Bohemian Rhapsody

Bohemian Rhapdosy (Bohemian Rhapsody)
USA/GB 2018
Regie: Bryan Singer, Dexter Fletcher; Buch: Anthony McCarten,Peter Morgan
Darsteller:
Rami Malek (Freddie Mercury), Gwilym Lee (Brian May), Ben Hardy (Roger Taylor), Joseph Mazzello (John Deacon)
Länge:
135 Minuten

Es gibt Rockband-Legenden und eine nicht kleine Zahl davon kommen aus Großbritannien. Neben den Beatles, den Rolling Stones, Led Zeppelin, The Who und Pink Floyd sind das sicher auch Queen, die in den 70ern groß geworden sind. Seit Jahren schon soll deren Leben schon verfilmt werden, verschiedene Darsteller für die wichtige Rolle des Freddie Mercury waren im Gespräch und auch Queen selbst gab vor, dass die Band nicht zum Nebendarsteller degradiert wird und das Ganze nicht in eine One-Man-Show ausartet, bei der nur Mercury im Vordergrund steht. Natürlich ist Freddie die große und entscheidende Figur in “Bohemian Rhapsody“, wie sollte es auch anders sein, da er als charismatische, bunte Persönlichkeit dies eben auf der Bühne und im Leben verkörperte. Doch die Band ist präsent und vielleicht präsenter als sie ohne diese Vorgaben gewesen worden wäre. Dadurch gewinnt der Film in der Intearktion unter den Kollegen, verliert aber auch, wenn es um die Endphase der Gruppe geht.

Der Film beginnt mit Freddies Einstieg und der Gründung der Formation 1970 und endet mit dem Live-Aid Konzert 1985. Dabei beleuchtet er in kurzen Szenen die meisten Aspekte der Karriere, überdramatisiert auch an einigen Stellen, verändert natürlich einige biographische Dinge aufgrund dessen, lässt anderes wegfallen oder deutet nur an. Doch das gehört zum filmischen Alltag, insofern fällt das nur bei bestimmten Stellen ins Gewicht. Zwischendurch hetzt man scheinbar durch das Leben, um möglichst viele Facetten einzubauen, um es allen Recht zu machen. Band, Manager, Labelboss, Experimente und neues Suchen – in der Kürze gelingt das auch gut und man bekommt tatsächlich einiges mit von den Ideen und der Motivation. Die meisten Szenen sind kurz gehalten, die Dialoge ufern nie aus, es gibt zahlreiche Szenenwechsel, so dass es hier und da, vor allem bei den Touren, immer wieder wie collagierte Momentaufnahmen anmutet. Das hat den großen Vorteil sehr viel in den Film packen zu können, aber auch, immer wieder die Handlung (die ja allen bekannt sein dürfte) voranzutreiben. Man hält sich nicht lange auf, was durchaus zum generellen Fellgood-Faktor des Filmes beiträgt, lässt dafür aber auch die echte Tiefe vermissen, macht also einen Kompromiss zwischen diesen Polen.

