Ender´s Game

Ender´s Game – Das große Spiel (Ender´s Game)
USA/UK/CAN 2013
Regie/Buch: Gavin Hood
Länge:
114 Minuten

Um den Auserwählten, den nächsten Superstrategen, zu finden, den die Erde unbedingt im Kampf gegen die ameisenhaften Alienart der Formics braucht, sucht die Internationale Flotte vor allem unter Kindern und Jugendlichen, die angeblich eher unorthodox denken bzw. reagieren würden. Ender Wiggin scheint prädestiniert zu sein und so testet man ihm unter verschiedenen Bedingungen, hauptsächlich auch bei einem Lasertag-ähnlichen Spiel, das vielleicht mit Infanterie-Nahkampf zu tun haben kann, eher aber nicht mit Strategie oder echter Taktik. Daneben gibt´s natürlich weitere Psychospielchen, etwas Drill und wieder Lasertag.

So viel zum grandiosen Ausbildungsplan der Militärakademie, der reichlich behämmert erscheint. Aber es ist ja Science-Fiction, insofern kann man da nicht nur alles machen, was sonst total lächerlich wirkt, sondern eben auch dies halbwegs ernst durchziehen. Es folgen schlechte Kopien von Szenen aus “Full Metal Jacket“, die das geneigte Publikum natürlich nicht kennt, womit man keinen Vergleich hat, was auch gut ist, denn auch schon ohne diesen wirken die Szenen leicht überdramatisch und stilisiert – und trotz gewolltem Ansatz so weichgespült, dass bald klar wird, für welches Publikum der teure Science-Fiction-Streifen eigentlich ist. Denn was im Gewand eines normalen Sci-Fi-Films daherkommt (und auch per Plakat so beworben wird), ist eigentlich nur ein reiner Kinderfilm, bei dem diese die Rolle von Erwachsenen übernehmen und die Menschheit retten. Um dies zu erreichen wird per se so viel Logik wie möglich außer Kraft gesetzt, viel weichgespült und sich auch noch gehörig bei “Starship Troopers“ bedient (alles in noch jünger), freilich ohne dessen satirische Komponente zu den faschistoiden Beeinflussungen der Kindersoldaten, die man hier ideologisch zudem verbrämt.

Das erwachsene Publikum wartet hingegen vergebens auf den finalen Twist, der die äußerst simple Geschichte dann aufwerten wird, der mit der Hintertür am Ende kommt und das ganze umdreht, neu interpretiert und für die vorher durchlittenen Belanglosigkeiten entschädigt. Doch als nach circa zwei Dritteln des Films offenbart wird, dass die insektenhaften Formics nicht nur wie Ameisen heissen, sondern sich auch so benehmen und zudem die Ausschaltung der Königin zum Zusammenbruch des Staates führt (was jeder bei den zig Mal gezeigten Aufnahmen der Vernichtung deren erster Invasionsflotte ohnehin schon wissen müsste), dann ahnt man, dass es keinen Twist geben wird, keinen doppelten Boden – und wird damit Recht behalten.

Das angesprochene Erwachsene Publikum ist deswegen so wichtig, weil die Produktionskostend es Films bei circa 110 Millionen Dollar liegen, was bedeutet, dass man selbst in den USA ein recht grosses Publikum anvisieren muss – und das gelingt eben ganz im Gegensatz zu anderen Filmen mit Kindern als Hauptcharakteren (Harry Potter etc.) vor allem deswegen nicht, weil so wenig schlüssig ist, so viele Prämissen dagegen stehen, die viel zu wenig erklärt sind. “Ender´s Game“ ist tatsächlich nicht mehr als man sieht, ist ein Jugendfilm und dafür sicher auch okay, aber eben auch kein echter Blockbuster, kein Erwachsenenfilm, nichts dass einem in Erinnerung bleiben wird, nichts dass die vielen Plotlöcher zu rechtfertigen weiss. Immerhin ist er seriös inszeniert, wobei eben die angesprochenen Kopien und unfreiwillig komischen Momente nicht ausbleiben. Ein Film, der Kinder bis 12 Jahre anspricht (aber hier erst ab 12 freigegeben ist), wenn man dies nicht aufgrund der fehlenden Auseinandersetzung mit dem Sujet der Kindersoldaten wieder in Frage stellt.