8 Frauen

8 Frauen (8 Femmes)
F 2002

Regie: François Ozon; Buch: François Ozon, Marina de Van, Robert Thomas; Kamera: Jeanne Lapoirie
Darsteller: Danielle Darrieux (Mamy), Catherine Deneuve (Gaby), Isabelle Huppert (Augustine), Emmanuelle Béart (Louise), Fanny Ardant (Pierette), Virginie Ledoyen (Suzon), Ludivine Sagnier (Catherine), Firmine Richard (Madame Chanel), Dominique Lamure (Marcel)
Länge: 106 Minuten

Marcel, der Hausherr, wird ermordet aufgefunden. Der Landsitz ist zugeschneit, das Telefon gekappt, die Autos sabotiert. Jede der 8 anwesenden Frauen (Ehefrau, Tochter, Schwester, Schwägerin, Dienstmädchen) hat ein dunkles Geheimnis und damit einen Grund, ihn umzubringen. Tausend Beschuldigungen, Verhöre und Beichten folgen. Aber seine jüngste Tochter kann den Fall aufklären.

Ähnlich wie bei “Rollerball” wollte ich zu diesen Film nie etwas schreiben, doch nachdem ich darin Einblicke erhielt (ich konnte ihn wirklich nicht nicht in Echtzeit anschauen), mußte ich zur Feder bzw. Tastatur greifen, denn unverständlicherweise wurde das Werk hier mehrmals ausgezeichnet. Gut, Geschmack ist immer subjektiv, aber meiner ist es halt eben nicht.

Mag das klassiche Whodunit-Sujet spannend klingen – alle Verdächtigen sind an einem Ort und nur einer kann der Täter gewesen sein – so läßt die Umsetzung jegliche Spannung vermissen. Anscheinend war es dem Regisseur nicht wichtig diese einzufangen, überlässt er doch alles einer theatergleichen Inszenierung in langweiligen aber quitschbunten Bühnenbauten. Es wirkt alles etwas unentschlossen, verzichtet stark darauf echter Krimi zu sein, bietet eher Plattformen für die acht titelgebenden Frauen und deren Marotten. Somit herrscht eher  gediegenes Enthüllungsgespräch, schlappe Dialoge und die Verbannung jeglichen Lebens aus der Umsetzung. So steril wie der Aufbau ist auch der Look des Films, so sind es auch die Darsteller. Chargierend wird hier Talent verschwendet, denn die nur auf Theater ausgerichtete Bühnenregie hätte man lieber am Theater lassen sollen. So wirkt alles vor allem unglaubwürdig. Gut, das war natürlich beabsichtig – das Bunte, Allzuleichte, das Theater – aber wenn ich mehr sehen will als acht Diven, dann fehlt hier einfach die Substanz.

Dazwischen gibt es Songeinlagen, in denen jede der Frauen eine Solonummer hat, die sie charakterisieren soll. Hier findet man sich dann am absoluten Tiefpunkt wieder, denn dieser Puppenkitsch und Billighumor, der gerade in den Musicalszenen hervortritt, macht dem Rest des Films den Garaus. Es handelt sich also um ein Krimi-Musical-Theater-Hybrid und natürlich passen auch solche Tanzeinlagen überhaupt nicht in die Krimihandlung des Films, aber wen stört dies bei so vielen Schwächen überhaupt noch – denn diese Schwächen wurden immerhin konsequent konzipiert. Also unterstelle ich dem Regisseur eine Absicht in diesem Aufbau, der in schlechtem Geschmack, einfachen Mißverständnissen oder dem Versuch einer Parodie auf eben solche Stücke basieren kann. Trifft das letztere zu, so kann man nur sagen – mißlungen – jede Seifenoper ist parodistischer angelegt.

Der letzte Kritikabschnitt, die Auflösung betreffend, ist ein SPOILER, also entscheide selbst, wer weiter lesen möchte.

Dazu kommt noch der typische Knallerschluß – der Tote ist nicht tot, aber nachdem der arme Marcel die Schlechtigkeit der Frauen erkannt hat, zieht er es vor, zu sterben. Selten so gelacht.
Zudem fehlt hier jede Logik in der Pointe, denn Marcel, der u.a. seine ältere Tochter geschwängert hat, war kein Unschuldskind, noch so arm dran, wie uns das Ende vorgaukeln will, wenn man bedenkt, daß er mit seinem nicht unattraktiven Dienstmädchen eine sicherlich erfreuliche Bettpartnerin hatte.

Warum also Selbstmord nach einer ´Erkenntnis´, die er zuvor schon hatte und zu der er nicht unwesentlich beigetragen hat?
Marcel selbst war nämlich so ein Drecksack, daß ich ihm weder die Tat abnehme, sich selbst aus Weltschmerz umzubringen, noch damit Mitleid habe oder gar schockiert bin. Somit ist klar, warum mal wieder einmal das typische zweite Ende nach der eigentlichen Aufklärung beschworen wurde – um der Reißbrettkonstruktion dieses Mörderspiels zu entsprechen. Gäähn.