28 DAYS LATER

28 Tage später
(28 Days Later)
GB 2002


Regie: Danny Boyle;
Buch: Alex Garland;
Kamera: Anthony Dod Mantle
Darsteller: Cillian Murphy (Jim), Naomie Harris (Selena), Brendan Gleeson (Frank), Megan Burns (Hannah)
Länge: 112 Minuten, Farbe

© Photos by
Fox Searchlight

Tierschützer befreien Affen, die mit Viren infiziert wurden. Das unbekannte Kleinstlebewesen befällt alle, die vom Träger gebissen werden oder mit dessen Blut in Kontakt kommen. Innerhalb von 28 Tagen ist fast ganz Großbritannien dem Virus verfallen. Nur eine kleine Gruppe von Menschen, Jim, Selina, Frank und dessen Tochter Hannah sind noch in London am Leben und den Nachstellungen der zombiegleichen Infizierten ausgesetzt.
Zusammen brechen sie nach Manchester auf, da sich dort zufolge einer Radionachricht,die letzten Überlebenden sammeln und den Virus heilen können.
Doch diese entpuppen sich lediglich als eine Handvoll Soldaten, die sich in einem Schloss verschanzt haben - und die aus verschiedenen Gründen sehr froh um den Neuzugang sind.

“28 Tage später” von “Trainspotting”-Regisseur Danny Boyle, ist gespickt mit Reminiszenzen an George Romeros Filme “Night / Day und Dawn of The Living Dead”.
Einer kleine Gruppe von Leuten steht eine unsichtbare Übermacht gegenüber; Häuser werden belagert, die Gefahr selbst einer von denen zu werden ist existent und es gibt für alles nur eine Lösung - gnadenlose Gewalt. Nackter Überlebenskampf wird hier geschildert, nicht sinnloses Gemetzel. Kampf, Blut und Actioneinlagen sind stark dosiert; man merkt, dass es den Machern nicht um Metzelorgien, Blutrausch und Splatterphantasien geht.

Ein Mann wacht auf. Er ist allein. Die Welt um ihn - verlassen. Alles ist still, vieles zerstört, verwahrlost. Jim ist irritiert von dem London, in dem er sich nach einem Unfallkoma befindet.
Auf der Suche nach Antworten, Überlebenden und Nahrung, betritt er eine Kirche. Wie schon im Klassiker “Die Nacht der lebenden Toten” ist es wieder ein Gottesort (dort war es der Friedhof), an dem das Grauen für die Helden beginnt, denn der Priester entpuppt sich nicht als Helfer, sondern als Infizierter, der sich sabbernd und tierisch grunzend auf ihn stürzt.

Die Infizierten werden von Boyle zwar meist als Schockeffekt, und oft in Verbindung mit klirrenden Scheiben eingesetzt, aber nicht explizit vorgeführt, sondern sind unkenntlich oder schattenhaft. Der nervende Shuttereinsatz bei diesen Szenen macht die Kreaturen unwirklich und schnell, aber gleichzeitig führt er auch zu einem heillosen Durcheinander an Bildern und Anflügen von Kopfweh.

Ähnlich wie in den Vorbildern, wird auch die Seuche nicht weiter erläutert, weder in ihren Auswirkungen, noch an sich - so lassen sich langwierige, langweilige und meistens unglaubhafte Erklärungen umgehen und man konzentriert sich auf das Wesentliche - zudem gewinnt man einen Schuss Geheimnis dazu. Viel Erläuterung bedarf es heute auch gar nicht - durch SARS ist die Problematik real geworden und die Angst für jeden greifbar.

Der Film teilt sich in zwei Hälften - die erste spielt im zerstörten London, wo die Hauptfiguren den Nachstellungen der Infizierten ausgesetzt sind, die zweite auf dem Schloss, wo die Zombies erst gegen Ende wieder eine Rolle spielen, da sich die Konflikte auf die Überlebenden verschieben. Das ist auch einer der interessantesten Aspekte der Geschichte. Die Wendungen hier sind unerwartet, gerade für das Genre, und die Grundkonstellationen glaubhaft.

Viel zu dieser Glaubhaftigkeit trägt auch der Filmstil bei. Die Wahl, auf Mini-DV zu drehen (Canon DM-XL1), verstärkt den Realismus-Charakter an dieser Stelle.
Photographiert hat ihn der in dieser Technik erfahrende Kameramann Anthony Dot Mantle, der weiland schon “Das Fest” auf Video drehte (siehe DV-Spielfilme).

