, die episodenhaft und ohne wirklichen roten Faden Louis Leben und Werdegang erzählt. Ein übergeordnetes Ziel, einen großen Spannungsbogen sucht man vergeblich. Lestat als böser Vampir ist der einzige wirkliche Feind - aber genau betrachtet ist auch er kein richtiger Gegenspieler.

Die Vampire sind dabei deutlich realistischer gefärbt, als bei anderen Filmen - und deswegen fehlt der Story hin und wieder auch der Pfeffer. Da sie abseits der Welt leben, als Gemeinschaft unentdeckt bleiben wollen und fast gelangweilt erscheinen (weswegen ja auch Lestat Louis zum Vampir macht), werden Plotstränge selten von ihnen vorangetrieben. Diese Art der Darstellung ist es aber wiederum, so zweispältig das klingen mag, die dem Film seinen eigenen Reiz gibt.

Durch den erzählerischen Trick des Interviews gelingt es, in die Welt des Vampirs einzutauchen und ihn seine Gefühle und Gedanken ausdrücken zu lassen. Dazu zeigt der Film schonungsloser und weniger verklärt bzw. weniger mystifiziert einen typischen Vampiralltag. Der Kampf mit der eigenen Menschlichkeit, der Sinnlosigkeit ihres Lebens und dem Fehlen von Wärme oder Nähe sind spannende innere Konflikte.Trotzdem tragen diese die Handlung nicht ganz und eine gewisse (gepflegte) Länge kann man dem Film nicht abstreiten.

Die verspielte Ausstattung, opulente Kostüme und durchweg gut besetzte Darstellerriege, dazu einige schöne Szenen und Ideen (Louis Verwandlung, Santiagos Auftritt, das Vampirtheater) trösten aber über die fehlende Spannung hinweg - auch Tom Cruise und Kirstin Dunst machen ihre Arbeit sehr gut und bieten einen zusätzlichen Reiz in ihrer Darstellung des bösen bzw. kindlichen Vampirs.
 

Was fehlt sind die wirklich großen visuellen Momente und inhaltlichen Höhepunkte oder auch ganze einfach etwas mehr reine, fließende Unterhaltung. So unterliegt er visuell z.B. klar “Bram Stokers Dracula”, wirkt optisch etwas müder und konservativer in der Bildvision.

Die erwähnten Kritikpunkte sind zwar existent, “Interview” ist aber trotzdem ein durchaus empfehlenswerter Film für Freunde des Genres und gehört ohne Zweifel in die obere Liga der Vampirfilme.

 

 

 

 

Fazit

Stilvolles Vampirkino mit wenig Horror und viel Tiefgang.

 

 

 

 

 

 

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