CONSTANTINE

Constantine (Constantine)
USA 2005


Regie: Francis Lawrence;
Buch: Kevin Brodbin, Frank Cappello;
Kamera: Philippe Rousselot;
Production Director: Naomi Shoan
Darsteller: Keanu Reeves (John Constantine), Rachel Weisz (Angela Dodson/Isabel Dodson), Tilda Swinton (Gabriel), Shia LaBeouf (Chas), Djimon Hounsou (Midnite) Gavin Rossdale (Balthasar), Max Baker (Beeman), Pruitt Taylor Vince (Pater Hennessey), Peter Stormare (Luzifer)
Länge: 121 Minuten, Farbe

 

© Photos by
Warner Brothers

John Constantine und sein Team jagen und exorzieren Dämonen. Irgend etwas braut sich zusammen, so stellen sie fest, denn die Kreaturen zieht es in unsere Welt. Als er dann in den Selbstmord eines Mädchen verwickelt wird, die kurz zuvor seinen Namen genannt hat, hilft er deren Zwillingsschwester, der Polizistin Angela Dodson, bei dem Fall. Es hängt nun alles von ihm ab, denn ein großer Plan bedroht erneut die Erde.

Comic-Verfilmungen sind derzeit schwer in Mode. Kein Monat ohne neuen Start. Das ist auch nicht unbedingt verwunderlich, denn man hat nicht nur einen (hier eher geringen) Teil der Fans schon im Kino sitzen, sondern bekommt auch ein halbes Storyboard durch die Vorlage geliefert. Das ist deswegen entscheidend, weil die Produzenten gleich sehen können, in welche Richtung der Film geht.

Die Vorlage “Hellblazer” aus dem Hause DC ist hierzulande eher unbekannt und gehört auch an sich nicht zu den absoluten Top-Sellern.
Was den Plot anbelangt schenkt sich auch “Constantine” wenig zu den anderen Vertretern des Genre. Die Welt zu retten ist so öde wie nötig und ein ewiges Thema, wobei man das Gefühl hat, immer nur eine Notlösung zu Gesicht zu bekommen. Meist sind die Variationen des Grundplots auch nicht besonders neuartig - hier sind es die Schaaren des Teufels, die die Erde bedrohen, bei der Konkurrenz sind es alte Götter (Hellboy) oder Vampirsprößlinge (Van Helsing).

Doch “Constantine” reitet nicht auf seinem Thema herum. Der im Kern dünne Plot wird überlagert durch den Selbstmord der Zwillingsschwester und Constantines Dämonenbegegnungen. Er, wie auch seine Partnerin, haben eine verschwommene Vergangenheit und die Welt selbst scheint anders zu sein, als für gewöhnliche Sterbliche wahrnehmbar. Es werden Fragen aufgebaut, die der Film erst im Laufe der Zeit oder noch nicht auflöst (Fortsetzungswarnung!). Damit bleibt nicht nur die Grundspannung gewahrt, sondern der simple Plot wird zudem nicht überstrapaziert.

Insgesamt überrascht der Film auf ganzer Linie. Sind Comic-Verfilmungen und gerade heutige amerikanische Mainstreamstreifen meist überstilisierte und kunterbunte, mit F/X- und Kameramätzchen aufgemotzte Action-Waschlappen, gibt sich “Constantine” sehr rau und realistisch.
Keine roten Zimmer, die aussehen als ob dort erst mal 12 Innenarchitekten vorbei geschaut haben, keine stürzenden Kamerafahrten mit schräger Optik, keine Techno-Hard-Rock-Tracks im Sekundenrhythmus.
So gesehen, ist das was man vor sich hat ein einziger Kontrapunkt zum derzeitigen US-Kino. Die Wohnung von Angela könnte die des Nachbarn sein: weiße Wände (!!!), ein ganz normales altes Sofa, ansonst nicht überladen. Rachel Weisz sieht auch aus wie eine ganz normale Frau, etwas Lippenstift, niemand ist hier zugeschminkt worden und die typischen menschlichen Hautunreinheiten (Muttermale etc.) zeigen erst, daß wir hier keine Comic-Figur oder einen Hollywood-Schauspieler vor uns haben, sondern einen Menschen.
Philippe Rousselots Kameraarbeit ist angenehm zurückhaltend und schafft eine realistische Stimmung in einem Fantasyfilm. Schon in “Interview mit einem Vampir” hat er gezeigt, daß technischem Schnickschnack nicht sein Hauptaugenmerk gilt und auch hier beweist er wieder, was eigentlich wichtig ist - den Zuschauer nicht aus dem Film zu reißen und ihn damit ablenken, daß man ihm jede Minute deutlich macht, hey toll, super Kameraarbeit!