Im Kino hinterließen die mit einem Optikadapter erzeugten Bilder einen sehr unscharfen Eindruck,der Kopierprozeß auf Film kann damit zu tun haben, ebenso wie die geringere Datenmenge bei mini-DV und natürlich einfach die Übergroße Leinwand eines Kinos, die alle kleinen Schwächen deutlich sichtbarer macht als wenn man im Fernsehsessel sitzt.
Auf DVD sieht der Look schnörkellos aus und damit auch viel hochwertiger als auf der großen Leinwand.

Trotzdem zeigt uns Danny Boyle in vielen Szenen, worauf es eigentlich ankommt.
Nicht auf das Material, nicht auf das technisch-formelle, sondern auf die Inszenierung von Geschichten und Spannung.
Hier gelingen, trotz Längen, einige gute Momente, die er mit bewundernswert wenigen Mitteln erreicht.
Schatten, Schritte, Dunkelheit, konfliktgeladene Situationen. Einfach, aber gerade; darin liegt die Kunst.

Bleiben die Logikfragen.
Die Seuche und deren Ursprung müssen nicht notwendigerweise hinreichend erklärt werden - trotzdem fragt man sich immer wieder, was denn alles dazu gehört. Wie ernähren sich die Infizierten (die man zwar Menschen angreifen und infizieren sieht, aber ob sie diese als Nahrung brauchen wird nicht deutlich) und wie kann man sie töten
Anscheinend sind sie genauso zu töten wie ein nicht-Infizierter und hier ist es eben verwunderlich, warum niemand auf die Idee kommt, sich wirklich zu bewaffnen. Die wenigen Überlebenden beschränken sich auf Molotov-Cocktails, Schutzmasken und Baseballschläger. Wer würde in so einem Fall nicht einfach ein Waffengeschäft oder die nächste Kaserne plündern und sich eindecken? Macht aber keiner und das ist eine grosse Frage, die man sich im Verlauf des Films immer wieder stellt - damit verliert man die Aufmerksamkeit und Boyle für ein paar Minuten den Zuschauer.
Aber es gibt dafür einen Drehbuch-Grund - Manchester. Deswegen darf niemand Waffen dabei haben, noch sich so verteidigen können, dass man dort gar nicht mehr hin muß. Schade, dass dieses Dilemma nicht anders gelöst wurde.

Kein Problem habe ich hingegen mit der Unlogik, dass Jim einsam und unversehrt im Hospital erwacht. Denn die Logik sagt einem, dass er, wenn nicht infiziert, dann doch verzehrt worden wäre, was einem wieder auf die Frage der Ernährung bringt (muß ja wohl Menschenfleisch sein, da sie immer wieder die Überlebenden angreifen und sich nicht gegenseitig zerfleischen).
Jim ist ja wirklich (fast) der einzige in den Straßen, in der Stadt, bestimmt aber  im Krankenhaus. Das er hier überlebt hat und alle anderen sind einfach gänzlich unauffindbar? Diese Schwäche wird man aufgrund des Aufbaus des Films akzeptieren und sie erst im Nachhinein bemerken. Der Anfang ist stimmig gemacht und somit legt man diesen Gedanken leicht beiseite. Unstimmig - ja; aber auch akzeptal.

“28 Tage später” hat sehr sehenswerte Momente und ist dicht inszeniert. Unterstützt wird der Eindruck durch die passende düster-melancholische Musik, die mit den Bildern eine sehr schöne Symbiose eingeht.
Trotzdem kann man ihn wegen der ungewohnten Optik und ein paar Längen in der ersten Hälfte, nicht uneingeschränkt einem Mainstream-Publikum empfehlen. Es ist sicherlich ein Film, bei dem sich die Meinungen teilen werden. Nicht jeder, der heute ins Kino geht, erwartet eine Produktion, die eher nach dunklem Independent aussieht. Für alle, die es trotzdem wagen: die zweite Hälfte ist die bessere und kurzweiligere (obwohl mal wieder ein altes Thema aufgegriffen wird).

Die Extras der DVD sind leider meist Werbedokus und bieten nur wenig Information. Gerade bei so einem ´Independent´-Film hätte man mehr erwartet.

 

 

Fazit

Zombies und Endzeit im Videostil und sogar mit etwas Tiefgang.
 Independent-Kino für experimentierfreudige Horrorfans.

 

 

 

 

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