Die drei Musketiere

Die drei Musketiere (The Three Musketeers)
USA/UK/BRD/F 2011

Regie: Paul W. S. Anderson; Buch: Alex Litvak, Andrew Davies; Literaturvorlage: Alexandre Dumas; Kamera: Glen MacPherson; Musik: Paul Haslinger; Schnitt: Alexander Berner
Darsteller: Logan Lerman (D´Artagnan), Ray Stevenson (Porthos), Milla Jovovich (Mylady), Orlando Bloom (Buckingham), Christopher Walz (Richelieu)
Länge: 111 Minuten, Farbe

Jaaa! Ein neuer Trash-Kandidat der Sonderklasse!
”Die drei Musketiere“ – die wohl dööfste Neuninterpretation, die man sich ausdenken kann.

Wie gehabt geht es um den jungen D´Artagnan, der zusammen mit Athos, Porthos und Aramis die Ehre der Königin retten muss und Frankreich vor einem Krieg mit England bewahrt.
So gut, so gehabt, denkt man sich, aber Paul Anderson ist nun mal ein Computerspiele-Verfilmungsregisseur (Resident Evil 3D) und genauso geistig minderbemittelt ist das ganze Vehikel bzw. stellt sich die Produktion das Publikum vor, das diesen Film sehen möchte.

Stilistisch weisend ist da die Eingangssequenz, die mal von vornherein klar macht, dass einen hier kein klassischer Mantel-und-Degen-Abenteuer-Flair erwartet, sondern eine möglichst cool geplante aber trashig umgesetzte Variante eines Popcornfilms mit allen Plattitüden wie Matrix-Zeitlupen, 90er-Jahre Rampeneffekten, Tomb-Raider-Charakteren und unendlich ermüdenden Dialogen, die, obgleich eher wenig an der Zahl, katastrophal platt sind.

Ja, was hab ich gelacht bei der Eröffnungsszene. Mit Athos als Froschmann mit James-Bond Gimmicks, Aramis als ”Assasins Creed“ Replik, der von hohen Kathedralen in eine Gondel springt und einer Mylady, die Schatzfallen durchturnt.

Noch Fragen zum Rest des Filmes? Der bleibt in dieser Kategorie.

Leider zeigt sich immer mehr, dass viele Produzenten nur noch Filme für Analphabeten oder Kleinkinder mit Denkschwäche machen wollen, denn erwachsenes Kino sieht definitiv anders aus.
Das beginnt schon damit, dass fast alle eine sehr saloppe moderne Straßensprache sprechen und allein ein/zwei Figuren ein dann wieder übertrieben kauderwelschiges Deutsch sprechen, um es auf ´alt´ zu trimmen.

Dadurch wirken viele Dialoge sehr plump und wenig verspielt bzw. jeder Tiefe entblöst. Damit auch der letzte Depp in der hintersten Reihe beim Popcornessen und Handygame-Spielen noch mitkriegt wie die Handlung ist, erzählt dann immer der böse Kardinal seinen Plan und die böse Mylady sagt dann direkt im Anschlusss genau, was das für Folgen haben wird. Zum Glück realisiert das gleiche Team nicht Filme wie “Der Spion der aus der Kälte kam“ oder “Nackte Gewalt“ – dann könnte man die genialen Drehbücher gleich mal auf den Müll schmeissen bzw. die Twists der Geschichten zweimal.

Mit Milla Jovovich als Mylady hat man zudem eine gekonnte Fehlbesetzung hingelegt. Nicht dass die anderen Rollen groß glänzen würden (womit auch), aber man hat hier die theoretisch beste Frauenrolle der Vorlage nicht nur vereinfacht, sondern einfach auch mit schauspielerischem Unvermögen ausgestattet. Tiefe? Null? Glaubwürdigkeit? Null! Sex? Null! Da nutzt auch nacktes Bein und ein sinnloses Strumpfband nichts.

Ungeachtet dessen ist der Rest mehr als ärgerlich, weil einfach nur strunzdumm!
Aramis verteilt doch tatsächlich Strafzettel (!!!!) wegen Pferdekots auf der Straße (!!!!!). Soll das wirklich lustig sein? Abgesehen davon, dass die Figur damit nur unsympathisch und kleinlich rüberkommt, ist das ja auch ein Anachronismus sondergleichen. Dass damals die Straßen voller Kot waren und dass so was in einer Millionenstadt mit Pferden als Hauptverkehrsmittel üblich war, weiss jeder halbwegs normal denkende Mensch.
Warum also dieser billige Gag, der keiner ist?

