HELLBOY

© Photos by
Columbia Tristar/Sony

Hellboy (Hellboy)
USA 2004

R/B: Guillermo del Toro; LV: Mike Magnola; K: Guillermo Navaroo
D: Ron Perlman (Hellboy), John Hurt (Trevor Bruttenholm), Selma Blair (Liz Sherman), Rupert Evans (John Myers), Karel Roden (Grigori Rasputin), Jeffrey Tambor (Tom Manning), Doug Jones (Abe Sapiens), Ladislav Beran (Karl Ruprecht Kroenen)
122 Minuten Farbe

Wieder einmal geht es um nichts geringeres als die Zukunft der Erde, die große Apocalypse, vor der es zu bewahren gilt. Der Retter ist ein Superheld aus einem DC-Comic: “Hellboy”.
Der rote Riese war das Ergebnis eines fehlgeschlagenen Experiments von Nazitruppen 1944 und deren Versuch okkulte Mächte unter der Leitung von Grigori Rasputin zu beschwören. So wurde aus dem Höllendämon ein Kämpfer für das Recht. Hellboy steht nun wieder dem zurückgekehrten Rasputin und seinen finsteren Plänen im Wege, die sieben alten Götter zu erwecken und die Erde zu beherrschen - oder vielmehr - er ist ein Teil davon.


Noch zitternd von meinem “Van Helsing”-Kinoerlebnis hatte ich das Vertrauen in die Menschheit, speziell in Comicverfilmungen, verloren. “Bitte laß es nicht so grausam werden”, waren meine einizgen Wünsche. Ich wurde erhört.

Natürlich beginnt auch “Hellboy” wie gewohnt - mit einem großen Knall, doch Regisseur del Toro (Blade 2) hat die Fäden besser in der Hand als viele Kollegen - und vor allem liegt ihm eine gewisse Dunkelheit, eine kleine Finsternis in der Erzählweise, die seine Filme nicht so oberflächlich-comichaft machen.

Das rote Monster ist glücklicherweise auch kein Saubermann und, ungewöhnlich für einen Höllendämon, ist in Liz Sherman verliebt, die allerdings auch kein normaler Mensch ist, denn sie kann Flammen erzeugen, ist also ein kleiner Feuerteufel - passt somit nicht schlecht.
Doch Liz ist zwecks Selbstheilung in der Anstalt und Red (wie sie ihn nennt) sieht mißgünstig auf seinen menschlichen Nebenbuhler und unterstützenden FBI-Agenten John Myers herab.
Daß del Toro solch kleine Substorys integriert gibt dem Film das was vielen fehlt, mehr Menschlichkeit, besser entwickelte Figuren (für das Genre) und eine Handlung abseits der ich-jage-den-Bösen-Story.
Schön ist auch, daß sich der Film nicht so ganz ernst nimmt und außer markanten One-Linern Humor beweist.

Außer Red und Liz gibt´s eine Anzahl weiterer übernatürlicher Kreaturen. Der Fischmann Abe, der wie Hellboy für die Regierung arbeitet; und auf der Schurkenseite Rasputin, wiedergeboren und mit Kräften ausgestattet, der Nazi-Scherge Kroenen, ein Mensch, der sich irgendwie in eine Maschine verwandelt hat, den Vorboten der Götter, Samael - und diese selbst.

Lovecraft-Fans wird hierbei das Herz höher schlagen, denn Samael und speziell die Götter sind tentagelbewehrte, vieläugige Monstren, die Cthullu-Lesern oder -Spielern bekannt vorkommen dürften und eine gewisse Inspiration von dieser Seite nicht verleugnen können.

Ein wiederkehrendes Topoi im Film ist die Wiedergeburt, denn alle werden sie wiedergeboren; Rasputin, Samael - oder sind eben fast unzerstörbar wie Hellboy und Kroenen. Glücklicherweise sind die Gegner allesammt zueinander entsprechend und so tritt der Effekt nicht ein, den “The Crow” während seiner ersten Hälfte hatte, wo ein Unverwundbarer einfach alle Gegner niedermetzelt und deswegen wenig Spannung in die Action kam.

