300

300 (300)
USA 2006

Regie: Zack Snyder; Buch: Zack Snyder, Michael B. Gordon, Kurt Johnstad; Literaturvorlage: Frank Miller, Lynn Varley; Kamera: Larry Fong; Musik: Tyler Bates; Schnitt: William Hoy
Darsteller: Gerald Butler (König Leonidas), Lena Headeay (Königin Gorgo), Dominic West (Theron), David Wenham (Dilios)
Länge: 117 Minuten, Farbe

Sich der Gefahr der nahenden Perser bewusst, zieht König Leonidas von Sparta den Landungstruppen entgegen, um sie an der Engstelle der Termopylen (wird im Film ´heisse Quellen´ genannt) aufzuhalten. Durch seinen Mut möchte er Sparta dazu mobilisieren, das ganze Heer gegen die Perser zu schicken, denn Verräter in den eigenen Reihen intrigieren gegen ihn.

”300” entstand nach einem Comic der Zeichnerlegende Frank Miller und wurde hauptsächlich vor Blue Screen-Wänden gedreht. Das gibt dem Film sicher einen ungewöhnlichen, sehr stilisierten, aber auch sehr unpersönlichen Look. Zu den Comic-Wurzeln mag das passen, aber als Film funktioniert das ganze nicht so reibungslos.

“300” ist Popcorn-Kino. Wer mehr erwartet wird enttäuscht werden. Und ebenso erinnert hier vieles an vergangenes Popcorn-Kino.
So sieht man erstmals seit langem wieder Muskelmänner in Scharen (Sandalen-Filme), Kornfelder mit Frauensingsang (“Gladiator”), mißgestaltete Mutationen (Gollum aus “Herr der Ringe”) und Kriegstiere (ebd.), genauso wie allerlei modischer Zeitlupen- und Rampenhokuspokus (“Matrix” und Konsorten). Regisseur Snyder testet damit tw. die Geduld des Zuschauer, wieviel altes er nochmals neu sehen will und schert sich wenig um Logik, Taktik, Handlung und Personen – in jedem Bild scheint nur das Bild wichtig, was dem Zuschauer leider zu oft klar wird.

Das beginnt mit den Personen, mit denen man sich nie identifizieren kann. Das liegt an ihren Handlungen und auch an der Erzähler-Off-Stimmen-Struktur, die einem alles entrückt.

Man erlaubt sich viele Freiheiten gegenüber den “geschichtlichen” Ereignissen. Genauso wäre es wünschenswert gewesen, wenn sich Snyder Freiheiten im Umgang mit der Comic -Vorlage erlaubt hätte, um die Adaption in das Medium Film gelungener zu machen.
Niemals erfährt man, warum die 300 eigentlich gegen die Perser kämpfen (außer für Freiheit und Gerechtigkeit, was definitiv nicht zu dem im Film gezeigten Spartanerbild passt), wie es sein kann, daß Sparta von einem so dümmlichen Senat regiert wird, warum außer den 300 Spartanern niemand glaubt, die Landung von 170.000 Persern könnte einem Angriff dienen und raubt der Legende sogar die Legende (die 300 plus ein paar Griechen mehr) halten ja eigentlich aus, um den Rückzug des griechischen Heeres zu decken). Zudem ist es nicht nachvollziehbar, warum die Spartaner grundsätzlich gegnerische Unterhändler abschlachten, etc..

All das ist gerade dahingehend traurig, weil die historische Vorlage (oder besser gesagt: Legende), die einzelnen Punkte besser und verständlicher löst. Warum man also solch einen Weg einer Verschlimmbesserung gegangen ist, ist nicht nachvollziehbar.

Leider bietet der Film auch als Actionkino zu viel Stilisierung. Die Kämpfe selbst muten alle gleich an (Zeitlupen-Rampen) und der Einsatz von viel CGI-Kunstblut entrückt diese ebenso ins unechte wie die seltsamen Kampftaktiken der Spartaner und der angebliche Engpass, der sehr großzügig erscheint.

Doch “300” beschränkt sich nicht nur auf die Kämpfe, sondern versucht noch etwas “Politik” mit ins Spiel zu bringen. Hier scheitert der Film leider auf ganzer Linie und wirkt an diesen Stellen sehr gestreckt und unglaubwürdig.

“300” bietet in den Kampfszenen eine gewisse Bildgewalt zu kräftigen Gitarrenklängen und kann mit Monstern und Kreaturen das Blockbuster-Herz erfreuen. Wären die Kämpfe etwas schöner

durchchoreographiert worden und die Handlung nicht so gedehnt, dann hätte man sicher einen netten Actionfilm gehabt, denn Gerald Butler macht seine Sache als idealistischer Anführer sehr gut und brüllt wunderbar in die Kamera und auch Lena Headeay ist als seine Frau bewundernswert ´normal´ und nicht auf verführerisches Modepüppchen getrimmt.

Die Blue-Screen-Herkunft merkt man dem Film hingegen sehr stark an. Kreaturen wie der CGI-Wolf am Anfang wirken definitiv nicht bedrohlich, so gut sie auch animiert wurden und das Bild selbst wurde sehr grobkörnig und monochromatisch ausgeprinted.
Der Grund mag hier außer in der Comic-Vorlage sicher auch in dem Herstellungsverfahren zu suchen sein, da die Implementierung der verschiedenen Bildelemente so für das Auge des Zuschauers weniger erkennbar sind.

Insgesamt ist “300” bei allen Kritikpunkten ein durchaus ansehbarer Film für ein Comic-vertrautes Publikum mit mindestens einer Bierflasche im Kinosessel. Allerdings ist der Film auch nicht der erwartete Action-Overkill und ebenfalls kein Must See (und sicher auch kein wirklicher zweimal-See).