EPISODE II

Episode II

Die klassische Star Wars Triologie entstand zwischen 1976 und 1983 und hat längst Kultstatus erreicht. Aber sie erweist sich auch als schweres Erbe, das George Lucas mit sich trägt, als er 2001 die zeitlich davor liegende Triologie mit “Episode I: Die dunkle Bedrohung”, einleitete.

Erzählt wird der Verfall der alten Republik, der Abfall Anakins von der guten Seite der Macht, die Vernichtung der Jedis und der Aufstieg des Imperiums unter der Führung von Senator Palpatine.

Obi-Wan und sein Schüler Anakin werden zur Bewachung von Senatorin Padmé, auf die Attentate verübt werden, abgestellt. Während sich Padmé und Anakin näher kommen, versucht Obi-Wan die Drahtzieher der Verschwörung zu enttarnen und findet dabei die Produktionsstätte einer Klonarmee und den finstren Count Dooku, der sich von der Republik abspalten will und mit Hilfe der Handelsförderation eine riesige Droidenarmee aufbaut.

“Episode II” hat eine wirklich dünne Plotline und eine große und kontinuierliche Spannungskurve gibt es leider auch nicht. Die Bodyguard-Storyline entpuppt sich schnell als dröge und purer Aufhänger, da hier nur wenig passiert; und Obi-Wands Nachforschungen dümpeln ebenso vor sich hin.
Desweiteren fehlt ein entscheidendes Merkmal - der Erzbösewicht (der von Anfang an die Story voran treibt).

Die erste Triologie erfüllte dies mit Darth Vader bravourös und selbst “Episode I” hatte mit Darth Maul einen guten, aber leider zu kurz gekommenen, mächtigen Gegner. In “Episode II” hingegen herrscht Leere.
Jango Fett ist kein charismatischer Ersatz und hat viel zu wenig Macht, um diese Rolle einzunehmen. Auch Count Dooku kann dies, trotz Endkampf mit Yoda, nicht erfüllen. Dafür ist er viel zu spät und unsauber eingeführt.
Übehaupt entwickelt sich die ganze Handlung auf Geonosis nicht wirklich kausal aus dem vorhergehenden, sondern wird schlicht präsentiert, ebenso der finale Endkampf, der einfach erfolgt, ohne vorbereitet zu werden.

Seltsam sind auch die deduktivischen Fähigkeiten von Obi-Wan. Viel zu zufällig, viel zu einfach, gerät er an das große Geheimnis der Klonarmee. Die Charaktere sind somit beliebig, denn jeder hätte dies auch erreicht. Zu offensichtlich soll hier rein die Action (im Sinne von Handlung) weiter voran getrieben werden.

Hayden Christensen, der Darsteller von Anakin ist leider auch eine klare Fehlbesetzung in dieser entscheidenden Rolle. Er wirkt zu schnöselhaft, arrogant und unsympathisch und kaum eine Emotion kommt wirklich glaubhaft von der Leindwand. Ewan McGregor hatte den rebellischen Obi-Wan in “Episode I” viel glaubwürdiger und getreuer gespielt. Zudem fehlt ihm die Aura, die einen verstehen läßt, warum sich Padmé in ihn verliebt.
Extrem schwierig an seiner Geschichte ist die ausladende erfolglose Rettung seiner Mutter auf Tatooine. Der arme Junge hat Alpträume, will sie retten und kommt zu spät. Aus Rache killt er alle Entführer. Leider blendet Lucas vorher ab. Da diese Szene eigentlich Anakins Abfall markieren soll, hätte es dem Film gut getan, diese Wut und Kraft auch zu zeigen, anstelle im Kopf der Zuschauer das Bild eines überheblichen aber schlaffen Anakins zu konstruieren.

Doch bei den restlichen Darstellern sieht es kaum besser aus. Mit verantwortlich sind dabei sicher die Produktionsmethode des Films. Den Großteil des Films standen sie grünen oder blauen Wänden und sprachen ins Leere zu imaginären Aliens.
Ewan McGregor sieht man deutlich an, wie ihm diese fast unmenschlichen Drehbedingungen zu schaffen

gemacht haben. Lust- und Motivationslosigkeit allerorts ist das Resultat. Vielleicht erleichtert diese Methode die Perfektionierung der Spezialeffekte, einem Film tut sie aber eindeutig nicht gut.

Genau dies bringt uns zum generellen Look des Streifens. Da fast alles vor künstlichem Hintergrund spielt und selbst nur die notwendigsten Bauten und Requisiten live getätigt wurden, wirkt der Film enorm künstlich, geradezu wie eine riesige Seifenblase. Trotz aller technischen Perfektion atmet der Film in jedem Bild nur Computerluft. Die Welt, die Lucas erschafft ist nicht mehr märchenhaft, sondern blutleer.
Szenen wie aus der ersten Triologie (Hoth, Jabbas Palast, Jawas) erwartet man vergebens - die neue Technik kann selbst optisch nicht brillieren - es fehlt ihr der natürliche Charme. Immens Schuld daran ist die Tatsache, daß es bis auf Tatooine und Naboo keine Außenaufnahmen in einer realen Welt gibt.
“Episode I” mit seiner größeren Anzahl von ´on location´ Aufnahmen konnte davon erheblich profitieren, denn so wurde die Gefahr einer sterilen Künstlichkeit umgangen.

