Ghostbusters: Answer The Call

Ghostbusters (Ghostbusters: Answer The Call)
USA 2016
Regie: Paul Feig; Buch: Paul Feig, Katie Dippold
Länge:
116 Minuten

Lange habe ich es vor mir hergeschoben – das Remake, sorry, den Reboot von “Ghostbusters“, der 2016 über die Leinwände flimmerte. Angst vor den Geistern hatte ich dabei weniger (super Insider-Gag im Stil der dort zu erwartenden Witzigkeiten), eher vor dem, was man der zeitlosen Gruselkomödie antun würde.

Lustige Geisterfilme haben´s echt nicht leicht. “Dark Shadows“ glänzte durch Belanglosigkeit, “Die Geistervilla“ durch ebendies und dennoch gibt´s ein paar bessere Kandidaten wie “Beetlejuice“, “Gremlins 2“ oder “Die Addams Family“. Doch über allem triumphiert tatsächlich die ´84er-Komödie “Ghostbusters“, die die richtige Mischung aus ernst und witzig, aus Familienunterhaltung und dennoch erwachsenen Film fand. Man hat sich hier selbst ernst genommen, die Geschichte nicht für dumme Gags verraten und dennoch gute wo anders eingebaut. Außerdem war man tricktechnisch auf der Höhe der Zeit und schuf grossartige Kreaturen inklusive perfekt funktionierendem Bösewicht.
Dreht man dies nun alles negativ um, dann hat man genau das, was einem bei der 2016er-Fassung erwartet.

Der Einfallsreichtum fängt dabei schon beim Aufbau an, denn im Prinzip kopiert man den Ablauf des Originalfilms und selbst weniger phantasiebegabte Zuschauer können an einer Hand abzählen, welche Szene als nächstes passieren wird. Zu anfangs gibt es eine merkwürdige Geistererscheinung, zu der die Wissenschaftlerinnen gerufen werden, nicht in der Bibliothek, sondern in ein Spukhaus. Dann geht die erste Begegnung gleichmal schief, man wird der Uni verwiesen, rauft sich zusammen und mietet sich wo ein, macht den ersten großen Auftrag (wieder im Hotel, aber diesmal beim Rockkonzert mit Zuschauern) und hakt so alle Punkte nacheinander bis zum Finale ab. Der Aufbau ist also schonmal “lahm hoch drei“.

Leider wurde dann aber auch noch schlecht und ohne die Intuition für das richtige kopiert. So sind die vier Geisterjägerinnen allesamt schrullige Vollgeeks, die permanent durcheinander plappern oder doofes Zeug machen. Im ersten Teil hat man mit Winston und Spengler mindestens zwei “straight guys“, die eher im Hintergrund agierten, Einsätze gaben, einfach das Basislevel bildeten und das Ding voran brachten. Vier Nervensägen braucht hingegen niemand und so sind die Plapperduelle nicht nur komplett vorhersehbar (gleich wird´s passieren!!), sondern auch wenig Wortwitzreich und basieren eher auf “ich fall Dir ins Wort“ und “lass uns die Stimmung versauen durch lustiges Wortesuchen“.
Es gibt zu Beginn einzelne Szenen, bei denen sich sogar so etwas wie Athmosphäre aufbaut, das muss man dem Film schon zugestehen – und die erste Geistererscheinung ist auch nicht die schlechteste, aber leider müssen dann wieder dumme Gespräche eingebaut werden, die alles entstandene killen – und das obwohl kein Gag zu schlecht ist, um ihn zu bringen und niemand der Autoren wohl wirklich je vorher lustige Dialoge geschrieben hat (weil es ja keine gibt, die nicht in die Hose gehen).

 

Wo sich der erste Teil selbst ernst nahm und eine wirkliche Geschichte mit Antagonisten, Entwicklung und Kulmination erzählt, so will der Reboot vor allem lieber einen unnötigen Oneliner raushauen. Doch damit versaut er sich selbst einfach jede Spannung, jeden Aufbau, jede Ernsthaftigkeit. Die Geistergeschichte bleibt somit nicht mal mehr Staffage und die gemeinsamen Gespräche und Kabbeleien werden wichtiger als jede andere Entwicklung.
Doch der Hintergrund wäre deswegen so wichtig, weil der Bösewicht des Films nicht nur der schlechteste ever-ever-ever ist, sondern dessen “Plan“ wohl nicht mal er, bzw. der Drehbuchautor begreift. Ich habe gelinde gesagt überhaupt keine Ahnung, warum ein komplett blasser Hotelpage (!!!!) die Figur für den großen Antagonisten bildet oder was dieser vorhat. Anscheinend hat man das irgendwann selbst gemerkt, denn selbiger verschwindet noch vor dem Finale, nur um dann von Kevin, dem Sekretär der Geisterjägerinnen, besitzt zu ergreifen, da dessen Darsteller (Chris “Thor“ Hemsworth) einfach anscheinend eine bessere Figur macht (mag man sich wohl gedacht haben).
Diese fundamentalen Punkte des kompletten Disrespekts des Publikums sind es einfach, die den Film zu der Schlaftablette machen, die er ist. Da er sich selbst nie auch nur im geringsten ernst nimmt, macht dies der Zuschauer ebenfalls nicht und am Ende ist man in einem Finale, bei dem gefühlt nicht wirklich was auf dem Spiel steht, denn die total “lockere“ Attitüde, die man über den Film und das Ensemble legt, ist definitiv einfach dem Ganzen wenig zuträglich. Leider fährt man hier auch den Karren dann so richtig an die Wand, wenn riesige Geisterballons (ja, Ballons!!) angreifen (soll das wirklich die Apokalypse sein??) oder am Ende anscheinend Caspers Onkel den Stay-Puft-Ersatz gibt (schön als alter Sockengeist) und man den Teenies bestimmt nicht bekannten “Poltergeist“-Schnurrettungstrick anwendet.

1984 hatte man visionäre apokalyptische Szenen im Film, tolle Geistererscheinungen und Kreaturen, New Yorks alte Hochhäuser als Teil der Handlung, einen stringenten Aufbau, einen echten Bösewicht und sogar einen mysteriösen Plot mit kulminierender Entwicklung und alles schien auf das Ende zuzulaufen. Dieser Passus fehlt einfach komplett und ruiniert den Film unglaublich, da er sich auch schließlich trotz des Aufwands einfach nichts selbst zutraut, kein Eigenleben entwickelt und von der Filmsprache ebenfalls nichts selbst mitbringt, außer ganze Segmente zu kopieren.

Visionäre Szenen, neue Effekte, verrückte Wendungen, schröckliche Kreaturen? Gibt es nicht.
Glaubhafte Motivation der Charaktere, mehrdimensionale Figuren, lustige Gags? Das wäre ja noch schöner. Ob das am modernen Hollywood-System liegt, bei dem man vor allem auf Nummer sicher geht und nur noch Teenager als Kunden sieht, kann man schlecht sagen, aber was zählt ist das Resultat – und das sind schwer zu ertragende, sich dahinschleppende 100 Minuten, die außer mauen Cameos der Originalbesetzung und ein paar legendär schlechten Witzen kaum für Unterhaltung sorgen und deswegen auch nicht mal für Trashfans goutierbar sind.
Manchmal braucht die Welt eben weder ein Remake noch ein Reboot (beste Grüße gehen an “Robocop“, “Ring“, “Ben Hur“ und “The Thing“ (um nur einige zu nennen).