Herkules

Herkules (Ercole)
I 1983

Regie & Buch: Luigi Cozzi; Produktion: Yoram Globus, Menahem Golan; Kamera: Alberto Spignoli; Musik: Pino Donaggio; Schnitt: James Beshears, Sergio Montanari
Darsteller: Lou Ferrigno (Herkules), Sybil Danning (Ariadne), Brad Harris (König Augias), William Berger (König Minos)
Länge: 99 Minuten, Farbe

Der stärkste Mann der Erde. Ja – Herkules. Sohn des Zeus, Halbgott, Bezwinger der Hydra, Sieger über den Höllenhund Cerberus, ein Monument also, der einen Film sondergleichen verdient.

Das haben sich sicher auch die Macher des Streifens gedacht, denn “Herkules“ IST ein Film sondergleichen. Ich glaube es handelt sich hier um den bescheuertsten und knallchargeigsten Film, den es gibt. Sie glauben, ich mach hier Witze? Sie glauben, sie haben alles gesehen? Dann haben sie dieses Wunderwerk noch nicht betrachtet.
Warum? Weil es hier einfach Dinge zu bestaunen gibt, die jeder Beschreibung spotten.

Herkules, der im Film so genannte klügste und stärkste Mann der Welt, spricht zumeist auf Grundschülerniveau und sieht auch meist so aus. Dazu blickt er selbst bei den einfachsten Plänen seiner Gegner nicht durch. Glücklicherweise hat er aber dazu noch haarsträubende Ideen.
Kostprobe gefällig?

Er muss als Prüfung die Ställe des Königs säubern. Hunderte von Pferden sollen darin sein (naja, vielleicht passen da zwanzig rein) – und wie macht er das? Indem er zur nahen Schlucht geht. In der Schlucht (tiefer als der Grand Canyon) fliesst ein Strom. Und was macht Mr. Blitzbirne? Er nimmt zwei der nebenbei liegenden Styropor-Steine und schmeisst die in den Fluss. Klar, dass sich von den zwei Steinchen das Wasser im nu geschätzte 120 Meter hoch staut. Wer nie gewusst hatte, warum es zu Überflutungen kam – hier die Antwort!

Und genau diese Flut tritt dann über die Schlucht (nochmal: 2 Steinbrocken von einer gesamten Größe von vielleicht 5 Metern stauen das Wasser eines breiten Flusses über 100 Meter hoch!!!!), nur um dann pflichtschuldigst durch die Ställe zu spülen und alles mit Meister-Propper-Glanz zu hinterlassen.
Ja, so war das damals im antiken Griechenland.

Doch nicht genug, denn Herkules hat einen finsteren Gegenspieler – König Minos.
Der sitzt gewohnheitsmässig auf dem Mond herum und beschwört seinen Freund, den Technikfanatiker Daedalus.
Mit grünem Superheldenkostüm erscheint dann der Erfinder – allerdings ist er hier eine Frau – und beide entwickeln hirnrissige Ideen zur Vernichtung von Herkules. Wie z.B. eine Riesenmücke aus Metall – oder einen dreiköpfigen Metalldrachen, der so beweglich ist wie eine Blauwal an Land – oder oder oder…

Herrlich.
Und die Kostüme, die Dekoration, die Bauten!
Unbeschreiblich. Wirklich.
Das sieht aus wie Science-Fiction meets Sandalenfilm meets Roboter-der-Sterne.

Mann, was hab ich mit dem Film meinen Spass gehabt. Wo kriegt man das alles geboten: Männer in Bärenfellen, Lichtorgelspiele als “Trickeffekte“, einen weiblichen Daedalus im Robin Hood-Kostüm und ein Finale – zum Erbrechen schön!

Gegen Ende ist Herkules am kristallenen Streitwagen des Prometheus angelangt (häh?). Er hat alles was er zum Siegen braucht, er muss nur noch wieder zurück zum finsteren Herrscher.
Wie vieles in diesem Film spielt auch diese Szene wieder mal vor einen Sternenhintergrund und man weiss nicht so recht, wo Herkules gerade sein soll, ist egal, denn er muss SOFORT weg!!!!
Tja, wie macht man das nur, denn der Streitwagen hat ja keine Pferde, geschweige denn fliegende Exemplare davon.
Klar! Herkulische Logik! Man knüpft ein Seil an den Wagen und diesen an einen Felsbrocken.  Dann schwenkt man den Felsen über seinem Kopf in der Luft (á la Hammerwerfer) und wirft ihn in die unendlichen Weiten des Weltalls, wobei man natürlich im direkt selben Moment in den Wagen einsteigt. Logischerweise zischt das Vehikel, so zum Antrieb gebracht, durch die Galaxis und direkt ins irdische Ziel ein paar tausend Kilometer weiter weg.

Und da soll man einen klaren Verstand behalten?
Nein, unmöglich. Und deswegen ist diese Filmperle auch eine wahrhaftige Perle – allerdings eine Trashperle. Dafür eine erster Güte!