Die glorreichen Sieben

Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven)
USA 2016
Regie: Antoine Fuqua; Buch: Nic Pizzollato, Richard Wenk
Darsteller:
Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D´Onofrio
Länge:
133 Minuten

Rose Creek steht unter der Knute des skrupellosen Geschäftsmannes Bogue, der die Stadt mit Hilfe bestochener Sheriffs und Revolverhelden regiert. Abgesehen von dieser Änderungen (es waren ja einst Banditen im Grenzland), die aber in sich nicht sonderlich passend ist, folgt der Ablauf der “Glorreichen Sieben“ dem des 1960er Originals, das ja selbst schon das Remake des japanischen Meisterwerks “Die sieben Samurai“ war. Der Trailer versprach harte Action in modernem Westerngewand, mal sehen was der Film davon halten kann.

Sieben Haudegen sollen die Stadt verteidigen, darunter ein abgehalfteter Scharfschütze, ein chinesischer Messerwerfer, ein Comanche und der schwarze Anführer. Der durcheinander gewürfelte Cast passt in die Political Correctness-Mentalität dieser Zeit, bei denen immer eine bunt gemischte Ethnientruppe antritt (z.B. bei den Power Rangers oder Transformers). Grundsätzlich wäre dagegen ja auch nicht viel einzuwenden, wenn da nicht allein der Kalkül des Zielgruppenwachstums dahinter stecken würde, denn die Charakere bleiben blass, sind nur angerissen, die Diversität nur Mittel zum Zweck eine breitere Zuschauerschar zu erreichen. Das geht auch anders, wie „Die sieben Samurai“ gezeigt hat, wobei es natürlich klar ist, dass man nicht sieben Charakteren gleichwertig viel Aufmerksamkeit schenken kann.

Neben dieser Neuerung verläuft der Rest reichlich altbekannt, weicht selten von der vertrauten Geschichte ab und bietet vor allem kaum die notwendige Finesse in den Dialogen, um die 133 Minuten Laufzeit zu entschuldigen. Spricht jemand, dann ist das zweckmässig, wobei man spürt, dass durchaus mehr angestrebt wurde, aber manchmal ist Schweigen Gold und wenige Worte wirken stärker als ganze Arien. Besonders schwer wiegt vor allem, dass die Regie kaum eine eigene Sprache findet, hier und da Vorbilder kopiert, aber kaum einer Szene echtes Leben, echte Eigenständigkeit einhaucht. Es wird bebildert, aber nicht gestaltet, womit die Westernoptik reine Äußerlichkeit ist und man die gestalterischen Ideen eines Leone oder die Schwermut eines Peckinpah vermissen lässt. Herausstechend ist allenfalls Vincent D´Onofrio, der einen zwielichten Charakter spielt, mit einer Mischung aus Telly Savalas Figur vom „Dreckigen Dutzend“ und Brian Dennehys Physis als Buckshot Roberts in „Young Guns“.

Am Ende verbarrikadiert sich das Städtchen gegen eine große Horde Pistoleros, wobei die „Schlachtpläne“ und das Verhalten der Angreifer teilweise reichlich seltsam sind, auch das Auftauchen der Gatling Gun am Ende als Geheimwaffe Bogues erweist sich weder als schlüssig noch als glaubhaft, sondern eher wie eine weitere Leone-Peckinpah-Kopie. Und obwohl im Mittelteil sogar einige Szenen notwendiger Westerndramatik enthalten sind (das Treffen mit dem späteren Comanchen-Freund), schwächelt der Streifen dann bei der Action, die zwar einiges auffährt, aber komplett blutleer ist. Kamerafahrten scheinen wichtiger als die Szenenaufbauten, Explosionen wichtiger denn Pistolenkugeln. Bei aller gewollten schicken Action fehlt dieser dann auch noch die notwendige Härte, die gerade im Western Ende der 60er Einzug hielt. Raue Sitten, lockere Colts, harte Kämpfe – um da glaubhaft zu sein, die Gefahr zu zeigen, da fehlt einfach der Wumms. Es scheint, als hätte man wieder einmal alles für das heutige Publikum weichgespült – oder eben für die Maximierung des Gewinns durch die Zielgruppenerweiterung, indem man anscheinend das beliebte PG13-Rating in den USA anstrebte und deswegen wie schon beim “Robocop“-Remake auf blutige Details verzichtete. Doch das ist der falsche Schritt, vor allem künstlerisch, denn es geht nicht um Stilisierung oder Selbstzweck, sondern darum bestimmte Dinge nicht als Lappalien darzustellen, nicht Winnetou-Action zu bieten, sondern wieder mehr dem Neowestern zu entsprechen, sonst passt am Ende gar nichts mehr zusammen, was der Film sonst stilistisch aufbaut (und eher letzterem entspricht).

“Die glorreichen Sieben“ besitzt einige tolle Landschaftsaufnahmen, eine schicke Westernstadt, aber viel zu wenig Eigenleben und Einfallsreichtum, um über ein zu langes Mittelmaß heraus zu stechen. Wer Western mag, der kann reinschauen, darf aber definitiv nicht zu viel erwarten – und vor allem nicht das, was der Trailer verspricht.