Batman Begins

Batman Begins (Batman Begins)
USA 2005

Regie: Christopher Nolan; Buch: David S. Goyer, Christopher Nolan; Kamera: Wally Pfister; Musik: James Newton Howard, Hans Zimmer; Schnitt: Lee Smith
Darsteller: Christian Bale (Bruce Wayne), Michael Caine (Alfred), Liam Neeson (Ducard), Katie Holmes (Rachel Dawes), Gary Oldman (Jim Gordon), Cilian Murphy (Dr. Jonathan Crane), Rutger Hauer (Earle), Ken Watanabe (R´as Al Ghul), Morgan Freeman (Lucius Fox)
Länge: 141 Minuten, Farbe

BOOM! CRASH! BANG!
Das sind die bekanntesten Zeilen aus dem „Batman“-Film von 1966.

Der dunkle Ritter schlief nach den klamaukig-kindlichen Abenteuern einen langen filmischen Schlaf, den erst Tim Burton 1989 mit seiner gleichnamigen Comic-Adaption beendete. Der Film war ein Überraschungserfolg und viel dunkler und erwachsener als die Vorgänger es je waren.
Danach folgte mit „Batmans Rückkehr“ ein noch schwärzerer Teil, der wiederum die artifizielle Künstlichkeit des ersten Teils übernahm und damit den modernen Comicvisionen des Fledermausmannes sehr nahe kam.
Mit Joel Schumacher als Regisseur nahm die Reihe aber eine andere Wendung und wurde zu reinem Popcorn-Kino ohne eigene Kraft und Magie. Gerade „Batman & Robin“ war ein Tiefpunkt der Reihe, nicht umsonst der letzte Teil – bis heute.

Getrieben von Rachegedanken am Mörder seiner Eltern, will Millionärssohn Bruce Wayne das Unrecht der Welt bekämpfen. Im asiatischen Hinterland wird er von dem mysteriösen R´as Al Ghul in der Kunst des Kampfes und der Ninja unterrichtet. Doch ihre Wege trennen sich gewalttätig, da Bruce der Vernichtung allen Übels nicht auf die gleiche unnachgiebige Art wie sein Lehrer nachgehen will.

Als er nach Gotham zurückkehrt, findet er eine Stadt vor, die von Gangstern beherrscht wird und in der Korruption zum guten Ton gehört. Seine Jugendfreundin Rachel ist als Staatsanwaltsgehilfin ein letztes Bollwerk, genauso wie der Polizist Gordon. Mit Hilfe seines treuen Butlers Alfred und den Erfindungen des loyalen Wissenschaftlers Fox wird sein alter ego zum Symbol für die Vernichtung des Verbrechens – zu Batman. Doch die Gefahr wird größer, als der geheimnisvolle Scarecrow die Stadt vergiften will – und das im Auftrag des todgeglaubten R´as Al Ghul.

„Batman Begins“ spielt zeitlich natürlich am Anfang der Karriere des Superhelden und ist definitiv nicht mehr in die einstige Serie einzuordnen, will vielmehr der Grundstein einer neuen, eigenständigen sein.
Orientierten sich die älteren Filme ganz an einer nicht-existenten, teilweise expressionistischen Kunstwelt mit Elementen aus verschiedenen Jahrzehnten, so geizt der neue „Batman“ mit allem was Künstlichkeit und Comiclook betrifft.

Da der Hang zu genau diesem Kino in den letzten Jahren gerade durch viele Comicadaptionen und Science-Fiction-Streifen vehement zunahm und nicht nur eine allgemeine Übersättigung, sondern auch schon gähnende Langeweilige deswegen im Kinosaal zu spüren war, ist dieser Schritt, genauso wie bei „Constantine“ gewagt – und unglaublich erfrischend.