Relativ schnell finden sich May, Mercury, Deacon und Taylor nach einer ersten Begegnung dann auch im Studio ein, werden von einem Top-Manager übernommen, spielen vor ausverkauften Konzertsälen in Amerika. Die Konzerte sind meist Montagen aus einzelnen Song, nachgestellten Bühnenfotos und eingeblendeten Städtenamen. Das passt wieder in das vorantriebende Konzept, auch zum Finale, nimmt aber vor allem bei der ersten Tour auch die Spannung – wird es gelingen, wie reagiert das US-Publikum, wie sehen die ersten Shows wirklich aus? Aber vielleicht dachte man sich auch, dass das der Zuschauer ohnehin weiß oder nicht daran im Speziellen interessiert ist. Desweiteren wird natürlich die Entstehung der Hits oder Alben anekdotenhaft nacherzählt. Wer musikbegeistert ist, hätte sich auch hier etwas mehr Background erhofft – etwas mehr echte Studioarbeit, Schwierigkeiten, Klangentstehung, als Queen in kurzen Schnitten dabei zuzusehen, wie sie Gegenstände auf Pianosaiten legen, Verstärker durch den Raum pendeln oder die Interaktion zwischen Band und Publikum mit “We Will Rock You“ fördern wollen. Nicht, dass die gezeigten Szenen nicht passen würden oder unlustig wären – sie sind einfach etwas zu sehr an der Oberfläche, was aber vielleicht dem normalen Publikum ohne Musikhintergrund nicht negativ auffallen mag. Ein großes Manko ist aber auf jeden Fall die anscheinend angestrebte PG13-Freigabe (in der USA, bei uns ist der Film schon ab 6 freigegeben), die Freddies Exzesse zu reinem Maulheldentum verkommen lassen. Es wird allenfalls leicht angedeutet, ein Kuss, ein Bettlacken, ein Trucker im Männerklo – und als ein ehemaliger Freund von seinen wilden Gelagen erzählen erscheint dies im Film eher als Lüge, hat man davon doch nichts erlebt. Genau das kostet dem Film echte Dramatik, echte Liebe, echte Spannung.
Freddies innere Dämonen werden zwar besprochen, aber nie gezeigt, sein Partyleben besungen, aber sonst ausgeblendet, seine Zeit in München am Ende als Fehler dargestellt, der ihn reumütig zur Band zurück kommen lässt, anstelle als die Freiheit, die er eben nur dort ausleben konnte. Die Exzesse, Drogen, Liehbaber führen zu Reue und Selbstfindung, was mit einer höheren Freigabe nicht ganz so verklärt hätte sein müssen. Und auch der letzte Lebensabschnitt kommt zu kurz. Sein Willen, die Zeit zu nutzen, so lange Songs aufzunehmen, bis es nicht mehr geht, fehlt komplett, ist nur verbal präsent. Das wäre ein echter tragischer Höhepunkt gewesen, ein echter Schluss, der der Person auch gerecht geworden wäre, ganz in der Tradition von „Amadeus“, wo dies ebenfalls funktionierte und grandios war, Vielleicht wollte man ja diesen Film nicht kopieren in den Szenen, vielleicht hab es andere Gründe, aber genau genommen fehlen damit einige weitere Hits und wichtige Alben der Band.

Auf jeden Fall ist darauf aber ein unterhaltsamer Musikfilm geworden, der eben eher dem breiten Publikum gerecht werden will, der Familienunterhaltung bietet und mit einer sehr guten Besetzung aufwartet. Nicht nur Mercury, auch die anderen Queen-Mitglieder sind gut getroffen, die Darsteller haben deren Bühnenposings (Mays senkrechte Gitarre) perfekt einstudiert, die Instrumentcoachs haben ebenfalls gute Arbeit geleistet. Beides wird besonders im letzten Live-Segment eindrücklich deutlich. Die generelle Präsenz der Band tut dem Film auch gut, macht ihn bunter und lässt wirklich kein One-Man-Show-Gefühl aufkommen, obwohl natürlich Freddies Leben im Mittelpunkt steht. Die Feelgood-Attitüde steht natürlich ganz oben auf der Agenda des Filmes und die hat man auf jeden Fall erfüllt. Man hat Spaß damit und bei der finalen Live-Aid-Show kulmiliert alles (etwas arg dramatisiert, da angedeutet wird, dass bis nach dem Auftritt keine Spenden eingegangen sind) und es wird klar, dass in der überlangen Szene das Live-Gefühl der Band in den Kinosaal gebracht werden soll. Das klappt auch aufgrund gewisser dramatischer Kniffe, der Schauspielerleistungen und der Konzertatmosphäre, wird aber etwas geschwächt, da der Auftritt fast in Originallänge gezeigt wird, was mindestens ein Song zu viel ist, denn Bilder, Stimmungen und Ausdrücke auf den Gesichtern wiederholen sich einfach (und man schaut ja einen Film mit Schaupielern und nicht einer ehcten Band live zu) so dass das Finale, in dem sich Freddie quasi mit allen (Familie, Welt, Band) versöhnt, nicht ganz so viel Druck hat, wie es hätte sein können. Neben all dem letzten Bomast sind es aber eben wieder die kleineren Momente, die echte Gefühle wach rufen können und den Zuschauer mitreißen – und davon gibt es in der zweiten Filmhäfte durchaus einige. Ebenfalls passend ist die meist zurückhaltende, aber im Stile der Zeit gehaltene, schön photographierte Kameraarbeit.  

“Bohemian Rhapsody“ ist ein Film, der einen das Kino auf jeden Fall lächelnd verlassen lässt, seine Aufgabe also erfüllt hat. Wer an “The Doors“ denkt, weiß, dass die letzten Jahre der Band dem Film einfach eine stärkere Dramatik gegeben hätte und dass weniger Vernarrtheit in familienfreundliche Freigaben auch einen besseren Film erzeugen. Somit bleibt “The Doors“ mit Abstand unangeschlagen der beste Musikfilm über eine Band, bleibt “Amadeus“ unangefochten der beste Musikfilm überhaupt, “Bohemian Rhapsody“ ist dennoch ein unterhaltsamer Film, der aber vor allem Queen-Fans begeistern wird.