Action war ein Element auf das man sich trotzdem immer bei Star Wars Filmen verlassen konnte. Doch leider ist auch hier Fehlanzeige. Nach einer ganzen Stunde erleben wir erst die zweite Actionszene. Der Film selbst bringt es auf wenig mehr - und die Ausführung ist wenig ansprechend.
Die Verfolgungsjagd, wie auch alle anderen Szenen sind ohne viel Rafinesse gefilmt. Man bekommt eine Routinenummer vorgesetzt, die auch in jedem anderen Film so zu sehen wäre, die auch jeder andere Regisseur ebenso hätte drehen können. Auch beinhalten sie gleich zwei unrealistische Ereignisse, die den Film zu Beginn schwächen. Obi-Wan springt aus dem Fenster eines ca.200-stöckigen Gebäudes, um einen kleinen Flugdroiden zu fangen, Anakin fängt ihn später mit einem Luftauto auf und Anakin springt nachher plötzlich aus dem Auto in 5km Tiefe, fliegt, fliegt und landet dann auf dem Fahrzeug des feindlichen Kopfgeldjägers !!!!! (der einen anderen Weg wie sie eingeschlagen hatte!).

Speziell die Endschlacht ist sehr seltsam geworden. Wurde sonst der Zuschauer darauf vorbereitet und fanden bisweilen verschiedene Schlachten gleichzeitig statt (im Weltraum, auf einem Stern und ein Lichtschwertduell), geht es nun sehr unvermittelt. Zudem steht erkennbar nichts mehr auf dem Spiel, als das Leben der Helden (wohingegen sonst Welten bedroht sind).
Auf Geonosis werden die Helden gefangen und man findet sie plötzlich in einer Arena wieder. Anscheinend sollen sie hingerichtet werden. Bang! Die Jedimeister stehen plötzlich da und helfen ihnen gegen die Droiden und Genosianer. Bang ! Yoda und die Klonkrieger stehen plötzlich da und helfen den anderen gegen die Übermacht. Rums - alle Gegner sind tot, die Spannung ebenso. Deus Ex Machina heißt hier das Prinzip, das man schon ins Reich der Opern aus der Jahrhundertwende (aber 1900 wohlgemerkt!) verbannt glaubte.
Der spontane Kuss, den Padmé Anakin auf die Backe gibt, als sie auf dem Monster sitzen, ist zudem die erste wirkliche Emotion im ganzen Film (da sie unerwartet und unscheinbar daherkommt) und macht deutlich, was man bislang vermisst hatte.

Am Ende kämpfen wieder zwei gegen einen. Doch ihr Gegner, Dooku, wurde nie wirklich eingeführt oder seine Macht verdeutlicht. Der Kampf mit ihm bleibt somit blutleer. Nun greift noch Yoda ein und zieht das Schwert. Schön gemacht, es prickelt im Bauch, aber als der Kampf beginnt und Yoda wie ein aufgezogenes Springmäuschen hin und her hüpft, ist man sich nicht ganz schlüssig. Das ist putzig und herzig, die Sympathien sind auf seiner Seite (trotz totaler CG Animation), aber irgendwie kann dies nicht ganz ernst gemeint sein. Ein Lächeln läßt sich nicht verkneifen.

Das Ende des Film bringt nicht viel Neues. Fans wissen schon seit “Episode I”, daß Palpatine der Böse ist, warum Lucas hier also nicht mehr tut, als einen Auftritt als Darth Sidious am Ende, sozusagen als Häppchen einzustreuen, ist mehr als fraglich, da gerade dies die Hauptstory wäre. Wir wissen auch wie es weiter geht. Count Dooku hat die Pläne für den Todesstern gebracht, Palpatine benutzt den selbsterzeugten Aufruhr, um mit Hilfe der Klonarmee die Macht an sich zu reißen und das Imperium zu gründen.

Man kann nur hoffen, daß Lucas wieder mehr Wert auf ein ordentliches Drehbuch legt, ein Script das klarer, deutlich, spannender und vor allem nicht so plötzlich daherkommt wie in “Episode I” und ”Episode II”, wo der Zuschauer in den Film geworfen wird und jedweder Zusammenhang fehlt.

Trotzdem gibt es gute Nachrichten. Die DVD besteht aus interessanten Features, vor allem den Web-Dokumentationen. Es gibt einige (unspektakuläre) gekürzte Szenen zu sehen, von denen Lucas ein paar im Film hätte lassen sollen, da sie das Ganze menschlicher machen. Außerdem eine lustige Doku über R2D2, interessantes Material zu den Soundeffekten und eine Vorher-Nachher Collage der CG-Szenen.

INFO:
Die schräg nach hinten rollenden Anfangstitel der Star Wars Filme stammen aus dem 30er Serial “Buck Rogers”, ebenso der Sprung aus dem Fenster samt Sturz in die Tiefe der Stadt.
Die Ordenszeremonie aus “Krieg der Sterne” ist dem Nürnberger Parteitag nachgestellt, wie ihn Leni Riefenstahl in “Triumph des Willens” glorifiziert hat.

 

 

Fazit

Enttäuschender Vorgänger. Wirr, wahllos und verkitscht. Dazu künstlich und leblos inszeniert.

 

 

 

 

 

 

 

 

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