Shin Godzilla

Shin Godzilla (Shin Godjira)
JAP 2016
Regie/Buch: Hideaki Anno
Länge:
118 Minuten

Es flimmert über die Leinwand. Das Toho-Logo der originalen “Godzilla“-Serie. Ja, so muss es sein, genau das kennt man aus der Jugend, genau das hat man nie im Kino gesehen – bis jetzt. Und gefackelt wird auch nicht lange. Rumms. Am Hafen Tokios ist irgendeine riesige Wasserexplosion. Panik bricht aus, Flutwellen bewegen sich auf die Stadt zu und ein riesiges Wesen entsteigt dem Meer und beginnt seinen Zerstörungszug durch die Stadt. Es sieht aus wie eine glubschäugige Fischechsen-Handpuppe , die leicht debil in die Gegen schaut.

Panik bricht aus, die Regierung beruft eine Konferenz ein befragt die Ministerien, verabschiedet Pläne, Pseudodokumentarische Einblendungen betiteln wirklich jeden Ort und jeden sichtbaren Protagonisten. So lernt man nicht nur das gesamte Kabinett kennen, sondern kommt auch aus dem Lesen in den ersten zehn Minuten nicht mehr hinaus. Zu anfangs ist das eventuell noch unfreiwillig komisch, danach erkennt man langsam, dass der trockene japanische Humor durchschlägt und vor allem die Zeichnung der Regierung eine Parodie der steifen Umgangsformen, Hierarchien und Obrigkeitshörigkeit darstellt. Dabei ist der Witz eben subtiler als bei den alten Godzilla-Filmen und die grundsätzlich ernsthafte Linie wird nicht verlassen, sondern eher konterkariert.


Wenn man bis jetzt noch hoffte, dass es auf ein Monsterduell hinaus läuft, wird man aber bald des besseren belehrt, denn die Kreatur verwandelt sich in einer ersten Metamorphose in eine Gestalt, die man jetzt sofort wiedererkennt. Godzilla. Noch nicht final, aber ganz klar in den echten, den alten, den japanischen Godzilla, nicht in eine aufgehübschte, umdesignte US-Variante.
Godzilla verwüstet weiter, die Regierung beruft Ausschüsse und Anhörungen bis zur Reaktionslosigkeit und es gibt keine Familiengeschichte, die sich in dem Monster-Chaos mit einschleicht. Regierung-Godzilla-Armee-Krisenmanagement – das ist es. Und die Ideen, die Parodie, der Vernichtungszug tragen durchaus lange genug. Godzilla macht verschiedene weitere Metamorphosen durch, bis er so aussieht, wie es sich gehört und riesengross durch die Stadt stapft, Strahlen abfeuert und die Armee in Schach hält. Natürlich versucht man fieberhaft ein Gegenmittel zu finden gegen den langsamen Koloss, der sich komplett verausgabt und einfriert, um Energie zu tanken.
Da steht er nun. Riesig, so wie früher, auch in den Bewegungen starr und nicht so übertrieben agil, die typischen Hautwucherungen, die starren Augen, stoisch wie eine Zerstörungsmaschine. Ja, so macht das Spaß. Allerdings auch nur bis hierher, denn irgendwann ist das Regierungs-hin-und-her ausgelutscht, noch eine Überlegung, wie der Gigant wissenschaftlich funktioniert und somit zu besiegen wäre angedacht und jede Diskussion schon gehört. Aber man treibt das Spiel weiter und so ist der Stillstand des Riesen auch der Stillstand des Filmes. Im letzten Drittel ist das hohe Tempo wie festgefroren, wartet man einfach darauf, dass wieder irgend etwas neues passiert, kann auch die neuste abstruse Theorie mit pseudowissenschaftlichem Geblubbere nicht begeistern. Hier übertreibt man es eindeutig und “Shin Godzilla“ hält zu lange die Luft an. 15 Minuten dürfte man schon die Schere anlegen, könnten Krisenmanagement kürzer ausfallen, denn der eigentliche Showdown ist zwar in seinem over-the-top-Geballere durchaus lustig (Unmengen von Zügen krachen in das Monster hinein), aber eben auch kein echter Kampf, sondern nur das Abarbeiten des entwickelten Planes. Hier hätte noch etwas mehr finaler Kampf hinein gedürft, noch mehr beidseitige Action, mehr Finale.

Der 25. Godzilla-Film ist definitiv ein echter Neustart (was ja das japanische “shin“ schon andeutet), der aber genug für Traditionalisten bietet. Zwar tappst hier leider niemand mehr im Kostüm durch die Gegend, aber die Computerumsetzung ist moderat und durch die Starrheit sehr gelungen und der Serie treu geblieben. Das hohe Tempo zu anfangs, die Eigenparodie bringen zudem viel mit ein, allein 15 Minuten weniger an sinnlosem Blabla würde das Ganze abrunden und dem Film viel mehr gerecht werden. Eventuell erbarmt sich ja jemand und spendiert uns einen flotteren Actioncut. Ansonst – Hut ab, es hat Spaß gemacht, den Giganten endlich mal richtig wieder auf der Leinwand zu erleben.