Die Kulissen des Films sind ´echt´, die Landschaften ebenfalls, Gotham sieht so aus, wie eine zeitgemäße Stadt aussieht, sterile Green-Screen-Attacken (wie in den neuen „Star Wars„-Filmen) gibt es genauso wenig, wie übertriebene Computereffekte (siehe „Matrix: Revolutions“ u.ä.).Ein böser reicher Bube versteckt eine Geheimwaffe in dem Körper seines Kindes, um sie über die Grenze zu schmuggeln. Doch eine Ex-Mitarbeiterin verhindert diesen Plan und auch ein betrogener Agent, dessen totgeglaubte Frau und unwissendes Kind nun bei dem Bösen sind, treten gegen ihn auf den Plan. Natürlich mit Erfolg.

Auch die Farbe ist nicht quietschbunt und bonbongrell, ebenso wird die Kamera nicht reißerisch eingesetzt. Obwohl dies einmal die Tagesordnung war, wie Filme produziert wurden, muß man das heute betonen, denn diese formellen Rückschritte sind Fortschritte in einer Zeit der totalen Belanglosigkeit und sinnentleerten visuellen Dominanz.

Die Geschichte des Film gewinnt dabei sicherlich keinen Preis im Pantheon der Drehbuchgötter, aber sie ist zweckdienlich, straff erzählt und man schaut gerne weiter. Für Fans der neuen Comicserien wie „Gotham Knight“ und „Batman Detective Stories“ gibt es genügend Figuren und Elemente, die ein Wiedererkennen erlauben und da auch hier schon ein viel realistischer und dunklerer Grundton regierte, wird allenfalls sturen Mainstream-Liebhabern durch die ´neueartige´ Erzählweise vor den Kopf gestoßen.

Geschickt wird dabei zuerst Bruces Vorgeschichte durch Rückblenden in den Film eingewoben und durch kleine Hooks das Publikum bei Laune gehalten, um dann später von einer normalen ´Gefahr-Storyline´ abgeholt zu werden.
Doch die Menge der Elemente wie die keimende Love-Story, Verbrechen und Korruption, die loyalen Helfer und Batmans langsamer Beginn halten die Spannung konstant aufrecht. Ausufernde Dialoge werden vermieden und Regisseur Christopher Nolan (Memento) bietet immer neues Pulver, indem er den Zuschauer z.B. erst nach Batmans ersten Einsätzen in dessen Bathöhle mit hinein nimmt. Zusammen mit David Goyer (Blade, Blade 2, Blade: Trinity), zieht er den Spannungsbogen gut durch und läßt nur am Schluß den Finalkampf etwas enttäuschend enden.

Überhaupt sind es die Kämpfe und Actionszenen allgemein, die wieder in chaotischer Manier geschnitten und durcheinander gewirbelt sind. Irgendwann liegen alle flach, aber die Action selbst wird nicht wahrnehmbar gezeigt. Das langweilt, nervt im Kino durch die große Leinwand immens und nimmt dem Film natürlich eine Ebene, die sonst noch einiges an Production Value hinzugefügt hätte.

Denn Actionfilme sind das dann nicht mehr, da man davon eindeutig nichts mehr sieht. Schade eigentlich, aber eine Chance für den Rest der Welt, die dann wie zum Beispiel die thailändische Produktion „Ong-Bak“ mit sauberen Choreographien, weniger Schnitten, totaleren Einstellungen und ohne Schnickschnack (Drähte, CGI) tolle Kampfszenen hinbekommen und damit wieder richtige Actionfilme produzieren. Das Können und die Choreographie geht nämlich hier leider komplett unter und versinkt im Bildermatsch, ebenso wie die Spannung, da man nicht mehr folgen kann, wer gerade wen schlägt und deswegen in Gefahr ist oder eben nicht.

„Batman Begins“ ist ein guter Anfang für eine neue Serie (die ja eindeutig angestrebt wird, indem am Ende der Joker ´eingeführt´ wird), ist Unterhaltungskino ohne zu große Künstlichkeit und vereint unglaublich viele bekannte Gesichter bis in die Nebenrollen (Oldman, Freeman, Caine, Neesom).

Wären die Actionszenen nun noch geglückter inszeniert worden und die „Rettungsstoryline“ etwas origineller, dann wäre der Unterhaltungswert größer geworden – immerhin kann man sich hier wirklich auf eine Fortsetzung freuen – und muß diese nicht fürchten.