BLADE 3

Blade Trinity (Blade: Trinity)
USA 2004

Regie/Buch: David S. Goyer;
Kamera: Gabriel Beristain
Darsteller: Wesley Snipes (Blade), Kris Kristofferson (Abraham Whistler), Dominic Purcell (Drake), Jessica Biel (Agigail Whistler), Ryan Reynolds (Hannibal King), Parker Posey (Danica Talos)
Länge: 112 Minuten, Farbe

 

 

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New Line Cinema

Nachdem in den ersten beiden Teilen der Comicverfilmung allerlei vampirische Schurken versucht haben, die großtmöglichste Macht zu erlangen, geht es im dritten Teil von “Blade” um - tja, was eigentlich? Danica Talos, ihres Zeichen zickige Büroschnecke und Vampirchefin, erweckt den finsteren Oberfürsten und Stammherren der Rasse, Dracula höchstpersönlich, aus seinem selbst auferlegten Schlaf. Denn nur durch ihn, mit seiner unverfälschten DNA kann sie UAHAHA ... keine Ahnung, was, aber das was sie könnte muß ganz schon fies sein, denn Blade und die Gruppe der Teenage-Vampire-Killers called Nightstalkers sind auf ihren Fersen.

Blade-typisch kracht es gleich am Anfang und trotz viel Getöse merkt man sofort: hier ist jemand anderes am Werk.
David Goyer, Drehbuchautor dieses und der ersten beiden Teile, stieg zum ersten Mal selbst auf den Regiestuhl und macht das, was er auch mit dem Drehbuch macht: er recycelt die Vorgängern - leider nur das Schlechte daran.

Blade wird gesucht, diesmal von allen. Das FBI jagt ihn, die Vampire ebenso - und er jagt die Vampire. Irgendwie war das auch schon der Plot, denn die nicht enden wollenden Versuche den jeweils anderen auszuschalten werden nur durch kleinere Passagen unterbrochen.
Gab es zuvor wenigstens den Ansatz einer Geschichte und irgendwo die lauernde Bedrohung durch Blutgötter, finstere Pläne und der Existenz der Menschheit, so fragt man sich hier vergebens, warum hier eigentlich gejagt wird.

Dracula oder Drake, wie er jetzt obercool genannt wird, ist als Vin Diesel Verschnitt keine gute Wahl als Verkörperung des altehrwürdigen Vampirfürsten.
Mit seinem tiefen und Kettchen bewappneten Ausschnitt und beingroßen Oberarmen tapst er schwerfällig durch den Film und weiß selbst nicht ganz genau, was er eigentlich tun soll - seine ´Kinder´, die ihn gerufen haben anscheinend auch nicht und so bleibt der Plot mysteriös im Dunkel der Nacht verborgen, wo sich derweil auch jegliches Maß an Spannung verkrochen hat.
Diese Andeutungen einer Handlung kosten den Film viel - da sind mir die ausgelutschten aber deutlichen Pläne der Vorgänger lieber.

Drake ist ebenso nie ein gefährlicher Gegner, seine Präsentation bleibt episodenhaft, seine Kräfte werden nie gezeigt - reine Dialogphrasen betonen seine Kraft, aber Taten sind im Film bekanntlich mehr als Worte.

Und als Tat bekommt man leider nur eine schlimme CGI-Monsterversion von ihm zu sehen - glücklicherweise geschieht das nur in raren Momenten - das lachende Publikum dankt.

Die neue Truppe um Hannibal und Abigail passt zum Ton des Films und zu seinen Schurken, nur leider nicht zu Blade.
Alle sind echt super-cool drauf. Abigail hört bei der Jagd MP3-Songs (voll krass, wenn man um sein Leben kämpfen muß) und Hannibal hat für jedes neue Gimmick im Arsenal der Jäger einen schönen Namen aus dem Handbuch der Werbetexter für Vampirbekämpfung parat.

Zum Glück hat aber auf der anderen Seite Danica anscheinend die Führung der Vampire übernommen. Mit wirklich schlechtem Trash-Outfit spielt sie in Highest-High-Heels die Möchtergern-Business-Braut und zickt und ärgert sich, daß alle so blöd zu ihr sind, vor allem Blade. Der Nervfaktor ist hier schon ziemlich hoch, aber Goyer hat mit Hannibal einen ebenbürtigen Gegenspieler kreiert, der spielend vom erst kämperischen Anführer zum One-Liner für den Hau-Drauf-Humor zwischendrin und zuletzt zum tölpenhaften Sidekick mutiert.

