Goodbye Lenin

Goodbye Lenin (Goodbye Lenin)
BRD 2003

Regie: Wolfgang Becker; Buch: Bernd Lichtenberg, Wolfgang Becker; Kamera: Martin Kukula; Musik: Yann Tiersen; Schnitt: Peter R. Adam
Darsteller: Daniel Brühl (Alex), Katrin Saß (Mutter), Chulpan Khamatova (Lara), Maria Simon (Ariane), Florian Lukas (Denis), Alexander Beyer (Rainer)
Länge: 121 Minuten

DDR 1989. Alex regimetreue Mutter fällt ins Koma, als sie ihren Sohn auf einer Demo in Polizeigewahrsam sieht. 8 Monate später wacht sie wieder auf, doch alles hat sich verändert. Die Mauer gibt es nicht mehr, Coca-Cola zieht nebenan ein und Spreewaldgurken sind ausgegangen. Jeder Schock könnte die bettlägerige Wiedererwachte töten und somit bauen Alex, seine Schwester, sein Wessi-Kumpel Denis und alle anderen Bekannten wieder die heile DDR-Welt auf, der sie gerade entflohen glaubten. Mit Hilfe fingierter Fernsehnachrichten werden Ereignisse vertuscht und die DDR zum Land des Glücks und der Freude, in die tausende Wessis strömen, Honecker zurücktritt und am Schluß sich sogar die Grenzen für die Westdeutschen öffnet. Mit dieser sanften Angleichung an die Realität im Herzen, stirbt dann auch seine Mutter und mit ihr diese schöne neue Privat-DDR.

Was wie eine Neuauflage des Louis de Funes Films “Onkel Paul, die große Pflaume/Louis taut auf” klingt, entpuppt sich als schwermütige Tragikomödie, die extrem langatmig und in einer eher gedämpften Stimmung von der Mutter-Sohn Beziehung und der deutsch-deutschen Einheit erzählt. Da ich selbst die Handlung des Films nicht kannte, versuchte ich die ersten vierzig Minuten eine ebensolche auszumachen, aber ausser einer episodenhaften Vorgeschichte und vielen Schicksalsschlägen der Mutter, konnte ich nichts entdecken.
Die erste Szene eröffnet schon mit einem Schicksalsschlag und später geht es weiter. Mich, als unbedarften Kinogänger, interessierte aber die Mutter nicht, deren Figur anfangs gerade durch die Episodenstruktur wenig an Tiefe und Identifikation gewinnt. Erst später erkannte ich, daß sie die eigentliche Story bildete – und dazu noch eine altbekannte.
Die besten Elemente der Tarnungsgeschichte stellen ohne Zweifel die gefakten DDR-Nachrichten von Alex und seinem Freund Denis dar, die herrlich verquer wirken. Leider wird aber auch dieser Plott bis ins endlose getrieben und jede quasi-Aufdeckung durch einen neuen Trick vereitelt, obwohl man Alex zurufen möchte “Sag´s ihr endlich!”, da sich die Sache bald erschöpft hat. Diese Langatmigkeit findet am Ende im Tod der Mutter eine Erklärung, denn, so will es der Autor, sie soll im Glauben an die gute DDR sterben, und damit darf es keine Aufdeckung geben. Das ist sicher logisch zu Ende gedacht, sollte aber weniger schleppend konstruiert werden.

Filmisch ist das Ganze sicher dem Thema entsprechend umgesetzt worden – schicke 80er DDR-Dekos, Requisiten und Klamotten aus der Zeit – Filmmaterial mit eher grau-realen Tönen; doch dann brechen immer wieder modernste Zeitraffereffekte in den Film ein. Nicht nur bei Slapstickszenen, bei denen dies noch gerechtfertigt wäre, sondern auch bei den typisch neumodischen Anwendungsgebieten, wie Autofahrten, Türe öffnen usw.. Der Bruch der filmischen Struktur tut dabei im Herzen weh, denn warum gibt man sich Mühe mit einer Rekonstruktion, wenn man diese durch Erzählmittel zum Nachteil wieder zerstört ? Solche Effekte sind nichts als plumper Trend und sie wurden ohne Sinn verwendet. Leider geht dem Film dadurch auch ein Stück Glaubwürdigkeit verloren.

Daniel Brühl und Katrin Saß hingegen haben alle schon erhaltenen oder kommenden Auszeichnungen sicher verdient, denn sie spielen glaubhaft, menschlich und ohne Theatralik. Gerade Brühl meistert die Doppelstruktur seiner Rolle (es muß immer ein klitzekleiner Funken Lüge bei ihm zu spüren sein, wenn er mit seiner Mutter spricht) immer sehr gut und bleibt dabei sympathisch.