DREDD

Dredd (Dredd)
UK/SA 2012


Regie: Pete Travis; Drehbuch: Alex Garland; Kamera: Anthony Dot Mantle
Darsteller: Karl Urban (Dredd), Olivia Thirlby (Cassandra Anderson), Lena headey (Ma-Ma), Wood harris (Kay)
Länge: 95 Minuten, Farbe


 

© Photos by Universum Film

Der Comic “Judge Dredd“ wurde schon 1995 mit Sylvester Stallone in der Titelrolle verfilmt, damals durchaus aufwändig und mit Staraufgebot auch in den weiteren Rollen. Das war ein durchaus unterhaltsamer Film mit sehenswerten Effekten (der „handgemachte“ Riesenroboter, die Klone), tollem Set-Design und genug Selbstironie und Drive, um heute noch zu funktionieren.

Die Sci-Fi-Remake-Welle (Total Recall, Robocop) ist zudem noch voll in Gange und bisher eine komplette Enttäuschung - ein schwerer Stand also für die neue Comicadaption “Dredd“.

Die Zukunft ist Ödland – bis auf einige wenige riesige, abgeschottete Stadtkomplexe. Die Ordnung wird gerade so durch die “Judges“ aufrecht erhalten, die nicht nur schwer bewaffnet sind, sondern auch das Urteil meist gleich vollstrecken. Judge Dredd und die Azubi-Mutantin Cassandra nehmen bei der Untersuchung eines Falles einen Verdächtigen fest, woraufhin die Gang um Drogenbaronin “Ma-Ma“ den gesamten Gebäudekomplex hermetisch (quasi mit Rollläden) abschottet. Wer auch immer die zwei Polizisten auf verlorenen Posten tötet, wird belohnt und Ma-Ma wartet im obersten Stockwerk auf die Beute.

WAAAAAAS? Das ist die Story von “Dredd“??? Stirb langsam ohne Überraschungen und mit vollem Waffenarsenal? Na danke, lieber Drehbuchautor, was für eine Meisterleistung!!
Nein, also sowas von einfallslos, es ist unglaublich. Nach “Die Hard“ habe ich die Story in zig Variationen erlebt bis hin zu Horrorszenarien wie in “REC“. Der Film verdient also keine Sporen, was die Story angeht. Leider auch nicht in den Dialogen, denn obwohl die Dredd-typischen One-Liner präsentiert werden, sind diese hier halt nicht witzig oder cool, wie bei Stallone, sondern einfach nur platt. Mehr Selbstironie hätte da nicht geschadet. Der Rest ist nicht erwähnenswert, so ist das grosse Geheimnis hinter dem Angriff auf die beiden Judges, dass in dem Haus das Drogenlabor der allseits bekannten Drogenbaronin ist. Deduktivischer Blödsinn also, zumindest nach meinen Maßstäben.

Logiklöcher gibt´s ebenfalls zu Hauf, was per se oft verschmerzbar ist, aber der wichtigste Plotpunkt, die Versiegelung des Hauses, ist in der Filmlogik schon kaum tragbar – und hat mich in diesem Moment aus dem Werk gehauen. Da sind 2 Judges in dem Komplex, weil zuvor 3 Menschen vom Hochhaus herunter geworfen worden sind. Diese führen Ermittlungen durch, geraten in ein Feuergefecht, töten einige, verhaften jemanden und melden dies alles in der Zentrale. Und dann, auf dem Rückweg, rufen die Verbrecher in der Leitstelle der Judges an und sagen, es würde jetzt eine Routine-Verdeidigungsübung im komplex gemacht, woraufhin dieser vom Kontrollnetz genommen wird. Nach 3 Morden und einem tödlichen Feuergefecht!! Und im Verlauf der weiteren Handlung kommt dann auch niemand der Zentrale per se mal auf die Idee, nach den ausbleibenden Judges zu forschen, geschweige denn, als diese später Verstärkung anfordern, dies ernst zu nehmen nach dem ganzen Aufruhr… nein, das ist wirklich kompletter Blödsinn, der hier verzapft wird und er zerstört den Film unnötig.

Optisch ist das in grau-dunkler urbaner Hochhausbetonoptik gehalten, was durchaus OK ist, aber sowohl Optik wie auch Story gab es vor kurzem genau so schon in dem phillipinischen Action-Geheimtipp “The Raid“. Kleiner Auszug aus der Story? Der Drogenbaron der Stadt ist in einem Gebäudekomplex, eine kleine Polizeieinheit findet sich dort eingesperrt wieder. Die Bewohner  werden aufgerufen diese zu töten und der Boss wartet im obersten Stockwerk.

“The Raid“ sieht dabei optisch (bis auf die Knalleffekte) genauso aus. Urbane Stadtbaracke also und kommt aber um Meilen besser weg, weil man hier vor allem eines bietet – Action satt und zwar Martial Arts, mit und ohne Waffen, knallhart inszeniert, schnell, heftig, kompromisslos. Das fehlt leider dem Judge. Feuergefechte mal hier, CGI-Blut dort, ansonst gibt es aber keine herausragende Action-Choreographie.

Zuletzt wollte man zumindest aber optisch noch auftrumpfen. Hintergrund ist eine neue Droge, genannt “Slo-Mo“, die die Zeit für den Konsumenten verlangsamt. Wow. Genau das, was man also braucht, wenn man als potentieller Junkie total fertig in der Ecke liegt, oder? – nein, nichts aufpushendes, euphorisierendes oder so, sondern etwas, damit man noch länger spürt, wie schlecht es einem geht…
Und genau um diese Idee baut man nun den Slo-Mo Effekt der Kamera, der ultralangsam ist. Leider reichte dies den Machern nicht, sondern alle Zeitlupenbilder bestehen quasi aus verschiedenen Ebenen, d.h. Vordergrundaction, Hintergrund, evtl. Partikeleffekte usw. – und so wird aus einer eigentlich durchaus tollen Zeitlupe ein extrem künstlich Bild gebaut, dass dadurch nicht mehr real und aufgrund der extremen Zeitlupe schön wirkt, sondern einfach nur wie aus einem Computerspiel entsprungen, komplett irreal erscheint – und damit für den Zuschauer eben nicht mehr die Zeit-Lupe ist, sondern ein zig mal gesehenes Bild Computerbild.
Hier könnte man wirklich die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, wurden doch bei dem Dreh die Szenen tatsächlich mit den neuen Phantom-Kameras in ultra-Slo-Mo gedreht! Zu spüren ist leider kaum noch was davon.

So bleibt ein Film übrig, der typisch ist für die derzeitige Remake-Welle, nämlich dass die Vorbilder, bei allen Fehlern und Schwachstellen, immer noch zig mal besser sind, als die maue Einheitskost, die man heute serviert bekommt..

 

Fazit

Ein Remake - für die Katz´

 

 

 

 

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