Zu Danicas schlaffen Möchtegern-Yuppies, die so cool daneben stehen können, gesellt sich ihr Leibwächter, der wohl an den immer wieder kehrenden Vampir aus dem ersten Teil erinnern soll, dem Blade jedesmal übel zusetzt.

Dieser Wächter hat auch noch ein kleines süßes Hündchen, einen Spitz mit struppigem Fell, der zudem ein mutierter Vampirhund ist. Die Reaperanimation aus Teil zwei wird hier wieder eingesetzt und die Glaubwürdigkeit der Geschichte ist endgültig dahin.

Macht aber wirklich nichts, denn schon im ersten Drittel erfahren die Jäger, wer hinter allem steckt und verbringen dann den Mittelteil damit, herauszufinden, wer dahinter steckt. Klingt komisch?
Ist es - dafür aber garniert mit Actionszenen.

Die Action war es auch, die die vorherigen Teile ausgezeichnet hat. Goyer versucht zu imitieren, tappt aber in die berühmte und seit einigen Jahren immer stärker werdende Hektik-und-viele-Schnitte-Falle.
Wenn gekämpft wird, dann fliegen Fäuste und Dinge gehen zu Bruch, Schnitt, Hektik, Schnitt, Nahaufnahme, Fäuste, Schnitt, Schlag. Ein totaler Bildersalat.
Irgendwann hat man es dann geschafft und der Richtige hat gewonnen - mit Spannung und Action hat das natürlich herzlich wenig zu tun.

Blutmäßig nimmt sich Teil 3 sehr zurück. Die fast nur vampirischen Gegner zerbröseln zwar in aufgemotzten CGI-Sequenzen, aber die harten Momente bleiben aus. Der hektische Schnitt und die wirre Kamera schwächt dies zusätzlich ab. Wo man nichts sieht, da gibt es nichts zu sehen.

Als Kontrapunkt setzt Goyer Zeitlupen ein. Vielleicht erinnert sich jemand an die maue Teenie-Klamotte “Nicht noch ein Teen-Film”. Die beste Szene war, als eines der College-Mädchen den langen Flur in Zeitlupe entlang lief, der Wind bläßt entgegen, die Jungs blicken ihr nach, die Kamera fuhr mit ihr zurück und am Ende kommen ihre Freundinnen und sagen (so etwa): “Hey, das war deine erste Zeitlupe, jetzt gehörst du dazu!”.
Bei “Blade 3” hat jeder mindestens drei persönliche Zeitlupen. Zusammen, alleine, in Formation, mit Wind, mit Mantel. Das ist billig, das ist langweilig, das ist unnötig - das ist mehr als Trash!

Blade selbst spielt dabei eine untergeordnete Rolle, bleibt bei starrem Minenspiel und Dialogen im Analphabeten-Status.

“Trinity” ist Kommerzkino auf unterstem Niveau. Das hat niemand gebraucht, die Serie erst recht nicht - der Titel sagt schon alles, was hier an Innovationen geboten wird (“Matrix”).

“Blade 3” überrascht nur mit der fehlenden Love-Story und mit ein paar guten Ansätzen wie der Blutfarm und dem als Vampir getarnten Cop. Leider sind dies nur Randerscheinungen.

Was den Film über Wasser hält, ist die durchgehend solide Kameraarbeit von Beristain, der auch schon den zweiten Teil photographierte. Braun-grüne Töne herrschen wieder vor, nur mindert das laue Production-Design mit seinen teilweise sogar schon trashig anmutenden Kulissen den Bildeindruck.

Wem das Thema liegt, der verzeiht einiges bei solchen Filmen, aber “Blade Trinity” gehört zu denen, die man dennoch nicht weiter empfehlen kann. Zu wenig wird geboten an Spannung, zu schlecht ist die Action, zu unoriginell das Handlungsgerüst. Dazu kommt das unpassende Abdriften in Pseudo-Coolness und witzischen Humor.
Man erwartet nun auch von dem dritten Vampiraufguss wahrlich nichts neues, aber selbst kleinere Produktionen wie “Underworld” konnten dem Thema noch eine Note abgewinnen.

 

Fazit

Enttäuschender Abgang des Vampirjägers - dazu blutleer.

 

 

 

 

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