Noch schnell den Rest der wichtigsten Logikfehler aufgezeigt:
Buckingham wird als arroganter Schnösel gezeigt – wie kann also die Königin sich in ihn verlieben?
Der große Plan des Kardinals hat als Ziel, dass er selbst König wird. Selbst der gutmütigste Zuschauer würde hier am liebsten seinen Kopf gegen die Kinowand hämmern! Wer kommt den auf so was? Das ist so doof, dass man sprachlos ist!
Ach ja – und weil Buckingham hier ja böse ist, stiehlt Mylady die Juwelen der Königin – und bringt sie Buckingham, damit diesem unterstellt wird, er habe sie von der Königin bekommen.
Wer die Geschichte kennt, weiss, dass das da beim Schreiben die Logik gerade in der Garage eingesperrt war. Um es kurz zu machen – man verschlechtert eine funktionierende Geschichte ins sinnfreie, um kleinere Veränderungen zu etablieren, womit dann aber die gesamte Sache nicht mehr funktioniert. Holla, da hat mal wieder jemand in die Drehbuchtrickkiste gegriffen!!

Egal, denn um nach England und zurück zu kommen haben die Musketiere diesmal fünf Tage Zeit. Ja – genau. Liebes Drehbuchteam, aufwachen! Es ist nicht 2011!! Damals gab es keine Autos. Und auch keine Eisenbahn. OK, sinnlos sich darüber aufzuregen. 14 Tage wie im Original waren wohl uncool.
Genauso uncool wie die einst 5 Gegner, gegen die D´Artagnan und die drei das erste Mal zusammen kämpfen. Jetzt sind es gleich 50 Gardisten, die wie im Kasernenhof in ihren schön klinisch-sauberern Röckchen aufmarschieren.
Lä-cher-lich!!

Abgesehen davon gibt es kleinere Widrigkeiten, die allesamt unnötig und unverständlich sind.
König Ludwig wird nicht nur als dumm dargestellt, sondern als geradezu blödsinnig und jähzornig  – zwischendurch ist er dann aber mal wieder liebenswert und schüchtern. Ääähm – ja…

Der Protestant Buckingham küsst zudem dem Katholiken Richelieu die Hand. “Katholiken-Protestanten, mein Gott, wo ist da der Unterschied?“, wird sich der Drehbuchautor gedacht haben. Dass es gerade in der Geschichte darum geht mag beiläufig unter den Tisch gekehrt werden.

Constance, die Schneiderin der Königin, ist hier ihre Hofdame. Während sie im Original als Schneiderin a) für D´Artgagnan erreichbar ist und b) logischerweise auch den Palast verlässt und sich draussen aufhält, ist beides nun nicht mehr gegeben. Dass sie in ihrer ersten Szene auf einem Markt Blumen kauft (als Kitsch-Klischee-Mädchen mit Blumenkörbchen) passt damit auch keinesfalls. Genausowenig, dass sie später mit nach England aufbricht, um die Juwelen zu holen.

Ausser dass der Kardinal dann noch in einer Traingsszene selbst fechtet (aaarghh!!), gibt es nun Luftschiffe (also Holzschiffe mit Zeppelinballon oben drauf). Diese Schiffe gab´s schon in tschechischen Jules Verne-Verfilmungen aus den 50ern. Da war das sogar lustig gemacht und gemeint. Hier wirkt das als nächste Doofheit zum Rest ebenso passend. Nämlich passend blödsinnig.

Zuletzt sei gesagt, dass man es geschafft hat, fast alle Figuren relativ oberflächig und wenig sympathisch zu gestalten. Durchaus auch ein Verdienst.

Wer jemals die geniale Richard Lester Adaption der Dumas-Geschichte gesehen hat, der wird hier nur beschämt Lächeln können. Sinnfrei und sinnlos sind so die passendsten Attribute, die mir zu dieser Verfilmung einfallen. Hat man mit dem Einbau von Drehkränen, Schachspiel und dem trotteligen Diener noch einige Dinge schwach aus der damaligen Verfilmung übernommen, so fehlt es hier eigentlich – naja, an allem.

Durchaus zu überzeugen wissen die Drehorte, die man gänzlich in Deutschland gefunden hat. Schöne (bayerische) Schlösser inkl. Innenräume – aber desungeachtet bleiben keine positiven Momente zurück, wenn schon in den Grunddisziplinen “logisches Drehbuch“ und “stringente Regie“ versagt wird.

Für eine Konkurrenz der Trashgranaten reicht es übrigens auch nicht. Herkules und Co. haben da einfach mehr zu bieten. Gnade vor zukünftigem Schrott wie diesem!