Del Toro läßt Monster gegen Monster kämpfen und räumt damit solche Schwachstellen aus dem Weg. Seine Action ist routiniert, aber da Hellboy etwas schwerfällig ist und lieber mit seiner Riesenwumme schießt, sind die Szenen nicht übermäßig schnell und haben auch ansonst keine ausgefallene Choreographie (außer wenn der Sai-schwingende Kroenen auftritt (wobei diese Kombination eng betrachtet natürlich etwas wild ist)). Doch das stört überhaupt nicht, denn wie bemerkt, passt es zum Charakter von Hellboy.

Wenn man den Film mit del Toros “Blade 2” vergleicht, auch einer Comic-Verfilmung (diesmal von Marvel), dann fallen viele Gemeinsamkeiten auf. Braun-gelbe Töne dominieren wieder einmal die Stadt und auch sonst gibt es große Bauten, Türen, Festungsmauern und viel schwarz. Das Dekor ist schön und gewohnt stylish, auch die Masken (von Rick Baker) stimmen. Effektmäßig ist trotz des nicht ´übermäßig hohen Budgets´ von 60 Millionen Dollar bis auf kleine Patzer alles sehr sauber und die großen Götter wirken richtig gut, wenn sie in der Finsternis auf die Erde zuschweben.

John Hurt ist als Prof. Bruttenholm die Vaterfigur, ähnlich wie Prof. Xavier in “X-Men”. Hurt selbst ist kaum zu erkennen, da man diese Art von Rolle gar nicht von ihm kennt - erwartungsgemäß meistert er sie spielend.
Ron Perlman hingegen erkennt man gewohnt wieder einmal unter seiner Maske (nicht); seit Anbeginn seiner Karriere (“Beauty and the Beast”-TV-Serie”) ist er ja auf diese Art Rollen spezialisiert. Dass er stundenlanges Schminken erträgt und den Mißgestalteten glaubhaft mimen kann, hat er zig Male gezeigt.
Rupert Evans spielt die normale Identifikationsfigur und macht dies ordentlich, glücklicherweise hat man ihm mehr mitgegeben als nur in der Ecke zu stehen und er hat sogar die Möglichkeit, trotz Nebencharakter in einer Comic-Action, seine Figur etwas auszuloten.

Klar darf man von dem Film keine komplexe Storyline erwarten oder wirklich tiefe Charaktere, aber wer das Genre mag bekommt eine unterhaltsame Verfilmung, die ihr Tempo hält und dem Zuschauer genügend bietet, um zwei Stunden bei der Stange zu bleiben.

Mag der Inhalt, d.h. der Plan Rasputins letztendlich ziemlich weit hergeholt sein, so wird das einem durch den klugen Aufbau des Scripts, durch den Wechsel von schnellen und langsamen, großen und kleinen Szenen, nicht bewusst und kann somit ungestört weiter schauen.

Unlogik darf natürlich nicht fehlen, gibt es auch wieder in Massen - del Toro weigert sich dabei alles zu erklären, was natürlich die beste Methode ist - totzdem bleibt´s unlogisch:

- Rasputins Gehilfin altert seit 1944 kein Jahr und keine Falte
- Kroenen besteht aus Sand und hat ein Uhrwerk, um sich aufzuziehen
- obwohl Hellboy angelockt werden soll, da sie ihn als Schlüssel brauchen, werden Todesfallen und Angriffe auf ihn losgelassen - wenn er stirbt wäre der ganze Plan umsonst gewesen!
- Schuppdiwupp - John zieht am Ende seine Hand aus der ihn fesselnden Kette - hmmm ... irgendwie unlogisch ...

 

 

Fazit

Solide Komikadaption und besserer Vertreter der Gattung.

 

 

 

 

 

 

© 2002-2011 brand-X films - Wir übernehmen keine Haftung für Links und deren Inhalt
Alle Beiträge unterliegen den geltenden Urheberrechtsbestimmungen und sind Eigentum der brand-X films®