Brothers Grimm

Brothers Grimm (Brothers Grimm)
Tschechien, USA 2005

Regie: Terry Gilliam; Buch: Ehren Kruger; Kamera: Newton Thomas Sigel; Musik: Dario Marianelli; Schnitt: Lesley Walker
Darsteller: Heath Ledger (Jacob Grimm), Matt Damon (Wilhelm Grimm), Jonathan Pryce (Delatombe), Monica Bellucci (Königin)
Länge: 119 Minuten, Farbe

Englische Titel sind ja mal ganz nett, aber warum kann man bei einem Film, der in Deutschland spielt, bei dem Deutsche die Hauptfiguren sind und in dem kein Engländer auftaucht, nicht einfach auch einen deutschen Titel geben? “Gebrüder Grimm“ hätte es doch auch getan, oder – und hätte viel besser gepasst, oder? Egal, jetzt ist´s halt “Brothers Grimm“, was soll´s.

Die Brothers Grimm sind hier keine Sprachwissenschaftler sondern die coolen Brothers, die sich die Sagen der jeweiligen Landstriche zu Nutze machen und dort als böse Sagenfiguren so lange Unheil stiften, bis man sie dafür bezahlt, diesen wieder den Garaus zu machen.
Also im Prinzip “Zwei glorreiche Halunken“ nur ohne Western. OK, nix neues, doch das hat schon weiland bei “Dragonheart“ geklappt, warum also nicht.

Die Brothers werden aber enttarnt und müssen für die französischen Besatzer nun einen schwierigen Fall klären. Hier geht es allerdings mit echten Märchengestalten zu – inklusive Zauberwald, Fluch und böser Königin.

Jetzt sind sie also im richtigen Märchen angelangt und überall lungern auch Reminiszenzen an verschiedene Geschichten herum. Diese sind teilweise geradezu wahllos verteilt, so hat u.a. die böse Königin die unzähligen Matratzen der Prinzessin auf der Erbse, den Zauberspiegel und Rapunzels Turm und Haare. Insgesamt ist vieles stark übertrieben. Es ist aber ein zu-viel und das definitiv wahllos-neu-interpretieren bietet unglaubliche Nervfaktoren, so als ob nichts wirklich zusammen gehören will und die Zusammenhänge sich kaum wirklich erschließen. Zudem gibt es auch mit dem Lebkuchenmann eine nicht-deutsche Gestalt oder Anspielungen auf die Märchen von Andersen. Hat man hier einfach wenig recherchiert oder nur wild herumphantasiert? Ich glaube eher letzteres.

Mag es am Anfang noch nett sein, die Geschichten der Brothers Grimm als Wahrheit zu zeigen, so hat sich dieses Element sehr schnell abgenützt und verliert an Reiz. Leider bemerkt das der Film nicht rechtzeitig. Überhaupt betrachtet man die Handlung eher, als dass man sich in sie hinein versetzt. Hier ist einfach alles etwas zu künstlich, die Handlung zu simpel (für den Anspruch) und die Spannung kaum vorhanden.

Auch kommt es so vor, als ob die Macher nicht genau wüssten für wen sie jetzt produzierten. So gibt es zu viele Härten für Kinder, zu wenig historische oder legendenhafte Genauigkeit für Märchenfans und zu wenig  Spannung für alle anderen.

Die Handlung bleibt einem zumeist herzlich egal und allein einige stimmungsvolle Bilder oder Szenen tragen den Zuschauer, aber man weiss selten woran man wirklich ist.
Trotz aller Einfälle und Ideen, mit der man versucht hat, Szenen zu gestalten und zu variieren, bleiben diese viel zu wenig für ein wirklich überschäumendes Fantasiespektakel und die Hauptstory viel zu schwach um ein erwachsenes Publikum anzusprechen.

“Brothers Grimm“ macht es einem wirklich nicht leicht. Terry Gilliam ist ein guter Regisseur und sein Film ist sicher kein wirklich schlechtes Werk, aber es ist auch leider kein Film, den man in Erinnerung behalten wird.