Es findet glücklicherweise ebensowenig eine musikalische Dauerberieselung statt, noch werden gerade aktuelle Titel verwendet. Der Score ist unaufdringlich und unterstützt die Handlung und es gibt, oh Wunder, wirklich Szenen, in denen nur Dialog und die Darsteller zu hören sind.

Alle die genannten Elemente tragen dazu bei, den Film erheblich realistischer zu gestalten und das Thema und die Figuren näher zu bringen. Das ist deswegen so ungewöhnlich, weil die gängige Hollywoodpraxis eigentlich andere Regeln hat und Regisseur Francis Lawrence zuvor Musikvideos gedreht hat - viele seiner Kollegen verfallen dann in das bekannte Extrem und produzieren nur bunte, gestylte Bilder.

Keanu Reeves bringt als dauerrauchende Titelfigur endlich wieder eine vernünftige Leistung, wie gewohnt als Heldenretter, die die “Matrix 2+3”-Lachnummern vergessen machen. Karel Weisz (Die Mumie 1+2) macht ihre Rolle als Zwillingspaar sehr gut und auch die Nebenrollen sind durchgängig stark besetzt. Tilda Swinton hat schon als “Orlando” gezeigt, daß sie eine Männerrolle spielen kann und so ist ihr Gabriel vielleicht eine kleine Reminiszenz an die Romanverfilmung. Eine Überraschung ist auch Gavin Rossdale, der Sänger der Gruppe “Bush”, dem man seine musikalische Herkunft nicht anmerkt und der sich nicht wie viele Kollegen/Innen durch seine Rolle dilletiert. Rossdale spielt den Dämon Balthasar überzeugend mondän, ebenso unbestritten ist natürlich Peter Stormare, dessen Teufel so auf der Leinwand noch nie da gewesen ist. Mutig von Regie und Darsteller.

Enttäuscht werden dürften bei dem Film Actionpuristen. Dämonen ist nur selten mit Feuerwaffen beizukommen und so gibt es zwei kurze Actionmomente und erst beim Finale räumt Constantine mit seiner coolen Knarre in bester “Blade 1”-Manier für kurze Zeit auf.

Die gebotenen Effekte sind allesamt von guter Qualität und der Film leidet nicht unter ihnen, da sie spärlicher gesät sind, als in dem Genre üblich.
Nicht so geglückt sind allerdings die Ausflüge in die Hölle, die aufgrund der reinen Green-Screen-Technik sehr gekünstelt aussehen. Um bei dem Thema zu bleiben: Hölle, Selbstmord und die damit zusammenhängende mittelalterliche Glaubensauffasung sind das einzig wirklich Störende des Films - man kann darüber hinwegsehen doch die reaktionäre, ultra-konservative und komplett überlebte Vorstellung solcher Dinge sind, gerade als Handlungselement, eine äusserst fragwürdige Aussage.
Etwas anderes stört dann doch noch - das ständige Rauchen von Constantine, obwohl das auch das Katharsis-Element des Films ist - oder doch eher eine Parodie auf manche Bestrebung in der USA?

“Constantine” ist angenehm überraschend, wenn man bedenkt, daß man einen Hollywood-Streifen vor sich hat, angenehm realistisch in der Zeichnung der Welt und Figuren, wenn man bedenkt, daß man einen Fantasy-Film vor sich hat und angenehm anders, wenn man die Variationen betrachtet, die Lawrence bietet.

 

Fazit

Angenehm radauarme Variation eines abgenutzten Plots.

 

 

 

Ähnliche Filme:

Hellboy

Krieg der Dämonen

Wächter des Tages

 

 

 

 

 

 

 

 

© 2002-2011 brand-X films - Wir übernehmen keine Haftung für Links und deren Inhalt
Alle Beiträge unterliegen den geltenden Urheberrechtsbestimmungen und sind Eigentum der brand-X films®