HERO

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Edko Film/Miramax

Vor über 2200 Jahren liegen die sieben größten Provinzen Chinas im Kampf. Der König von Qin strebt nach der alleinigen Herrschaft an und will alle anderen unterwerfen. Drei Attentäter wurden deswegen auf ihn angesetzt. Dann betritt ein Fremder die Stadt und erzählt, wie er alle getötet hat. Doch wie schon einst bei “Rashomon” scheint nicht alles wahr zu sein, was der Held berichtet.

“Hero” ist ein Schwertkampffilm, aber trotzdem eigentlich kein Actionmovie. Nirgends wird dies deutlicher als in der ersten Kampfsequenz. Der Namenlose, der Meister des Schwertes, und der lanzenbewehrte Sky stehen sich gegenüber. Der Namenlose greift an und - normalerweise würden hier Breakbeats einsetzen und die elektronische Percussion den Rhythmus der Szene und die Action hochpushen.
Doch “Hero” bleibt ruhig. Nur die Umgebungsgeräusche sind zu hören, allenfalls eine gedämpfte chinesische Percussion. Die Wirkung ist ungewohnt, denn die Erwartungen, die man vom amerikanischen Kino hat lassen einen bei Kampfszenen immer an laute Musik denken. Das Ergebnis, das erreicht wird ist aber ungleich höher, funktioniert sicher nicht bei jedem Film, aber hier sehr gut.
Die Ruhe der Musik läßt einen erahnen, wie der Kampf für die beiden Meister wirklich ist, läßt einen die Konzentration nur auf ihre Waffen spüren und gibt einem ein Stück Realität wieder, daß man im Krach-Bumm-Bäng Kino schon verloren hatte.

Regisseur Zhang Yimou inszeniert fulminante Schwertchoreographien, die nicht mit Wirework und modernsten Effekten sparen. Wieder einmal wird deutlich, wo die Wurzeln von “Matrix” liegen, nämlich im Hongkong-Kino - schlimm ist es dann, wenn Kritiker anführen, “Hero” imitiere “Matrix”-Szenen oder deren Kämpfe, denn ohne Hongkong kein “Matrix”.
Der Film ist voller Gefechte, meist Duelle, und trotzdem wird kaum jemand den Film als Actionkino bezeichnen können.

Yimou legt viel mehr Wert auf philosophisch-poetische Aspekte der Meister und zeigt dies deutlich in seinen Kämpfen. Musik und Schnitt wird hier benutzt um lyrische Kompositionen zu erzeugen, bei denen die traumähnlichen Bilder wichtiger sind als die vordergründigen Action. Viel des aufwendigen Wireworks und der Effekte wird so entspektakulisiert und in eine runde Einheit mit dem Rest der Szene gebracht.
Ein sehr mutiges Unterfangen, da so viel Production Value, viele Showeffekte verloren gehen. Vordergründige Effekthascherei fällt hier bis auf wenige Ausnahmen flach. Mutig; und wirkungsvoll, denn so gelingt es auch die meditativ-philosophischen Wurzeln der asiatischen Kampfschulen zu verdeutlichen - wenn man dies als Zuschauer zuläßt und sich nicht daran stört, daß die Action nur die zweite Geige spielt.

Die vier Meisterkämpfer sind alle mit den typischen Eigenschaften der chinesischen Schwertkämpferfilme ausgestattet. Schwerelosigkeit wird außer Kraft gesetzt, unglaubliche Szenen möglich. Typisch sind diese Flug- und Gleitszenen für Filme, die in einer legendenhaften Vergangenheit spielen, in den Produktionen, die in der Gegenwart ihr Setting haben, hält man sich auch im HK-Kino etwas mehr an die Naturphysik.
Versuchen manche Filme diese Kräfte noch zu erklären (“Meister des Schwertes”/”Chinese Ghost Story” - und eben auch “Matrix”), so schert sich “Hero” überhaupt nicht darum, das asiatische Publikum ist sowieso mit diesen Eigenschaften vertraut.

“Hero” ist eine chinesische Produktion, die die besten Eigenschaften der chinesischen Filmindustrie (Regisseur Yimou “Rote Laterne”) und des ehemaligen britischen Hongkongs vereinigt. Die technische Versiertheit, die dem chinesischen Kino möglich ist und dessen innere Ruhe wird kombiniert mit der Mythologie und der Action des HK-Kinos, das auch ein Großteil der Stars des Films stellt (Jet Li, Maggie Cheung, Tony Leung). Mit dabei ist u.a. auch Veteran Ching Siu-Tung (“Meister des Schwertes”, “Chinese Ghost Story”) als Regisseur einiger Actionszenen.

“Hero” wurde oft mit “Tiger & Dragon” von Ang Lee verglichen. Asiatisches Kampfkino mit philosophischem Anspruch, gedreht in Asien aber mit oder von nun in der USA lebenden Leuten, mit einigem Budget und dazu noch ein Kassenerfolg - das sind sicherlich Punkte, die übereinstimmen. Für viele sind diese Produktionen exotisch und weil sie etwas westlichen Traditionen oder Standards angeglichen sind, auch konsumtauglich, aber sonst hinkt der Vergleich.

 

“Hero” geht technisch ähnliche Wege wie “Tiger & Dragon” - gutes Filmmaterial, opulente Ausstattung und schöne Farben. Diese Produktionen legen auch formal einen höheren Standard an, was ihnen auch durch das größere Budget gelingt.
Formal absolut überzeugend, mit symbolischer und klarer Farbdramaturgie und gutem Production-Design, weiß der Film und mit ihm die Vision von Regisseur Zhang Yimou zu beeindrucken.

Mit viel Blick auf die Emotionen der Charaktere ergeben sich immer neue Wendungen, die dramatisch inszeniert sind.
Hier zeigen sich auch einige Schwachpunkte gegen Ende des Films. Die pathetisch-kitschige Schlußmoritat wirkt leider etwas zu konstruiert und zu moralisch-heldenhaft, als daß er mit Rest der Films konform geht. Der Legende nach stirbt der Attentäter bei dem Anschlag, nur ob so heldenhaft-aufopfernd wie hier nötig gewesen wäre?
Der Legende zu entsprechen und eine “Rashomon”-Geschichte zu erzählen geht leider nicht ganz konform.

Auch die Konfrontation des Liebespaars unter den Attentätern - Zerbrochenes Schwert und Fliegender Schnee - ist zu gedehnt. Mit der Auflösung und dem Überleben des Königs ist eigentlich alles gesagt, die politisch korrekte Botschaft und Moral ist okay und kann nach belieben ausgelegt werden - als Kritik oder Lob der chinesischen Regierung.
Die Darstellung des späteren ersten Kaisers Qin als besonnenen Herrscher mag zwar nicht historisch korrekt sein, aber sicherlich kein Schwachpunkt des Filmes, sondern für ihn notwendig. Doch die letzen zehn Minuten nehmen dem Film leider etwas Kraft, da sie nur ein reines Nachspiel bilden.

“Hero” ist ein sehenswerter Streifen für alle, die ein gewisses Faible für asiatische Filme oder Schwertkampf haben und die sich an Fantasy-Elementen nicht stören.

Info:
Der teuerste chinesische Film ”Der Kaiser und sein Attentäter” erzählt ebenfalls die Legende um den ersten Kaiser und den Attentäter, inhaltlich anders - und sehr zäh trotz einigen guten Szenen.

 

 

Fazit

Bildgewaltige, poetische Action.

 

 

 

 

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