Ghost Ship

Ghost Ship (Ghost Ship)
USA 2002

Regie: Steve Beck; Produktion: Joel Silver, Robert Zemeckis; Buch: Mark Hanlon; Kamera: Gale Tattersall; Musik: John Frizzell; Schnitt: Roger Barton
Darsteller: Gabriel Byrne (Sean Murphy), Julianna Margulies (Maureen Epps), Ron Eldard (Dodge), Desmond Harrington (Jack Ferriman), Isaiah Washington (Greer)
Länge: 90 Minuten Farbe

Beringstraße 1962. Das Traumschiff Antonia Graza schippert zu “Love Boat”-Klängen durch die See, als sich plötzlich ein Stahlseil löst und die gesamten feiernden Gäste in zwei Hälften schneidet. Nach diesem typischen, aber effektvollen Bang-Anfang (siehe auch “Episode II”und “Star Trek 10”) heuert der Pilot Jack Ferriman 40 Jahre später die Crew des Bergungspezialisten Sean Murphy an, um ein von ihm entdecktes Schiff zu bergen. Eben diese legendäre Antonia Graza.
Man geht an Bord und fasst den Plan, das Schiff wieder an Land zu ziehen, um das dort befindliche Gold zu bergen. Doch mysteriöse Zeichen häufen sich. Maureen Epps, die einzige Frau im Team, sieht ein geisterhaftes kleines Mädchen an Bord, der Swimmingpool hat Einschusslöcher, Leichen stapeln sich im Waschraum, Türen schließen sich von selbst und ihr eigenes Schiff erxplodiert und die Mannschaft sitzt fest. Von jetzt an geschehen immer mehr seltsame Ereignisse, die die meisten nicht überleben werden.

“Ghost Ship” ist reines Unterhaltungskino. Gemacht für die Zielgruppe von 16 bis 26 Jahren mit ein paar Splattereffekten, Sprüchen, Geheimnissen und vielen Gefahren für Leib und Seele. Wer auf diese Zutaten steht, wird sicher nicht enttäsucht. Alle anderen sehen einen eher mittelprächtigen und oberflächlichen Genrestreifen, dessen Auflösung des Geheimnisses bis zum Ende hinaus gezögert wird. Dennoch schneidet “Ghost Ship” auch viel besser als der hirnlose ´Vorgänger´ “13 Geister” ab, obwohl ein guter Rest B-Movie-Charme bleibt.

Durch das Weglassen allzu ausufernder Crewgespräche und die Verdichtung auf die Handlung im Geisterschiff, wird eine Grundspannung gehalten.
Aber die Auflösung erfüllt die aufgebauten Erwartungen nicht. Zum einen ist sie in sich unlogisch – viele Dinge werden dadurch nicht erklärt – die Digitalarmbanduhr zum Beispiel, auch die Tatsache, warum alle draufgehen müssen, wenn es das Ziel ist, das Schiff wieder flott zu machen und in den nächsten Hafen zu bringen.
Außerdem tritt sie sehr schnell und unvermittelt ein und wird zudem nicht durch die Helden vorangetrieben, sondern das Geistermädchen erzählt von sich aus alles – und zwar wirklich alles.
Maureen hört nur zu und muß selbst keine wirkliche Aufklärungsarbeit (mit bruchstückhafter Lösung) leisten.
Das ist sehr unsauber und wenig originell gelöst und zielt sehr auf die Zielgruppe ab. So konzentriert man sich rein auf die Geisterattacken und die Action.

Die Auflösung selbst, daß der alte Beelzebub wieder mal auf Seelenfang ist, wirkt zudem plump und wenig originell. Der abgelutschte und, wie erwähnt, unlogische Twist wird dabei nur getoppt von der noch abgelutschteren finalen das-Böse-stirbt-nie-Szene. Hier wird man leider wieder enttäuscht, denn genau diese Szene erwartet man und sie wird auch nicht ausgelassen.
Etwas zu zackig geht es auch mit der Anzahl der Leichen gegen Ende zu und man spürt den Willen des Autors, alles zu Ende zu bringen.

Interessant ist hingegen die Zusammensetzung der Crew. Ein Schwarzer, eine Frau, Gabriel Byrne als erfahrener (älterer) Captain, ein Latino, ein blonder Hüne und ein Redneck. Für jeden ist etwas dabei, alle möglichen Zuschauer werden bedient, einzig der Asiate fehlt, um dem amerikanischen Markt gefällig zu entsprechen. Auch interessant ist die Tatsache, daß darauf hingewiesen wird, daß Murphy und Maureen kein Paar sind und daß sie überhaupt mit keinem der vier Männer auf dem Schiff etwas hat. Vier Männer und eine Lady auf einem Boot sechs Monate auf See (wie im Film zu anfangs erwähnt)! Nein, Maureen ist so etwas “wie eine Schwester für Murphy”. Amerikanische Sexualmoral ? Wer weiß, vielleicht auch bloß Zufall.

Positiv fällt dabei auf, daß man nicht versucht hat, die gesamte Mannschaft zu dramatisieren und jedem irgend etwas, wie eine spezielle Eigenschaft, Fähigkeit oder Geschichte mit zu geben. Somit werden die Figuren zwar nicht stärker ausgeleuchtet, dafür bleiben sie realistischer, verquatschen sich nicht in uninteressanten Nebenplots und halten die Handlung straffer.

Wer den “Vorgänger” “13 Geister” gesehen hat, wird genügend Parallelen zwischen den Filmen entdecken (in zwei Hälften-Teilung als Schocker, verschieden charakterisierte Geister, der gute weibliche Geist und eine doofe Lösung). “Ghost Ship” ist zwar nicht so dekorbesessen und hat auch nicht so stark differenzierte Geister, wirkt in allem aber zufrieden stellender und runder, was ja auch bei dem wirren und absolut vernachlässigbaren “13 Geister” keine schwere Aufgabe war.