Borat

Borat (Borat: Cultural Learnings of America For Make Benefit Glorious Nation of Kazakhstan)
UK/USA 2006

Regie: Larry Charles; Buch: Sacha Baron Cohen, Anthony Hines, Peter Baynham, Dan Mazer; Kamera: Luke Geissbuhler, Anthony Hardwick; Musik: Erran Baron Cohen; Schnitt: Craig Alpert, Peter Teschner, James Thomas
Darsteller: Sacha Baron Cohen (Borat Sagdiyev), Ken Davitian (Azamat Bagatov), Pamela Anderson (Pamela Anderson), Luenell (Luenell)
Länge: 84 Minuten, Farbe

Borat Sagdiyev macht sich aus seiner Heimat Kasachstan auf, Amerika zu erkunden und von den Einheimischen dort zu lernen.
Dabei trifft er auf Feministinnen, Waffenhändler, Rodeoreiter, Autohändler, Show-Prediger und Wetteransager – und verliebt sich in Pamela Anderson aus Baywatch. Prompt macht er sich auf den Weg nach Kalifornien, um sie zu heiraten.

Nachdem der Komiker Sacha Baron Cohen schon als Ali G. diverse Leute bloßgestellt hatte und in dieser Sendung schon die Figur des Borat gebrauchte, um mit ultraextremen Ansichten seinen Gesprächspartner oft hinter die Fassade blicken konnte, besucht er nun die USA mit versteckter oder offener Kamera.

Knallhart führt er hier die amerikanische Gesellschaft vor. Die Reaktionen, die man hier sieht sind größtenteils echt. Mit Borat glaubt man einen etwas dümmlichen aber aufrichtigen Gegenüber vor sich zu haben. So schafft es Cohen tatsächlich bei einem Rodeo in Texas aufgrund seines gebrochenen Englisch unter Jubeln der Zuschauer zu sagen:”We support your war of terror!” und jeder glaubt ihn zu verstehen.

Die Schmerzgrenze mag für den ein oder anderen schnell erreicht sein. Was Borat sagt und tut ist niemals politisch korrekt, liegt immer daneben und trotzdem findet er überall Leute, die damit nicht immer Probleme haben.

“Wie schnell muß man über einen Zigeuner fahren, damit er richtig tot ist?”, fragt Borat einen Autohändler. Anstelle ihn hinaus zu werfen antwortet der: “Na so 40 Meilen pro Stunde.”
Ähnliches passiert überall wo er hin kommt. Einen Waffenhändler fragt er, welche Waffe er zum Schutz gegen Juden empfiehlt – der antwortet ohne groß zu zögern: “Eine 9mm.”

Einige wenige Szenen sind hier gestellt, gerade wenn sie die Handlung voran bringen sollen, bei einigen sind die Opfer eingeweiht. Insgesamt aber zeigt Cohen sein Talent als Improkomiker und spielt seine Rolle glaubwürdig, genauso wie sein Freund Azamat, der von Ken Davitian verkörpert wird, den man aber bis zum Abspann nie für einen Amerikaner hält.
Zwischendurch führen die beiden Dialoge in einer erfunden Sprache, die untertitelt sind. Überhaupt sollte man schon von Grund auf die Originalfassung ansehen (Englisch mit Untertiteln). Ist zwar die Synchro anscheinend nicht ganz so schlecht, geht doch mit Sicherheit ein großer Teil des Witzes und der Eigenart von Borat verloren, wenn man eine ´gespielte´ Version von eigentlich echten und ´spontanen´ Szenen sieht.

Der Botschafter von Kasachstan hat schwer protestiert, als der Film anlief, auch in Deutschland hat er schon mehrere Klagen am Hals, man wirft ihm u.a. Volksverhetzung vor.

Das es sich hierbei um Satire handelt, scheint vielen nicht aufgefallen zu sein. Cohen ist rassistisch, um Rassisten zu enttarnen – so funktioniert das Prinzip hier. Das ist nicht rosarot, das riecht nicht nach Blümchen, das ist nicht mit vorgehaltener Hand und Zeigefinger vorgetragen, sondern es rumpelt und knallt. Das darf Satire auch, das muß sie tun dürfen, das ist eine ihrer Waffen und das muß auch so bleiben.

Erstaunlich bei dem Film ist aber die Tatsache, daß Cohen hier keine bloße Nummernrevue abliefert (was ich befürchtet hatte), sondern daß ein überraschender runder Filme (für diese Art von Realisierung) entstand.

Wer nicht ganz so zartbesaited ist, wird Szenen erleben, die zum Schreien komisch sind. Provokation und Entlarvung geben sich die Hand – manchmal ist es sehr nahe an der Geschmacksgrenze – aber in der letzten Zeit habe ich mich selten so kurzweilig im Kino unterhalten.